Arbeitszeugnisse schreiben und verstehen - Standardformulierungen. Rechtsberatung. Checklisten

Arbeitszeugnisse schreiben und verstehen - Standardformulierungen. Rechtsberatung. Checklisten

von: Helmut Dittrich

Humboldt, 2008

ISBN: 9783869108544 , 225 Seiten

13. Auflage

Format: PDF, Mobile-PDF, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 8,49 EUR

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Mehr zum Inhalt

Arbeitszeugnisse schreiben und verstehen - Standardformulierungen. Rechtsberatung. Checklisten


 

7 Wie man Arbeitszeug nisse liest – wie man Arbeits - zeug nisse schreibt (S. 195-196)

Die Grundlagen sind vorhanden: Gesetze reglementieren Einzelheiten, man kennt die Bewertungsabstufungen und Um - schreibungen negativer Ergebnisse mit klingenden Worten. Wie schreibt man nun Zeugnisse, und wie liest man sie? Man sollte sich die Zeit nehmen, über Berufszeugnisse nachzudenken.

7.1 Worte auf die Goldwaage legen?

Vielleicht hat es eine objektive Beurteilung bei Berufszeugnissen noch nie gegeben. Wer an die Möglichkeit „wahrer" Zeugnisse glaubt, der überschätzt sich selbst und seine Fähigkeit zur Objektivität. Soll nun ein kleines Detail ein Zeugnis verderben? Oder kann man es im Rahmen der Leistung, der Gesamtpersönlichkeit vernachlässigen? Immer werden bei derartigen Entscheidungen Sympathie und Antipathie mitspielen – das ist auch gut so. Wir sollen keine Beurteilungsautomaten werden. Man ist beim Zeugnisschreiben nur dem eigenen Gewissen, der Wahrheit und dem Wohlwollen für einen ausscheidenden Mitarbeiter verpflichtet.

Gesetze müssen sein, hier hat aber die Ansicht des das Zeugnis schreibenden Chefs oder leitenden Angestellten Vorrang. Wie werden seine Aussagen wirken? Auf neue Arbeitgeber, bei Bewerbungen? Man sollte die „Chance des ersten Tages", ja des ersten Augenblicks, nicht unterschätzen, in dem man mit einem Menschen konfrontiert wird. Der erste Eindruck kann Karrieren erst möglich machen, sie fördern und sie vernichten. Zwar wird er durch Nebensächlichkeiten verursacht – Sprechverhalten, Gestik und Kleidung gehören dazu – doch ist es sehr schwer, eine einmal gefasste Meinung eines „Beurteilers" zu ändern. Auch Zeugnisse schaffen einen „ersten Eindruck". Freilich kann man lernen, gute, wirksame Zeugnisse zu schreiben – wie man lernen kann, sich „effektiv" vorzustellen. Wenn der Zeugnisschreiber sich das aber nie aneignete? Es nicht kann? Keine Begabung und keine Übung hat? Dann ist der Bewerber benachteiligt, auch wenn das Zeugnis noch so gut gemeint war. Fazit: Man sollte Worte, Sätze, Abschnitte, Aussagen in Arbeitszeugnissen nicht immer auf die Goldwaage legen!

7.2 Wer kennt schon alle verdeckten Aussagen!

Wir sind hier wieder bei der Objektivität. Was ist schon alles in Formulierungen hineingeheimnisst worden! Dabei sind wir doch alle lernfähig, oder nicht? Was passiert, wenn das Urteil der ersten Stunde ein Fehlurteil ist? Wie weit verbreitet Fehlurteile in entscheidenden menschlichen Fragen sind, zeigt ein Blick in die Scheidungsstatistik. Eine Heirat ist doch gewiss für jeden von uns eine einschneidende Sache. Und doch erklärt sich heute jeder Dritte für gescheitert, von der Dunkelziffer, die der stillen gescheiterten Ehen, ganz zu schweigen. War das Urteil richtig oder ein Fehlurteil, oder hat einer der Partner, haben beide eine Entwicklung genommen, die nicht vorausschaubar war?

Gilt die Parallele zu Zeugnissen? Man kann als Vorgesetzter einen Menschen aufbauen, oder man kann ihn zerstören. Wenn eine Meinung, ein Vorurteil gefasst wurde, dann schlägt das bis in das Zeugnis durch. Es ist wie ein Richterspruch, dem man nicht mehr entrinnen kann. Wenn ein Mensch Arbeiten bekommt, die er bewältigen kann, so wird man den Schwierigkeitsgrad nach und nach erhöhen können, ohne dass er das merkt. Auf einmal ist er ein Spitzenmann! (In drei Jahren lernt der „dümmste Azubi" aus und kann was, er muss nur den richtigen Ausbilder bekommen!) Als Vorgesetzter mag man sich immer wieder beweisen, dass man recht gehabt hat!