Winston 3 - Jagd auf die Tresorräuber

von: Frauke Scheunemann

Loewe Verlag, 2015

ISBN: 9783732003310 , 272 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 7,99 EUR

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Winston 3 - Jagd auf die Tresorräuber


 

Viele Fragen und das Gesetz der Serie.

»Barmbek, Lurup, Billstedt – und jetzt Harvestehude! Vier Hamburger Stadtteile, alle in völlig unterschiedlichen Ecken! Was sagt uns das?« Tom schaut fragend in die Runde.

Ich schaue fragend zurück. Mir sagt das nämlich überhaupt nichts. Aber ich bin sowieso nicht im Schweinsgalopp hinter Kira hergehetzt, um irgendwelche Rätsel zu lösen, sondern um mir meinen nichtvorhandenen Bauch abzutrainieren! Stattdessen sitze ich nun hier, auf dem Bett im Kinderzimmer von Kiras Schulfreund Tom, und soll mir den Kopf über Hamburger Stadtteile zerbrechen. Da wäre ich doch lieber zu Hause geblieben.

Pauli, der Dritten im Bunde, scheint es gerade ähnlich zu gehen wie mir. Denn anstatt Toms Frage zu beantworten, gähnt sie herzhaft. »Echt jetzt, Tom! Ist mir völlig egal, wo die Tresorräuber schon zugeschlagen haben. Ich verstehe nicht, warum dich das so beschäftigt. War doch nicht unsere Schule, die es getroffen hat.«

Tom schnaubt. »Also wirklich, Pauli! Wie kann man nur so gleichgültig sein? Hamburger Schulen werden Opfer einer richtigen Serie von Verbrechen, und das interessiert dich nicht? Willst du denn nicht wissen, wer dahintersteckt?«

Pauli schüttelt energisch den Kopf. »Nee. Solange die mir nichts geklaut haben, ist mir das egal. Und außerdem: Wozu gibt’s eigentlich die Polizei? Die wird sich schon darum kümmern und die Täter fassen. Das sind schließlich Profis.«

Tom rollt mit den Augen. »Die Polizei! Du weißt doch mittlerweile selbst, dass man denen ab und zu unter die Arme greifen muss! Stell dir bloß mal vor, dass noch etwas Schreckliches passiert. Etwas, das wir hätten verhindern können. Dann wirst du dich ärgern, dass wir nichts unternommen haben!«

Wo er recht hat, hat er recht. Als vor ein paar Monaten Kiras Schulfreundin Emilia entführt wurde, haben Kira, Tom, Pauli und sogar wir Katzen mit vereinten Kräften dafür gesorgt, dass Emilia wieder wohlbehalten zu Hause ankam. Und auch Annas verbrecherischer Exfreund Vadim ist letztlich von mir und den Kindern überführt worden. Aber das ist eine andere Geschichte und ich persönlich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn mein Leben in Zukunft in ruhigeren Bahnen verlaufen würde.

Auch Pauli schaut noch sehr zweifelnd. »Ich weiß nicht … Ich dachte, wir wollten Mathe üben. Da passiert mir sonst nämlich garantiert etwas Schreckliches, was wir hätten verhindern können!«

Kira kichert. »Schon klar«, sagt sie grinsend, »da kann dir dann natürlich auch die Polizei nicht mehr helfen. Reale Zahlen und Dezimalbrüche – das haut den stärksten Kommissar aus den Latschen!«

Jetzt prustet auch Pauli los, und schließlich können sich Kira und Pauli vor Lachen gar nicht mehr halten. Sie wiehern geradezu, während Tom sehr säuerlich guckt. Verstehe ich. Ist nicht gerade schön, so lauthals verlacht zu werden.

Die Zimmertür öffnet sich und ein etwas älterer Junge schaut herein. Er hat kurze braune Haare und trägt eine Brille wie Tom. Allerdings ist er bestimmt zwei Köpfe größer und noch dünner als der schlanke Tom. Offenbar wird er sehr schlecht gefüttert, der Arme! Ich habe ihn schon ein paarmal gesehen – es ist Nico, Toms älterer Bruder.

