The Brightest Stars - attracted - Roman

von: Anna Todd

Heyne, 2018

ISBN: 9783641227142 , 352 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 9,99 EUR

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The Brightest Stars - attracted - Roman


 

24

»Trägst du immer Uniform?«, fragte ich Kael in der Lebensmittelabteilung. Das Rad unseres Einkaufswagens quietschte und blockte nervigerweise immer wieder. Ich hatte Kael auf dem Parkplatz meine Einkaufsliste gegeben und ihn gebeten, sie festzuhalten. Er hatte nicht geantwortet, was ich als Ja wertete.

»Nein.«

Ich sah ihn an, versuchte, ihn zum Weiterreden zu animieren. »Scheint aber so.« Ich lächelte, um meinen Worten die Schärfe zu nehmen, aber er sah mich gar nicht an.

»Ich habe keine Klamotten dabei.«

Scheiße. »Oh. Sorry. Darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Wo sind sie denn? Soll ich dich irgendwo hinfahren, damit du sie abholen kannst?«

Er griff nach einer Schachtel Cini Minis. Zumindest hatte er, was Cornflakes anging, einen guten Geschmack. Er legte seine Sachen in den Korb vorn am Einkaufswagen, wo sonst die Kinder sitzen.

»Keine Ahnung, wo sie sind.« Er wirkte verstört. Es fiel mir mit jedem Tag leichter, ihn zu durchschauen. Zugegeben, eigentlich waren es erst zwei Tage, aber dennoch. Ich würde ihn knacken, langsam, aber sicher. Sein Gesicht sprach nämlich eigentlich Bände.

»Wollte später ins Einkaufszentrum. Oder zu Kohl’s. Egal.«

Wir kamen an einem älteren Mann vorüber, der Kael und mich ein paar Sekunden zu lang musterte. Ich bemerkte seinen eindringlichen Blick, der zwischen uns hin und her wanderte, und meine Nackenhaare stellten sich auf. Der Mann verschwand um die Ecke. Ich wollte es Kael sagen, aber dann fand ich mich plötzlich paranoid und beschloss, dem muffigen, alten Mann nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

»Ich muss bis um vier arbeiten, aber danach könnte ich dich fahren, damit du dir was zum Anziehen kaufen kannst«, bot ich an.

Der Laden war wie immer total voll. Die niedrigen Preise und die Steuervergünstigung waren mir das Gedränge aber eigentlich nicht wert. Lieber hätte ich eine zusätzliche Schicht gearbeitet, als hinter einem randvollen Einkaufswagen herumzustehen.

Kael deutete auf den nächsten Gang, in dem sich die Tiefkühltruhen befanden. »Du weißt schon, dass es Ubers und Taxis gibt, oder?«

Ich funkelte ihn an. »Ich wollte nur nett sein.«

»Weiß ich. War nur Spaß.« Seine Stimme klang leicht, so hatte ich sie noch nicht gehört. Meine Haut prickelte, und ich wandte den Blick ab.

»Ha. Ha«, neckte ich zurück.

Meine Kehle schmerzte. Daran würde ich mich immer erinnern, an die Art, wie er Schmerz in Körperteilen hervorrief, die ich bis dahin noch nie wahrgenommen hatte. Dafür würde ich ihm immer dankbar sein.

»Also, soll ich dich nun hinfahren oder nicht? Könntest du mir die Minipizzen da geben? Die rote Schachtel.« Ich deutete hinter ihn.

»Wenn du willst. Ich meine, ich schlafe ja schon in deinem Sessel, dränge mich bei Familienessen auf und esse deine Müsliriegel.«

»Du hast meine Müsliriegel gegessen?«

Er lachte. Hätte ich mich nicht umgedreht, hätte ich es glatt verpasst, so schnell war es wieder vorbei.

»Ich kaufe dir eine neue Schachtel.« Offenbar wollte er niemandem etwas schuldig sein.

