Common Wealth - Das Ende des Eigentums

von: Michael Hardt, Antonio Negri

Campus Verlag, 2010

ISBN: 9783593408521 , 437 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 29,99 EUR

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    Lektüreschlüssel. Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders - Reclam Lektüreschlüssel
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    Vampira - Folge 04 - Landrus Ankunft
    Jerry Cotton - Folge 2817 - Nimm das Geld und flieh!
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  • Jerry Cotton - Folge 2818 - Kap ohne Hoffnung

     

     

     

     

     

     

     

     

 

Mehr zum Inhalt

Common Wealth - Das Ende des Eigentums


 

1. Metamorphosen der Kapitalzusammensetzung (S. 145-146)

Die Wirkung des in fremder Sprache Geschriebenen auf unser Gemüt ist wie die Wirkung der in der Camera obscura gesehenen, repetierten Panoramen, die umso deutlicher ausfallen und tatsächlich den wirklichen Gegenständen und Panoramen entsprechen können, als die Camera obscura in der Lage ist, sie mit Genauigkeit darzustellen, sodass die Wirkung gänzlich von der Camera obscura abhängt und nicht vom wirklichen Gegenstand.
Giacomo Leopardi, Zibaldone

Die technische Zusammensetzung der biopolitischen Arbeit

Ökonomie und Produktion durchlaufen gegenwärtig eine Zeit des Übergangs, und was die kapitalistische Produktion hervorbringt, sind in zunehmendem Maß soziale Beziehungen und Lebensformen. Der Kapitalismus wird, anders gesagt, biopolitisch. Bevor wir anfangen, angesichts dieser neuen Situation neue analytische Werkzeuge zu entwerfen, sollten wir uns der Methode von Marx erinnern, um den aktuellen Zustand der ökonomischen Verhältnisse zu begreifen: Sie besteht darin, die so genannte Zusammensetzung des Kapitals zu untersuchen, was zunächst heißt, Arbeitskraft und konstantes Kapital voneinander zu unterscheiden, um sodann ihr Verhältnis und ihre Rolle in den Produktionsprozessen der Gegenwart zu klären.

Insbesondere müssen wir die »technische Zusammensetzung« des Kapitals oder vielmehr die technische Zusammensetzung der Arbeit analysieren, um festzustellen, wer in der heutigen globalen Ökonomie was und auf welche Weise produziert. Eine Bestimmung der technischen Zusammensetzung der Arbeit in ihren allgemeinen Umrissen ermöglicht es, nicht nur die gegenwärtigen Formen kapitalistischer Ausbeutung und Kontrolle zu identifizieren, sondern darüber hinaus abzuschätzen, welche Mittel uns für das Projekt der Befreiung vom Kapitalismus zur Verfügung stehen.

Drei auf dem Gebiet der politischen Ökonomie von Forschern immer wieder hervorgehobene Haupttendenzen liefern uns ein paar brauchbare erste Anhaltspunkte dafür, welche Veränderungen die Arbeit gegenwärtig in vielen Teilen der Welt erfährt. Da wäre erstens der Trend zur Hegemonie oder Prävalenz immaterieller Produktion im kapitalistischen Wertschöpfungsprozess.1 »Die immaterielle Dimension der Produkte«, stellt André Gorz fest, ihr symbolischer, ästhetischer und gesellschaftlicher Wert, »gewinnt eine viel größere Bedeutung als ihre materielle Wirklichkeit.«2 Bilder, Information, Wissen, Af fekte, Codes und soziale Beziehungen bekommen im kapitalistischen Verwertungsprozess ein immer größeres Gewicht gegenüber den stofflich-materiellen Waren oder den materiellen Dimensionen der Waren.

Das heißt selbstverständlich nicht, dass die Produktion materieller Güter, beispielsweise von Automobilen oder von Stahl, verschwinden würde oder auch nur quantitativ zurückgehen müsste, sondern es bedeutet, dass ihr Wert zunehmend immateriellen Faktoren untergeordnet und von ihnen abhängig ist. Die Formen der Arbeit, die solche immateriellen Güter (oder die immateriellen Dimensionen materieller Güter) produzieren, und dazu gehören Dienstleistungen ebenso wie affektive oder kognitive Arbeit, könnten ein wenig plakativ als Arbeiten von Herz und Verstand bezeichnet werden, doch besteht bei solchen konventionellen Synekdochen die Gefahr von Missverständnissen: Tatsächlich lassen sich kognitive oder affektive Arbeit nicht auf bestimmte Organe reduzieren, sondern beanspruchen Körper und Geist in ihrer Gesamtheit.

Anders gesagt: Auch wenn die Produkte immateriell sind, bleibt der Akt, in dem sie hervorgebracht werden, doch ein gleichermaßen körperlicher wie intellektueller. Wenn wir einmal von ihren konkreten Unterschieden abstrahieren, ist das gemeinsame Merkmal all dieser verschiedenen Formen von Arbeit ihr biopolitischer Charakter. Robert Boyer schreibt: »Wenn es darum ginge, eine Prognose zu wagen, welches Modell sich in den kommenden Dekaden herauskristallisieren wird, dann wäre vermutlich über die Produktion des Menschen durch den Menschen zu reden und auf der Stelle damit anzufangen, den institutionellen Kontext zu erkunden, in dem sich der Aufstieg dieses Modells vollzieht. «