Elbenmacht 2: Das Goldene Buch

von: Andrea Habeney

mainebook Verlag, 2016

ISBN: 9783946413134 , 198 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 4,99 EUR

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Elbenmacht 2: Das Goldene Buch


 

Erleichtert nickte Dave Arion, der etwas zittrig wirkte, aufmunternd zu, voranzugehen und betrat hinter ihm die vertraut wirkenden Hallen des Ordens. Wie beim letzten Mal führte Morin sie schweigend durch etliche lange Gänge in die Tiefe des Gewölbes, bis er vor einer Holztür haltmachte. „Wartet hier drinnen. Ich werde dem Meister eure Anwesenheit melden.“ Die beiden betraten den Raum und nahmen am darin stehenden Holztisch Platz.

„Uff“, meinte Arion, „ein bisschen unheimlich ist es hier ja schon! Erst tut sich gar nichts. Dann dieser gruselige Typ, der, lass mich nachdenken, sicher nicht mehr als zehn Wörter gesprochen hat. Bist du sicher, dass wir hier willkommen sind?“

Dave zuckte hilflos mit den Schultern, wurde jedoch der Notwendigkeit einer Antwort enthoben, da sich in diesem Moment die Tür öffnete. Dave sprang unwillkürlich von seinem Stuhl auf. „Guten Tag, Meister. Danke, dass Ihr euch Zeit für uns nehmt. Das ist mein Freund Arion. Ein Elbe“, setzte er noch hinzu.

„In der Tat“, nickte der Hereinkommende lächelnd, „ich sehe. Bitte setzt euch doch wieder. Möchtet ihr etwas essen oder trinken?“

„Später gerne, aber wir würden lieber zuerst unser Anliegen vortragen. Wir haben nicht viel Zeit, glaube ich.“

Der Meister nickte. „Gut, dann setzen wir uns doch. Morin, bring bitte trotzdem ein Glas Met für jeden. Ihr könnt inzwischen erzählen. Wie seid ihr übrigens durch die Schutzzauber gekommen? Und diesmal ohne den Rüssler?“

„Das ist eine lange Geschichte. Kurz gesagt scheint es so, dass ich weitgehend immun gegen ein Großteil aller Magie bin.“

Der Meister nickte „Ich dachte mir schon so etwas. Eine erstaunliche Gabe.Etwas unangenehm, wenn Besuch so überraschend auftaucht.“

„Bitte entschuldigt, ich wusste nicht, ob es mir überhaupt erlaubt ist, hierher zurückzukehren, aber wir wussten uns keinen anderen Rat und das Buch ...“

„Das Buch? Ihr habt das Buch der Völker?“

„Ihr wisst von dem Buch?“, fragte Dave überrascht.

„Unsere Magier haben die Erschütterung im Weltengefüge wahrgenommen, die durch das Land ging, als ihr das Buch aus seinem Versteck befreit habt. Und unsere Spione in der Hauptstadt haben uns erzählt, dass es dort brodelt und die ganze Stadt nach zwei Dieben durchsucht wurde.“

Dave zögerte einen Moment und griff dann nach seinem Rucksack, ohne auf Arions warnenden Blick zu achten. Er holte vorsichtig das Buch heraus und legte es andächtig auf den Tisch. „Mit dem Buch gibt es ein Problem. Es steht nämlich nichts drin.“

Meister Thore runzelte die Stirn und griff nach dem Buch. „Darf ich?“

„Natürlich, bitte.“

Er öffnete das Buch ehrfurchtsvoll, blickte stumm auf die leeren Seiten und strich vorsichtig mit der Hand darüber. „Ich sehe, was du meinst. Lasst mich nachdenken, was ich über die Geschichte des Buches weiß.“

„Äh“, räusperte sich Arion.

„Ja?“, hob Meister Thore den Kopf.

Arion räusperte sich noch einmal. „Wir sind unterwegs in einige Schwierigkeiten geraten und eine weise Frau hat uns gerettet, weil sie das Buch erkannt hat. Sie hat vermutet, dass das Buch, da es ja von allen Völkern gemeinsam geschrieben und verzaubert wurde, auch von mindestens einem aus jedem Volk gelesen werden muss, um seinen Inhalt zu offenbaren. Von allen gleichzeitig natürlich“, schloss er etwas lahm. „Meint ihr, das könnte sein?“

„Das könnte es in der Tat. Wenn ich einen Moment darüber nachdenke, erscheint es mir sogar die einleuchtendste Erklärung zu sein. Soso, eine weise Frau. Hat sie euch vielleicht auch ihren Namen genannt?“

„Nein, und wir haben sie leider nicht gefragt“, fügte Arion verlegen hinzu. „Das Dorf hieß jedenfalls Moggelby.“

„Dann, glaube ich, weiß ich, wer euch das so hilfreich begegnet ist. Es könnte Melisande gewesen sein. Sie lebt schon viele Jahre in der Nähe dieses kleinen Ortes.“

„Ihr kennt sie?“

„Ich kannte sie einst sogar ganz gut, habe aber viele Jahre nichts von ihr gehört. Zu viele.“ Er lächelte leicht, offensichtlich in die Erinnerung versunken. Die beiden Freunde blickten sich an und unterdrückten ebenfalls ein Lächeln.

