Historical Saison Band 04 - Bitte heiraten Sie mich, Mylord! / Lord Carltons heimlicher Eheschwur /

Historical Saison Band 04 - Bitte heiraten Sie mich, Mylord! / Lord Carltons heimlicher Eheschwur /

von: NICOLA CORNICK, ANNE HERRIES

CORA Verlag, 2011

ISBN: 9783862957057 , 384 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 5,99 EUR

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Historical Saison Band 04 - Bitte heiraten Sie mich, Mylord! / Lord Carltons heimlicher Eheschwur /


 

1. KAPITEL

„Du willst das Thornton-Mädchen heiraten?“ Die verwitwete Lady Longbourne raffte sich fast schon zu einer sitzenden Haltung auf, besann sich dann aber darauf, dass es für eine solche Anstrengung zu warm war. „Carlton, du solltest wirklich von geschmacklosen Scherzen Abstand nehmen.“

„Es war nicht als Scherz gemeint, Mama.“ Lord Vincent Carlton lächelte. Er sah ausnehmend gut aus, besaß einen Titel und war sehr reich, hatte also alles, was ein Mann sich wünschen konnte. Zwar war niemand großzügiger als er, wenn es um Menschen ging, die ihm etwas bedeuteten, doch manch andere hielten ihn für hochmütig und stolz. „Deswegen bin ich gekommen. Um dich zu bitten, Cassandra zu dir einzuladen. Dann können wir uns besser kennenlernen, bevor ich um sie anhalte.“

„Ich soll die kleine Thornton hierher einladen?“, wiederholte Lady Longbourne bestürzt. „Das kannst du doch unmöglich ernst meinen, Carlton. Ziehst du wirklich eine solche Mesalliance in Betracht? Immerhin bist du ein Viscount.“

„Das muss er“, warf der zweite Besucher ein. „Es ist eine Frage der Ehre, Mama. Vinnie muss sie heiraten.“

Ihre Ladyschaft setzte einen Fuß, der in einem Satinpantöffelchen steckte, auf den Boden, dann den zweiten. Entsetzen und Unglaube spiegelten sich auf ihrem Gesicht wider, das auch heute noch an die außerordentliche Schönheit erinnerte, die sie in ihrer Jugend berühmt gemacht hatte. Finster fasste sie ihren jüngeren Sohn ins Auge. Sir Harry Longbourne war ihr Lieblingssohn, da er aus ihrer zweiten, sehr viel glücklicheren Ehe stammte.

„Wovon redest du da, Harry? Warum sollte Carlton dazu verpflichtet sein, dieses Mädchen zu heiraten?“, verlangte sie zu wissen. Plötzlich wurde sie blass. „Carlton! Du hast doch nicht … du kannst das arme Ding doch unmöglich entehrt haben, oder?“

Der Viscount lächelte nicht mehr. Es kränkte ihn sehr, dass sie glauben konnte, er würde so tief sinken, eine Frau zu entehren, noch dazu eine Dame! Allerdings hatte er seine Mutter zu gern – obwohl er wusste, dass sie seinen Bruder vorzog – und war zu sehr Gentleman, um seinen Ärger zu zeigen.

„Natürlich nicht!“, kam Harry ihm zuvor. „Was für ein Gedanke! Du müsstest Vinnie wirklich besser kennen, Mama. Es war ein Versprechen, das wir alle Jack Thornton gaben, kurz bevor er bei Waterloo getötet wurde.“

„Ein Versprechen? Was für ein Versprechen?“, fragte seine Mutter aufgebracht. „Was hat ein Versprechen an Cassandras Bruder mit Carltons Antrag zu tun?“

„Jack hatte gerade von dem Tod seines Vaters gehört“, fuhr Harry geduldig fort, während Carlton sich erhob und ans Fenster des kleinen Salons trat, in dem Lady Longbourne sich am liebsten aufhielt. Er blickte in Gedanken versunken auf die gepflegte Rasenfläche und die Rosenbeete hinaus. Hinter sich hörte er das Ticken der emaillierten Uhr auf dem reich verzierten Kaminsims. „Natürlich traf es ihn zutiefst …“