»Ich wäre ja normalerweise höflich und würde ablehnen, aber meine Stromrechnung ist diesen Monat verdammt hoch, also tu dir keinen Zwang an.« Ich stieß ihm spielerisch gegen die Schulter. Er spannte sich an. Die Veränderung war winzig wie ein Nadelstich, aber ich spürte sie im ganzen Körper.

Kael wich einen Schritt vor mir zurück, als wir weitergingen. Die Musik über uns kam mir plötzlich lauter vor. Ich fühlte mich unwohl. Verlegen. Als ob gestern Nacht irgendetwas aufgebrochen war. Wahrscheinlich machte ein Gespräch in Unterwäsche um vier Uhr nachts so was mit einem. Kael schien heute anders. Offener. Fast schon gesprächig. Doch immer noch wunderte ich mich. Flirtete er mit mir? Es fühlte sich so an – und auch wieder nicht.

»Sorry«, sagte ich schließlich, nachdem wir eine Weile gar nichts gesagt hatten. Wir standen jetzt vor dem Chips-Regal. Ich war hin- und hergerissen zwischen Brezeln und Doritos Cool Ranch Chips, als Kael nach einer Tüte Zwiebelringe griff und sie in den Wagen warf.

»Die habe ich als Kind geliebt«, sagte ich. »Meine beste Freundin Meggy und ich haben sie immer gegessen. Oh mein Gott, die und Mountain-Dew-Limonade. Meine Mom hat mir nie erlaubt, dass ich sie trinke, aber Meggys Mom hatte immer die von Kroger da, die sogar noch besser schmeckte.«

Ich redete schon wieder haltlos vor mich hin.

Kael hatte sich wieder etwas entspannt. Ich widerstand dem Drang, ihm einen langen Blick zuzuwerfen, und erzählte ihm auch nicht, wie sehr ich Meggy vermisste, seit sie geheiratet hatte und ans andere Ende des Landes gezogen war. Das wünschte ich mir auch. Den Teil mit dem Wegziehen, nicht die Heirat.

Wir sprachen erst wieder, als wir getrennt bezahlt hatten. Wir mussten beide unsere Ausweise vorzeigen, er seinen Truppenausweis und ich den Angehörigenausweis. Ganz der höfliche Gentleman, half er mir, alles im Auto zu verstauen, trug mir die Taschen ins Haus und fragte sogar, ob er mir beim Auspacken behilflich sein konnte. Ich merkte, dass ich mir das Gehirn darüber zermarterte, warum er so nett war. Ich konnte freundliche Gesten oder Komplimente von anderen Menschen einfach nicht annehmen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, es nicht zu verdienen.

Aber auch wenn er mich aus dem Konzept brachte und eine gewisse Paranoia auslöste, langsam gefiel mir das Gefühl, das ich in seiner Gegenwart hatte. Solange er nicht glaubte, dass wir irgendwann zusammen im Bett landen würden. Er hatte bislang weder Freundin noch überhaupt jemanden in seinem Leben erwähnt. Aber er war ja sowieso nicht besonders mitteilsam. Und wir taten nichts Besonderes. Gar nichts. Nur einkaufen und uns ein paar Tage lang meine Wohnung teilen.

Wenn ich seine Freundin gewesen wäre, wäre ich nicht happy, dass er bei zwei Frauen wohnt. Egal, ob die eine schwanger ist oder nicht.

Warum vermutete ich denn jetzt schon wieder, dass er eine Freundin hatte? Oder dass er mich überhaupt mochte?

Mist, ich kannte ihn nicht mal genug, um ihn so zu mögen, und er wirkte wie die Art von Mann, auf den jede Frau stand. Mir wurde klar, dass ich mehr Interesse an ihm hatte, als ich mir bisher eingestanden hatte. Mir brach kalter Schweiß aus.

Ich spürte seinen Blick.

