Medizin - Glaube, Spekulation oder Naturwissenschaft?

Medizin - Glaube, Spekulation oder Naturwissenschaft?

von: Matthias Schweiger

W. Zuckschwerdt Verlag, 2005

ISBN: 9783886038688 , 189 Seiten

2. Auflage

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

Windows PC,Mac OSX Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 16,99 EUR

  • Vertauschtes Leben
    Sonnenwende - Roman
    Wiedersehen am Cape Cod - Roman
    Das Buch der Schatten - Verwandlung
    Wie ein Licht in der Nacht - Roman
    64 Grundregeln ESSEN - Essen Sie nichts, was ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte
  • Ich will auch mal Kanzler werden... - 999 Fotowitze aus der Berliner Republik
    Warum ruft der blöde Prinz denn nicht mehr an? - 100 Wahrheiten, die jede Frau kennen sollte

     

     

     

     

     

     

     

 

Mehr zum Inhalt

Medizin - Glaube, Spekulation oder Naturwissenschaft?


 

Die Wiege der abendländischen Medizin (S. 21-22)

Griechenland

Mystik, Philosophie, Schule und Medizin

Das antike Griechenland gilt als Geburtsstätte der abendländischen Kultur. Dies trifft uneingeschränkt auch auf die Medizin zu, die wesentlicher Bestandteil jeglicher Kultur ist. Der historische Bogen dieser Tradition führt vom antiken Griechenland über Rom, Byzanz bis in den arabischen Kulturkreis des 10./11. Jahrhunderts. Auf dem Boden der fundamentalen griechischen Philosophie haben sich medizinische Lehrgebäude mit rationalem Hintergrund entwickelt, die sich zur praktischen Arbeit in unterschiedlichen Medizinschulen zusammenschlossen und über Jahrtausende hinweg bis in die Neuzeit die Grundlagen der Medizin, unserer heutigen Schulmedizin bilden sollten.

Daneben existierte über viele Jahrhunderte eine alternative Medizin mit mystischreligiösem Hintergrund, wie etwa der Asklepios-Kult. Beide Systeme, die überwiegend rationalen Medizinschulen und die mystisch-religiösen Heiler, lebten problemlos und friedlich nebeneinander und ergänzten sich.

Der Asklepios-Kult

Nach der griechischen Mythologie waren die Götter für die Krankheiten verantwortlich. Dabei ging es in erster Linie nicht um die persönliche Schuld des Erkrankten. Im Verlaufe der häufigen Zwistigkeiten unter den Göttern kam es vielmehr vor, dass ein Gott seinen Kontrahenten treffen wollte und dessen Liebling auf Erden deshalb mit Krankheit belegte. Hauptgott für den Bereich Krankheit und Medizin war Apollo.Er war der Vater von Asklepios (lateinisch Aesculap), der in Homers Ilias beschrieben wird. Asklepios Sohn Machaon stand für die Chirurgie, sein Sohn Podalirius für die innere Medizin.

Der Sage nach soll Asklepios als Arzt derart erfolgreich gewesen sein, dass er sogar in der Lage war,Tote zu erwecken. Dies habe den Gott Zeus so erzürnt, dass er Asklepios mittels Donner erschlagen hat. Später wurde Asklepios rehabilitiert und in den Stand der Götter erhoben. Um diesen Mythos entwickelte sich ein Glaubenskult – der Asklepios-Kult mit Tempeln, die Asklepios geweiht waren. Diese Tempel, über das ganze antike Griechenland verteilt, waren Orte einer mystisch-religiösen Medizin, zu denen die Kranken in großer Anzahl wallfahrten. Zentren des Asklepios-Kultes waren z. B. Pergamon, Epidauros aber auch die Insel Kos, die Heimat von Hippokrates. Die Behandlung der Kranken bestand aus rituellen Zeremonien mit Fasten, Bädern,Gebeten und dem Tempelschlaf, die zur Läuterung führen sollten (14).Nachts erschien den Patienten ein Priester, als Gott verkleidet. Er nahm sich der Patienten an, hörte ihnen zu, gab Ratschläge, verabreichte Drogen und deutete Träume – Psychotherapie im besten Sinne.

Weil – wie in der Antike üblich – aussichtslose Krankheiten von den weltlichen Ärzten nicht behandelt wurden, war für diese hoffnungslosen Fälle der Asklepios-Tempel die einzige Möglichkeit, Beistand zu erlangen. Da zur damaligen Zeit eine differenzierte Diagnostik und eine effektive Therapie nicht zur Verfügung standen, waren im Rahmen des Asklepios-Kultes sicher grandiose Erfolge möglich, wenn etwa Patienten, die von weltlichen Ärzten fehldiagnostiziert und als unheilbar abgelehnt worden waren, wegen ihrer eher harmlosen Krankheiten „geheilt" werden konnten. Solche „spektakulären Triumphe" des Asklepios-Kultes verbreiteten sich wie ein Lauffeuer und führten immer neue Patienten zu. Die Menschen verhielten sich damals so, wie sie es heute auch tun. Die Kosten, die den Patienten des Asklepios-Kultes auferlegt wurden, richteten sich nach den finanziellen Möglichkeiten des Patienten. Asklepios war der Gott der Armen.

Auch in unserer modernen Zeit finden wir dem Asklepios-Kult verwandte Phänomene, wie z. B. die Wallfahrten von Kranken nach Lourdes.Wesentliches Element der Behandlung ist die Suggestion mit dem festen Glauben an die Heilwirkung Gottes.