„Wie jeden an seiner Stelle“, warf Lady Longbourne ein. „Den größten Teil seines Vermögens zu verspielen, während der eigene Sohn für König und Vaterland kämpft. Und sich dann zu …“ Sie erschauderte. „Es muss fürchterlich gewesen sein für die arme Cassandra, ihren Vater zu finden und feststellen zu müssen, dass er sich selbst das Leben genommen hatte.“

„Genau, Mama.“ Carlton nahm den Faden der Geschichte auf. „Jack war verzweifelt, völlig von Sinnen vor Kummer. Er flehte uns an, uns um seine Schwester zu kümmern. Einer von uns sollte sie heiraten, falls er fallen sollte.“

„Aber warum ausgerechnet du?“, wandte seine Mutter ein. „Du könntest eine viel bessere Partie machen, Carlton.“

„Du meinst, ich sollte eine Erbin heiraten oder die Tochter eines Dukes? Vielleicht um das Familienvermögen zu retten?“

Er war ein hochgewachsener, schlanker Mann, aber kräftig und mit der stolzen, Respekt gebietenden Haltung eines Soldaten. Das dunkle Haar trug er modisch kurz, und seine Kleidung verriet die Kunst eines ausgezeichneten Schneiders. Alles an ihm spiegelte genau das wider, was ihn ausmachte – einen Gentleman von Vermögen und der Freiheit, jetzt, da er aus dem Schlachtengetümmel des Kontinents heil zurückgekehrt war, genau das tun zu können, was ihm beliebte.

„Nun …“ Sie senkte den Blick vor dem Spott in seinen Augen. „Natürlich meinte ich das nicht, Carlton! Ich weiß sehr wohl, wie gut du dich um das Gut kümmerst, seit du es geerbt hast. Aber die Tochter eines bloßen Baronets? Du solltest an dein Ansehen denken und an unseren Familienstolz.“

Er hob die dunklen Augenbrauen, und seine Mutter errötete. Denn sowenig sie daran erinnert werden wollte, war sein verstorbener Vater ebenfalls ein unbesonnener Spieler gewesen. Wäre er nicht völlig unerwartet gestorben, hätte er sie sehr gut in den Ruin treiben können.

„Ja, ich weiß. Nur ein Unfall hat deinen Vater davor bewahrt, ein ähnliches Schicksal wie das Sir Edward Thorntons zu erleiden. Aber das ist nicht der Punkt.“

„Der Punkt ist, Mama“, rief Vincent sanft in Erinnerung, „dass du mir ständig vorhältst, ich müsse meine Pflicht erfüllen und einen Erben zeugen …“

„Was sollte ich auch sonst tun?“, unterbrach sie ihn entrüstet. „Dein Onkel Septimus spricht doch auch von nichts anderem. Und was seine abscheuliche Frau angeht, die sich mit ihrem scheußlichen Balg brüstet, als stünde er schon kurz davor, deinen Platz einzunehmen: Sie inspizierte bei ihrem letzten Besuch die Vorhänge, als würde sie in nächster Zeit hier einziehen. Du magst ja nicht mehr in der Blüte deiner Jugend stehen, Carlton, aber tot umfallen wirst du auch nicht gerade!“

„Vielen Dank für deine Zuversicht, Mama. Es erleichtert mich zutiefst, dich das sagen zu hören.“

„Ach, du!“ Sie beäugte ihn streng. „Immer musst du scherzen. Ich finde wirklich, manchmal hast du einen sehr seltsamen Sinn für Humor, Vincent!“

„Vergib mir, Mama. Es tut mir sehr leid, dass du meine Scherze nicht zu schätzen weißt.“