»Sagt mal, geht’s vielleicht etwas leiser?« Er klingt sehr vorwurfsvoll. »Ich sitze nebenan und muss lernen. Außerdem dachte ich, ihr wolltet das auch tun. Wenn Tom mir erzählt hätte, dass er hier eine Party plant, hätte ich gleich gesagt, dass das heute nicht geht. Falls du es vergessen hast, Bruderherz: Ich schreibe nächste Woche meine Mathe-Abi-Klausur und brauche Ruhe!«

Tom schiebt sich mit einer schnellen Handbewegung die Brille ein Stück höher und seufzt. »Tut mir leid, Nico. Wir sind jetzt ruhiger.«

Ohne ein weiteres Wort zieht Nico seinen Kopf wieder aus dem Türspalt zurück und schließt die Tür mit einem energischen Ruck. Tom wendet sich Kira und Pauli zu, die sich mittlerweile wieder beruhigt haben. Besonders schuldbewusst wirken sie aber nicht.

»Spaßbremse«, murmelt Pauli leise. Ich hingegen weiß nicht so recht, was ich über Nicos Auftritt denken soll. Liegt vor allem daran, dass mir nicht ganz klar ist, was eine Mathe-Abi-Klausur ist. Genau genommen habe ich den Begriff noch nie zuvor gehört. Scheint aber irgendetwas enorm Wichtiges zu sein.

»Okay, dann üben wir jetzt eben auch Mathe«, beschließt Tom. »Aber dass ihr so gar nicht neugierig seid, zu welchen Erkenntnissen ich schon über die Tresorräuber gelangt bin, finde ich wirklich enttäuschend.«

Gut, Tom drückt sich für seine dreizehn Jahre immer ein bisschen geschwollen aus und klingt dann fast so wie mein Professor, aber auch ich wundere mich ein bisschen darüber, dass die beiden Mädchen nicht wissen wollen, was sich Tom Schlaues überlegt hat. In meiner Katzengestalt kann ich ihn leider nicht fragen, sonst hätte ich es tatsächlich schon getan.

»Na gut«, zeigt sich Kira endlich gnädig, »erzähl schon. Was sagt uns denn die Tatsache, dass die Täter schon überall in Hamburg aktiv waren?«

Ein Strahlen geht über Toms Gesicht. Ganz offensichtlich unterhält er sich lieber über Verbrecher als über Dezimalbrüche. Was auch immer Letzteres sein mag. »Ist doch völlig klar: Das sind echte Profis. Berufsverbrecher!«

Pauli und Kira gucken ihn fragend an. »Wieso? Wie kommst du darauf?«

Tom seufzt, als wäre diese Frage ziemlich dumm. Allerdings kann ich mir auch nicht erklären, wie Tom zu diesem Schluss kommt. Und ich bin nun anerkanntermaßen ein ziemlich schlauer Kater, wenn nicht gar der schlauste weit und breit!

»Ist doch logisch: Diese Verbrecher haben einen richtigen Plan. Sie scheinen genau zu wissen, in welchen Hamburger Schulen Tresore mit lohnendem Inhalt, sprich: viel Geld stehen und wie man am besten an sie rankommt. Das sind keine Gelegenheitsdiebe, die mal eben die nächste Schule überfallen. Nein, ich bin mir sicher: Das sind Vollprofis.«

»Und wennschon. Dann sind es eben Vollprofis«, entgegnet Pauli und klingt dabei gelangweilt. »Ein Grund mehr, die Sache der Polizei zu überlassen. Die haben bestimmt nicht auf drei Siebtklässler gewartet, die ihnen schlaue Tipps geben. Und überhaupt – welche Tipps sollten das auch sein? Willst du bei der Polizei anrufen und sagen: ›Entschuldigen Sie bitte, aber ich glaube, die Schultresorräuber sind Berufsverbrecher‹? Die lachen sich doch schlapp. Das wissen die nämlich garantiert schon selbst.«