„Nun aber zu eurem Buch. Ich würde sehr gerne die Geschichte eurer Abenteuer hören, aber wir wenden uns besser zunächst Wichtigerem zu.“ Nachdenklich starrte er auf die leeren Seiten. „Ich würde das Buch gerne einige Zeit untersuchen. Vielleicht kann ich ein paar Zauber finden, die darauf liegen und sie aufheben. Aber es kann gut sein, dass Melisande recht hat. Es wäre auch durchaus im Sinne des Buches, dass es zur Vereinigung der Völker beiträgt.“

„Deswegen sind wir hier“, beeilte sich Dave zu erklären. „Weil hier doch Angehörige aller Völker zusammen an einem Ort sind!“

„Das trifft leider nicht mehr zu, mein Junge. Du weißt wahrscheinlich von Eledil, dass wir beschlossen haben, unsere selbst gewählte Isolation aufzugeben und uns wieder mehr um die Belange des Landes zu kümmern. Viel zu lange haben wir viel zu abgeschnitten von allen Informationen von außen gelebt. Goran Axtwerfer ist in seine Heimat zu den Zwergen aufgebrochen und dürfte bereits dort angekommen sein. Ich erwarte ihn erst in einigen Wochen zurück und selbst, wenn ich ihm eine Nachricht zukommen ließe, würde es mehrere Tage dauern, bis er hier eintrifft. Zwerge reiten, wie ihr euch denken könnt, nicht gerne. Gravierender für eure Aufgabe ist jedoch, dass Eledil heim zu den Elfen gereist ist und erst in einem halben Jahr, wenn überhaupt, zurück sein will. Die Elfen haben sich, wie ihr wisst, völlig abgeschottet und selbst mir ist es nicht immer möglich, eine Nachricht dorthin zu senden.“

Verzagt ließ Dave den Kopf hängen. „Was machen wir denn dann? Gibt es im Land überhaupt noch weitere Elfen?“

„Nicht, dass es mit bekannt wäre. Nun ruht euch erst einmal aus und stärkt euch. Ich werde mich in der Zwischenzeit beraten. Mit eurer Erlaubnis werde ich das Buch für einige Zeit mitnehmen, um es zu prüfen.“

Dave nickte zustimmend.

„Ich danke euch, dass ich diese Kostbarkeit – wenn auch nur für kurze Zeit – in Händen halten darf.“ Meister Thore verließ den Raum und kurz darauf wurden wie versprochen Essen und Getränke hereingebracht. Jetzt merkten die beiden erst, wie erschöpft sie waren und fielen, kaum dass sie sich auf die im Raum befindlichen Pritschen gelegt hatten, in tiefen traumlosen Schlaf.

Dave erwachte, als die Tür sich erneut öffnete. Langsam setzte er sich auf und rieb sich schlaftrunken die Augen. Er hatte wie ein Stein geschlafen und brauchte einige Momente, um einen klaren Kopf zu bekommen.

Dann sprang er jedoch mit einem Satz auf und verbeugte sich ungeschickt. Durch die Tür war nicht etwa, wie erwartet, ihr mürrischer Führer getreten, sondern eine junge Frau, dieselbe, die er vor ein paar Wochen in der Ratssitzung gesehen hatte. Damals war ihm vor allem der grüne Schimmer ihrer Haare aufgefallen, jetzt im dunklen Licht der Lampe, die auf dem Tisch stand, sah er, dass auch ihre Haut leicht grünlich schimmerte.

Lachend stellte sie ein Tablett auf dem Tisch ab. „Langsam, langsam, wacht erst einmal richtig auf. Und dann rüttelt euren Freund wach. Sonst verpasst er das Frühstück.“ Sie wies grinsend auf Arion, der unbeeindruckt von den Geräuschen um ihn herum, leise schnarchte.

Dave schlurfte zu ihm und rüttelte ihn unsanft an der Schulter. „Aufwachen! Du bist mir ja der richtige große Krieger. Du würdest wahrscheinlich auch eine Schlacht verschlafen!“

„Was? Äh, was ist los?“ Arion schüttelte den Kopf. „Quatsch, der wahre Krieger weiß, wann Gefahr droht und wann man sich unbehelligt ausruhen kann. Ich dachte zumindest unbehelligt“, brummte er.

„Wir haben Besuch!“

Arion rappelte sich hoch und grinste verlegen.

„Hallo“, lachte die grünliche Frau, „ich bin Marilee. Esst und trinkt erst mal und nebenan könnt ihr euch waschen. Ich komme dann später wieder. Wir haben einiges zu besprechen. Und der Meister will auch mit euch reden.“

Die Freunde nickten schweigend und schauten ihr aus großen Augen nach.

„Wer war das?“, fragte Dave.

„Ich glaube gehört zu haben, dass das Marilee war.“ Arion hatte ihm das unsanfte Wecken noch nicht verziehen.

„Das weiß ich natürlich. Ich meine, sie ist doch kein Mensch, oder? Sie wirkt so ...“

„Grün? Sie ist eine Meerfrau.“

„Eine Meerfrau?“

Arion seufzte...