„Was ich nicht zu schätzen weiß, ist diese alberne Idee, du müsstest die kleine Thornton heiraten.“ Sie seufzte. „Zwar waren wir Jacks und Cassandras Nachbarn, während mein lieber Bertie noch am Leben war …“ Sie betupfte sich die Augen mit einem hauchdünnen Spitzentaschentuch. „Und auch jetzt wären wir es noch, denke ich, wenn du nicht so großzügig gewesen wärst, mich hier auf Carlton Manor wohnen zu lassen – das Longbourne natürlich bei Weitem vorzuziehen ist. So viel weniger zugig im Winter, weißt du. Aber …“, nun erinnerte sie sich doch noch an den Beginn ihrer Rede, „… warum musst ausgerechnet du es sein, der sie heiratet?“

Lord Carlton hatte jahrelange Erfahrung darin, die oft verworrenen Sätze seiner Mama zu entwirren. Er erkannte somit ohne Schwierigkeiten, was ihr Sorge bereitete.

„Es war gar nicht so großzügig, wie du meinst“, versicherte er ihr lächelnd. „Das Haus hier bedeutet mir nichts. Ich ziehe mein eigenes in London vor. Und vergiss nicht Großvater Hamiltons Gut in Surrey, das einen sehr angenehmen Landsitz abgeben wird, sobald ich es moderner einrichte.“

„Nun, du kannst mit deinem Geld natürlich machen, was dir beliebt.“ Lady Longbourne ließ sich erleichtert in die Seidenkissen zurücksinken. „Wahrscheinlich könntest du dir leisten, ein Dutzend Häuser zu kaufen. Ich fand eigentlich immer, dass es ein wenig ungerecht von meinem Vater war, dir den Löwenanteil seines Vermögens zu vermachen.“

„Nein, nein, Mama“, beeilte Harry sich einzuwerfen. Wie immer, wenn dieses Thema aufkam, wurde er hochrot vor Verlegenheit. Die Großzügigkeit seines Halbbruders war ihm so häufig zugutegekommen, dass er die Andeutungen seiner Mutter sehr ungerecht fand. „Ich habe doch Papas Landsitz, der vielleicht nicht so groß ist wie Vinnies, der aber immerhin gute Gewinne abwarf, als ich ihn erbte. Vinnie hingegen musste viel Arbeit hineinstecken, bevor Carlton wieder zu florieren begann.“

„Nun, das mag ja sein“, gab Lady Longbourne zu. „Und natürlich war er zu uns allen immer nur großzügig. Trotzdem verstehe ich nicht, warum er dieses Mädchen heiraten muss.“

„Jacks Leiche wurde nie gefunden“, sagte Vincent mit rauer Stimme. „Er war mein Freund, Mama. Sein Körper liegt in einem namenlosen Grab irgendwo in Frankreich. Wenigstens das bin ich ihm schuldig.“

Lady Longbourne war für den Moment zum Schweigen gebracht. Die leidenschaftlichen Worte ihres Sohnes und der Schmerz in seinen Augen überraschten sie. Es sah Carlton gar nicht ähnlich, so offen seine Gefühle zu zeigen.

„Wir waren fünf“, erklärte Harry. „Wir haben mit Strohhalmen gelost und …“

„Ich habe gewonnen“, beendete Vincent den Satz und sah Harry streng an. „Ich erinnere mich an Cassandra nur als ein dünnes kleines Ding, aber damals war sie erst zwölf. Ich stelle mir vor, inzwischen wird sie sich sehr verändert haben. Außerdem ist ein Versprechen, das man auf dem Schlachtfeld gibt, eine Frage der Ehre, Mama. Ich beabsichtige, es zu halten.“

„Und wenn sie dich nun nicht will?“, wandte Harry ein. Er war vierundzwanzig Jahre alt, blond und blauäugig und verfügte über ein sonniges Gemüt. Sieben Jahre trennten ihn von seinem Halbbruder, den er sehr bewunderte. „Was tun wir dann?“

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