Trotzig schüttelt Tom den Kopf. »Quatsch, ich habe garantiert nicht vor, schlaue Ratschläge zu erteilen. Aber ich glaube, hinter dieser Verbrechensserie steckt ein Muster. Und wenn es uns gelingt, zu erkennen, welches Muster das ist, dann können wir vielleicht vorhersagen, welche Schule es als Nächstes treffen wird. Wenn wir dann die Polizei informieren, müssen die sich doch nur auf die Lauer legen und können die Verbrecher dann auf frischer Tat erwischen und einbuchten. Ich bin mir sicher, es gibt ein Gesetz der Serie. Wir müssen es nur finden.«

Kira lacht. Diesmal allerdings deutlich leiser. »Echt jetzt, Tom! Wie soll das denn gehen? Wir haben doch keine Kristallkugel, durch die wir mal schnell einen Blick in die Zukunft werfen können.«

Verwundert schaue ich zwischen Kira und Tom hin und her. Was hat denn das mit einer Kristallkugel zu tun? In die kann man reingucken und etwas sehen? Funktioniert das so ähnlich wie der Fernseher? In dem kann man schließlich auch Sachen sehen, die an einem ganz anderen Ort auf der Welt stattfinden. Allerdings wohl kaum, wenn sie in der Zukunft liegen. Falls das mit einer Kristallkugel wirklich funktioniert, wäre das natürlich eine tolle Sache.

Ich überlege, wo ich zuletzt so eine Kugel gesehen habe. Wahrscheinlich bei Frau Hagedorn, Werners Mutter. Allerdings schwamm da noch ein Goldfisch drin herum. Ob das dann mit der Zukunft auch noch funktioniert? Falls nicht, hätte ich schon eine Idee. Ich müsste ja nur mal kurz mit der Tatze in die Kugel hineinlangen und dann … dürfte mich allerdings nicht dabei erwischen lassen. Menschen sind meist furchtbar zimperlich, wenn es um Zierfische und andere unsinnige Haustiere geht. Die schlecht erzogenen Nichten und Neffen von Werner hatten mal einen kleinen Hamster, und als ich ein bisschen mit dem spielen wollte, habe ich furchtbaren Ärger bekommen – unglaublich! Also, ich hätte ihm wirklich nichts getan und außerdem war das Geräusch, was der mit seinem blöden Laufrad verursacht hat, auch echt nervtötend.

Aber ich schweife ab. Wo bekommen wir nun schnellstmöglich eine Kristallkugel her, um der Polizei den passenden Hinweis liefern zu können?

Ein schnaubendes Geräusch reißt mich aus meinen Gedanken. Es ist Tom, der sich offenbar über Kiras Bemerkung ärgert. »Ha, ha, Kristallkugel, sehr witzig … Aber mach dich nur lustig über mich, ich weiß, dass ich recht habe. Kommt schon, Mädels – lasst uns wieder das geniale Ermittlerteam sein, das wir schon mal waren! Wenn wir die Fakten genau analysieren, können wir bestimmt herausfinden, wo der nächste Einbruch stattfinden wird. Ich weiß, wir kriegen das hin! Und zwar garantiert ohne Kristallkugel.«

Ach so, das mit der Kugel war ein Scherz? Wann Menschen einen Witz machen und wann sie es ernst meinen, ist für mich als Kater nicht immer leicht auseinanderzuhalten.

Kira zuckt mit den Schultern. »Klar, Tom, natürlich könnten wir das. Das Gesetz der Serie – ich hab’s schon verstanden. Was ich hingegen noch nicht verstanden habe, ist das Distributivgesetz. Und das kommt in der Mathearbeit morgen bestimmt dran. Deswegen sind wir doch eigentlich alle hier. Also, was besagt das noch mal?«

Tom guckt sehr ernst. »Kira, ich habe es recherchiert –...