Mächtig trächtig - Schwangerschaft - die ganze Wahrheit

von: Maria Fangerau

Bastei Lübbe AG, 2011

ISBN: 9783838704364 , 270 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 9,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Mächtig trächtig - Schwangerschaft - die ganze Wahrheit


 

"IV.ZUM SCHREIEN (S. 215-216)

Allen, die es – mit oder ohne kleinere oder größere Kollateralschäden – bis hierher geschafft haben, sei zugerufen: Ihr packt das! Denn nun steht es unmittelbar bevor, das große Finale. Das einzigartige Ereignis, das Sie Ihr Lebtag nicht vergessen werden. Von dem Sie in Zukunft noch träumen werden – hoffentlich nicht in Albträumen. Wenn Sie sich ein gemütliches Pressvergnügen vorgestellt haben, lächelnd in den Armen des Göttergatten und unterstützt von dem Gesang aus unzähligen tibetischen Mönchskehlen, können Sie das vergessen.

Es bringt rein gar nichts, sich da etwas vorzumachen. Spätestens nach der ersten echten Wehe wissen Sie, was die Stunde geschlagen hat. Sind Sie nicht adäquat darauf vorbereitet, indem man Ihnen offenherzig sagt: »Es ist hart, es ist eine Qual, aber es ist zu machen!«, dann knicken Sie glatt ein. Psychisch und physisch. Also: Die Geburt wird Ihre letzte Kraft kosten und Sie an den Rand Ihrer Vorstellungskraft bringen. Doch Sie werden es durchstehen. Es ist machbar, Ihre Mutter, Ihre Großmutter, Ihre Urgroßmutter haben es schließlich auch geschafft. Go, go, go for it! Die realistischen Zeitgenossinnen aber fragen sich:

»Wie, zum Teufel, soll ein menschliches Wesen von mindestens 3000 Gramm den Weg nach draußen finden, ohne mich und meine Intimzone zu beschädigen?« Zu Recht. Das, liebe Freundin, geht nämlich gar nicht. Irgendetwas bleibt immer auf der Strecke und im Fall des Kinderkriegens muss halt Ihre genitale Intaktheit dran glauben. Natürlich gibt es Mittel, die Ihnen ein wenig Unterstützung gewähren: Das Anfeuern der Hebamme. Das hilflose Tätscheln des Ehemannes.

Der Damm- oder auch der Kaiserschnitt. Vielleicht sogar ein Stoßgebet. Selbst bei einer Rückenmarksnarkose zur Betäubung der Schmerzen wird die seelische Belastung, stark sein zu müssen, nicht spurlos an Ihnen vorübergehen. Sie haben die Verpflichtung durchzuhalten. Sie können sich nicht schmollend in eine Ecke zurückziehen und sagen: »Mag nicht mehr, spiel nicht mehr mit!«, auch wenn Sie die Pein als körperliche Folter erleben. Wenn Sie im Kreiß- oder Operationssaal tapfer waren und noch nicht ausreichend geschrien haben, dann werden die Nachwehen oder auch der pralle Milchbusen Sie mürbe machen. Den Rest besorgt der Hormonabfall im Wochenbett. Aber nur zu, lassen Sie es raus. Nie wieder in Ihrem Leben haben Sie eine so gute Entschuldigung, jemanden anzubrüllen oder einfach nur laut zu schreien."