Modernes Asthma-Management

von: Thomas Rothe, Arthur Helbling

Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber), 2005

ISBN: 9783456941332 , 157 Seiten

3. Auflage

Format: PDF, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 17,99 EUR

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Modernes Asthma-Management


 

4. Diagnostik (S. 46-47)

4.1 Allergieabklärung

Die Suche nach einem möglichen allergischen Auslöser gehört zu jeder Asthmaabklärung. Sie beginnt mit einer gezielten Allergieanamnese. Diese erfaßt, ob die Symptome nur sporadisch, saisonal oder ganzjährig auftreten. Welche potentiellen Allergene kommen daheim, am Arbeitsplatz oder im Hobbybereich vor? Werden Haustiere gehalten? Aus welchen Materialien bestehen Matratze und Duvet? Welche Medikamente wurden schon und mit welchem Erfolg eingesetzt? In einem nächsten Schritt kann ein Hauttest-Screening oder ein Sammel-RAST (z. B. Phadiatop®) durchgeführt werden. Auf der Basis dieser beiden Untersuchungen erweisen sich 32,3 % aller Schweizer als Atopiker (26), d. h. ein Drittel der Bevölkerung besitzt eine Sensibilisierung gegen ein ubiquitäres Inhalationsallergen. Die Hälfte aller Atopiker ist jedoch beschwerdefrei, kann aber die atopische Veranlagung an die Nachkommen weitergeben. Bei der anderen Hälfte besteht eine mit der Sensibilisierung assoziierte Erkrankung, wie Rhinokonjunktivitis allergica und allergisches Asthma, d. h. die nachgewiesene Sensibilisierung besitzt «klinische Aktualität».

In unklaren Fällen sind weitere Hautteste mit seltenen Allergenen (z.B. aus dem häuslichen Milieu oder vom Arbeitsplatz), «in vitro»-Allergieteste (Nachweis allergenspezifischer IgE-Antikörper im Serum mittels RAST/CAP oder Immunodot-Methode) oder Provokationsteste notwendig. Hautteste gehören in die Hand Geübter. Für die Bestimmung des Gesamt-IgE existieren heute nur noch wenige Indikationen (71), z. B. beim Verdacht auf eine allergische bronchopulmonale Aspergillose. Einzel-RAST-Untersuchungen sollten nicht als Allergie-Screening-Test eingesetzt werden. RAST-Untersuchungen sind dann wichtig, wenn besondere Umstände einen Pricktest erschweren, wie z. B. neurodermitische Ekzeme, und wenn Medikamente eingenommen werden, die die allergische Sofortreaktion unterdrücken (Antihistaminika, Neuroleptika, trizyklische Antidepressiva). Die meisten Allergene weisen mehr als eine spezifische Bindungsstelle (Epitope) für IgE-Antikörper auf, d. h. das Muster der antigen-spezifischen IgE-Antikörper verschiedener Patienten gegen das gleiche Allergen kann beträchtlich variieren. Allergenextrakte für Hauttest-Lösungen und RAST-Scheibchen werden aus nativem Material gewonnen. Ihr Allergengehalt ist deshalb nicht konstant. Dies hat zur Folge, daß z. B. ein Schimmelpilzallergiker auf die Testlösung einer Firma reagiert, auf die einer anderen aber nicht. Diese Problematik verdeutlicht, daß die Interpretation allergologischer Befunde eine große Erfahrung erfordert.

Das Ziel der Allergieabklärung ist auf der einen Seite die Erfassung von Sensibilisierungen gegen Allergene, auf der anderen Seite herauszufinden, inwieweit nachgewiesene Sensibilisierungen klinische Aktualität besitzen. Eine «Allergenkarenz» bzw. eine «Immuntherapie» ist nur dann sinnvoll, wenn die entsprechende Sensibilisierung klinisch aktuell ist, d. h. daß die Allergenexposition zur Verschlechterung des Asthmas führt. Zur Beurteilung der klinischen Aktualität einer Sensibilisierung existieren im Wesentlichen drei Methoden: Klarer Zusammenhang zwischen Exposition und Symptomatik in der Allergieanamnese, diagnostische Allergenkarenz und Allergenprovokation. Allergenprovokationen (intrabronchial, nasal bzw. konjunktival) gehören in die Hand eines allergologisch tätigen Kollegen. Mögliche Komplikationen schränken den Einsatz der intrabronchialen Provokation überwiegend auf Studien und versicherungsrechtliche Fragestellungen ein. Die Frage der Aktualität einer Milbensensibilisierung läßt sich einfach und ungefährlich bejahen, wenn der Patient unter Allergenkarenz, z. B. im Hochgebirge, rasch beschwerdeärmer wird. Bei Pollensensibilisierungen wird zur Beurteilung der klinischen Aktualität der Zeitraum stärkster Beschwerden mit dem lokalen Maximum des Pollenfluges verglichen (vgl. Schweiz. Pollenbulletin, Meteo Schweiz. Homepage: http://pollen.bulletin.ch/pollen_dt.html und für Europa www.pollen.org).