»Alles klar?«, fragte er. Durch seine Hilfe hatten wir nur halb so viel Zeit gebraucht, und ich hatte ihm noch nicht mal sagen müssen, dass er Papier- und Plastikmüll trennen musste.

Jetzt saßen wir am Tisch. Er scrollte sich durch sein Handy, und ich aß meinen zweiten Müsliriegel und musste gleich zur Arbeit. Am Ende des Flurs hörte ich die Dusche, Elodie war also wach. Gott sei Dank. Ich hätte Mali nur sehr ungern gesagt, dass Elodie wieder zu spät kommen würde.

Mit gesenktem Blick versuchte ich, Kael unauffällig zu beobachten. Wie der gute Soldat, der er sicherlich war, bemerkte er es sofort. Ich spürte, wie die Worte sich in meiner Kehle bildeten, und wollte sie nicht aufhalten. Ich musste es wissen. »Hast du eine Freundin?«, platzte ich heraus.

»Nein. Du? Einen Freund, meine ich, oder eine Freundin?«

Ich schüttelte den Kopf. Meine zitternden Finger umkrampften den Stuhl.

»Nein. Keins von beidem.«

Er atmete aus und stand auf. Ich folgte ihm mit meinem Blick, während er zum Kühlschrank ging. Er goss sich Milch ein und verschüttete etwas davon auf den Boden. Hätte ich einen Wunsch frei gehabt, dann hätte ich mir gewünscht, dass er etwas sagen würde – irgendetwas. Meine Kehle brannte vor Trockenheit. Mein ganzer Körper fühlte sich an, als habe er Feuer gefangen.

»Also, wir sind dann jetzt erst mal eine Weile weg, aber wir haben auf der Arbeit immer unsere Handys dabei. Wenn mein Bruder vorbeikommt, lässt du ihn dann rein?«

Kael nickte. Ich sah zu, wie er die verschüttete Milch aufwischte, von der ich angenommen hatte, dass sie trocknen und sich zu den restlichen Flecken hinzugesellen würde, die sich angesammelt hatten, seit ich vor etwa zwei Wochen das letzte Mal geputzt hatte.

Elodie kam den Flur hinab, das kurze Haar triefend nass, sodass sich Wasserflecken auf den Schultern ihres grauen T-Shirts bildeten. »Die Dusche ist endlich repariert!«

»Was meinst du?«

»Die Temperatur! Du hast sie reparieren lassen, stimmt’s?«, fragte sie. Ich schüttelte den Kopf und ging an ihr vorbei ins Bad. Als ich die Dusche einschaltete, war sie sofort warm. Ich drehte auf kalt. Sofort kalt. Sogar der Wasserdruck war stärker. Wie eine normale Dusche. Was für ein Luxus!

»Keine Ahnung, warum es wieder funktioniert. Aber ich bin froh, denn …«, fing ich an, doch dann sah ich Kael in die Augen. Er leckte sich die Lippen und wandte leicht den Kopf ab.

»Du!« Jetzt dämmerte es mir. »Hast du die Dusche repariert?« Irgendwie war mir klar, dass er es getan hatte, obwohl mir so was noch nie passiert war.

Kael nickte verlegen. »War keine große Sache. Nur ein loses Rohr. Habe keine fünf Minuten dafür gebraucht.«

Elodie ging zu ihm, ihr Haar tropfte immer noch. »Du bist echt so nett. Oh, ich kann es gar nicht erwarten, Phillip davon zu erzählen. Danke, danke«, rief sie und drückte ihm den Arm.

Natürlich fand auch ich diese Geste nett, aber ich kam mir auch total hilflos vor.

»Ja, danke.« Ich war genervt, und das kriegten sie beide mit. »Okay, muss los. Sonst komm ich noch zu spät. Bis elf dann.« Ich umarmte Elodie und ging zur Haustür.

Als ich das Haus verließ, sah ich mich...