Wahre Gnade - Die Lehren Jesu

Wahre Gnade - Die Lehren Jesu

von: Greg Riether

Grace today Verlag, 2017

ISBN: 9783959330671 , 268 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 9,99 EUR

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Wahre Gnade - Die Lehren Jesu


 

Die Bergpredigt


TEIL 2 – RICHTE NICHT: VON SPLITTERN UND BALKEN


Jesus hatte die Menschen unter dem Gesetz des alten Bundes begraben und brachte sie so dazu, die Unmöglichkeit eines Lebens unter diesem Bund zu erkennen. Der sonst so liebevolle und freundliche Jesus macht sich selbst zum Sprachrohr von Gottes Gesetz und die Worte, die er spricht, sind so brutal wie das Gesetz Gottes selbst. Das war nötig, denn die Menschen hatten das Gesetz so weit abgeschwächt, dass es erfüllbar schien. Jesus versucht, ihnen die Abwegigkeit des Gesetzessystems, des Gesetzesbundes, deutlich zu machen; er zeigt ihnen, dass sie damit schlecht abschneiden, dass Gott an diesem System etwas auszusetzen hat. Es muss durch etwas ersetzt werden, das nur er dir geben kann.

Dann beginnt er, den Ersatz für dieses System vorzustellen. Das neue System ist nicht wie das alte. Unter dem neuen System, dem neuen Bund, geht es nicht darum, deinen Herrscher Gott dazu zu bringen, dich – seinen Diener – zu segnen. Der Ersatz ist Gott selbst (dein Vati, dein Abba, dein Papa), der dich (seine Tochter, seinen Sohn) liebt, und er sieht deine Bedürfnisse, jedes einzelne – auch dein Bedürfnis nach Gerechtigkeit. »Aber euer himmlischer Papa weiß, dass ihr das alles benötigt« (siehe Vers 32) und er gibt dir, was du brauchst, so wie ein Vater seinen kostbaren Kindern gute Dinge gibt. »Suche du einfach zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alle diese Dinge werden dir hinzugefügt.« Hör auf, deine eigene Gerechtigkeit zu suchen. Suche stattdessen die Gerechtigkeit, die nur Gott besitzt – seine eigene Gerechtigkeit, die er dir gerne zum Geschenk macht.

Das ist wirklich ein neues System, und dein Glaube an Jesus macht dich zum Teilhaber. Er gibt dir seine Gerechtigkeit und macht dich tauglich, er vervollkommnet dich in deinem Geist, erlöst dich für immer und nimmt dich fest an die Hand. Und nichts kann dich ihm entreißen. Keine Macht auf Erden, keine Machenschaft des Teufels, keine Unterlassung oder Verfehlung deinerseits, kein noch so großes Maß an Fehlern oder Ungehorsam oder Sünden kann dich aus seiner Hand reißen!

Er denkt an dich und behütet dich – auch dann, wenn du nicht an ihn denkst. Das tut er, weil er ein Vater ist, und ein guter Vater kann seine Kinder niemals vergessen. Selbst wenn sie ihn ignorieren, wird er sie doch niemals ignorieren. »Kann eine Mutter etwa ihren Säugling vergessen? Fühlt sie etwa nicht mit dem Kind, das sie geboren hat? Selbst wenn sie es vergessen würde, vergesse ich dich nicht!« (Jes 49,15 NLB).

Wie schon der verlorene Sohn kannst du bei den Schweinen schlafen und vergeuden, was er dir gibt, aber du bleibst trotzdem sein Sohn! Und wenn du wieder zur Vernunft kommst und zurückkehrst, um mit deinem Papa zu reden, will er nichts von deinen Verfehlungen hören. Darüber ist er längst hinaus; hierfür hat Jesus bereits bezahlt. Er möchte dich einfach nur daran erinnern, wer du bist, und dich mit seiner Liebe überschütten und dir ins Gedächtnis rufen, wer du schon immer warst – sein Sohn! Er möchte dich bekleiden und dein Leben einfacher machen, indem er dir seine Schuhe gibt und den Ring der Vollmacht als Erinnerung an deine Identität wieder auf deinen Finger steckt. Freunde, wenn ihr in eurem Denken weit von Gott entfernt wart und ihr heute nach Hause zurückgekehrt seid, hört auf mich: Gott ist nicht böse auf euch. Er war niemals böse auf euch! Niemals!

So wirkt die Kraft von Christi vollbrachtem Werk für dich. Er kümmert sich um den Aspekt der Sünde, damit du stets und in alle Ewigkeit in einer Position der Liebe und des Nicht-Verurteiltseins bleiben kannst. »Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind« (Röm 8,1 ). Und das verändert einfach alles. Es verändert, wie du Gott siehst, es verändert, wie du dich selbst siehst, und es verändert, wie du andere siehst. Ein Teil dessen, was Jesus in der Bergpredigt sagte, hat damit zu tun, wie wir andere sehen. Zum einen unter dem Gesetzesbund: Das Gesetz spürt unseren Ungehorsam auf – und wenn du ein Sohn des Gesetzes bist, leistest du den Anordnungen des Gesetzes Folge, indem du den Ungehorsam anderer zutage förderst. Zum anderen unter dem neuen Bund; dieser »spürt die Gerechtigkeit Jesu auf«.

»Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt. Denn so wie ihr jetzt andere richtet, werdet auch ihr gerichtet werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden« (Mt 7,1 HFA). Jetzt spricht Jesus über zwei Begriffe, die immer zusammenwirken – das Urteil und der Maßstab. Ein Urteil ist eine Schuld- oder Unschuldsfeststellung. Und der Maßstab ist die Richtschnur, nach der sich entscheidet, ob es zu einer Schuld- oder zu einer Unschuldsfeststellung kommt. Wenn du jemanden betrachtest, um ein Urteil über ihn zu fällen, benutzt du dafür (gedanklich) ein bestimmtes Verfahren oder Richtmaß. Wenn du denjenigen nach seinen Taten beurteilst, wirst du ihn nach deinem Maßstab (deiner Interpretation von Gottes Gesetz) entweder billigen oder verurteilen. Jesus hat soeben zwei ganze Kapitel damit zugebracht uns zu sagen, wie sehr wir Gottes Gesetz verbogen haben, um es als unseren Maßstab verwenden zu können.

Wir mögen sagen, dass unser Maßstab (unsere Richtschnur) Gottes Maßstab in seinem Gesetz, dem Gesetz Moses ist, Jesus aber sagt, dass wir diesen Maßstab nicht richtig deuten. Wir biegen uns Gottes Gesetz zurecht, wir bringen es auf ein Level, auf dem es einhaltbar erscheint; wir benutzen es, um in unseren Köpfen unsere eigene Gerechtigkeit zu errichten, aber aus dieser Selbsttäuschung folgt nichts Gutes. Hör mit dem Zurechtbiegen auf, und hör auf zu urteilen. Denn wenn du Gottes Maßstab in seinem Gesetz korrekt verwendest, ist das einzige Urteil, zu dem du gelangen kannst, ein Schuldspruch. Du bist schuldig. Und diejenigen, die nach dem Gesetz Gottes urteilen, die unter diesem beschwerlichen System leben, sind Experten darin, die Schuld anderer Leute zu sehen, aber auch darin, dieses Gesetz zurechtzubiegen, wenn es um sie selbst geht. Sie sehen sich als Experten für Lebensbereinigung – für die Bereinigung deines Lebens – und als Profis darin, dein Leben vor Gott in Ordnung zu bringen. »Ich werde dich beurteilen, indem ich den Maßstab von Gottes mosaischem Gesetz unter dem alten Bund anlege, und ich werde deine Fehler finden und dann werde ich dir helfen, dein Leben auf die Reihe zu bekommen, indem ich dir sage, wie du dich besser verhalten kannst, damit Gott mit dir zufrieden ist.«

Jesus sagte, diese Art von Person ist wie jemand, der nach dem Splitter im Auge eines anderen sucht, während er den Balken in seinem eigenen Auge ignoriert. Verse 4–5 (NGÜ): »Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ›Halt still! Ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen‹ – und dabei sitzt ein Balken in deinem eigenen Auge? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; dann wirst du klar sehen und kannst den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen.« Menschen, die den Maßstab des Gesetzes anwenden, um Zugang zu Gott zu finden, wissen nicht einmal, was dieser Splitter ist, den sie da im Auge ihres Bruders sehen. Sie denken, es gehe darum, irgendeine Sünde zu bereinigen. Doch es ist nicht »eine« Sünde, die es zu bereinigen gilt.

Vor etwa einem Jahr war ich mit meiner Frau Sherry und unserer kleinen Enkeltochter im Garten hinter unserem Haus. Es war Abend und die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Wir drei tollten einfach herum und hatten Spaß dabei. An einem unserer Bäume lief ich direkt in einen tief hängenden Ast und ein kleiner Zweig traf mich genau ins offene Auge. Autsch! Und ich meine: autsch! Ich lief ins Haus und wusch mein Auge aus, in der Hoffnung, dass dies den Schmerz lindern würde. Aber das tat es nicht. Ich ging ins Bett und versuchte zu schlafen, doch die Schmerzen waren unerträglich. Schließlich brachte mich Sherry in die Notaufnahme und die Ärzte spülten mein Auge aus. Es stellte sich heraus, dass ich einen Span in meinem Auge hatte. Hey, das ist eine biblische Verletzung. Da wurde biblische Geschichte zum Leben erweckt, denn das Wort »Span«, hier übersetzt als »Splitter«, bedeutet wörtlich »kleiner, trockener Zweig«. Sie wuschen ihn heraus, behandelten das Auge mit etwas Salbe und ich segnete diesen Arzt.

Darauf will ich hinaus: Ich konnte nichts gegen das Ding in meinem Auge ausrichten. Ich versuchte, mir irgendwie zu helfen oder zur Tagesordnung überzugehen, aber meine ganze Welt drehte sich um diesen Span, diesen Splitter. Ich war völlig davon vereinnahmt. Der Hintergrundschmerz war unglaublich und ließ auch nicht nach. Ich konnte nicht aufhören, mein Auge mit der Hand zu bedecken und um Linderung zu beten. Mein Leben war durch diese alles beherrschenden Schmerzen buchstäblich auf Eis gelegt. Das ist es, was ein Splitter im Auge einer Person bedeutet. Der Span, über den Jesus spricht, der Splitter im Auge, der es so furchtbar reizt und einen dadurch völlig vereinnahmt, der Menschen derart beschäftigt hält, dass sie unfähig werden, im Leben normal zu funktionieren, der in unserem Auge steckt und unsere Sicht verschleiert, dieser Span ist das Gesetz Gottes selbst. Und wenn das Gesetz Gottes deine Sicht beherrscht, bewirkt es eine dich völlig vereinnahmende Reizung namens »Verdammnis«.

Der Apostel Paulus sagte, dass alles, was aus Heu und Stroh besteht (das ist der Splitter!), am Tag des Gerichts im Feuer verbrennen wird. Er meinte damit, dass alles, was mit menschlicher Anstrengung zu tun hat, wenn es darum geht, mit Gott ins Reine zu...