Hans Schwippert 1899–1973 - Von der Werkkunst zum Design

Hans Schwippert 1899–1973 - Von der Werkkunst zum Design

von: Agatha Buslei-Wuppermann

Herbert Utz Verlag , 2007

ISBN: 9783831606894 , 335 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 32,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Hans Schwippert 1899–1973 - Von der Werkkunst zum Design


 

2 Vom Handwerk zur Werkkunst (S. 37-38)

2.1 Berufliche Einflüsse

Der Lehrersohn Hans Schwippert charakterisierte sich in einer selbstverfassten Biografie von 1942 als „Möbelentwerfer und Mittler von Schreinerwerkstätten." ,Die Innenraumgestaltung unter Anwendung einer möglichst breiten Materialpalette und im engen Dialog mit den ausführenden Werkstätten war Schwipperts eigentliches Berufsziel nach dem Studium. Überdies erschien es dem jungen Architekten leichter, über das Feld des Möbelentwurfs in der selbständigen Praxis Fuß zu fassen, zumal er sich das nötige Rüstzeug und die Erfahrung in jahrelanger studienbegleitender Werkstattarbeit angeeignet hatte.

Das Profil eines praktisch tätigen Möbelentwerfers gab Schwippert sich auch, als er Mitte der 20er Jahre im Berliner Büro von Erich Mendelsohn vorstellig wurde. In der Zeit vom 1. Februar bis zum 31. Oktober 1925 war Schwippert dort im Atelier tätig. Zu dieser Zeit feierte Mendelsohn gerade seine größten Erfolge als Architekt. Der Einsteinturm in Potsdam hatte Mendelsohn an die Spitze der deutschen Architektenschaft katapultiert und den Ostpreußen über Nacht zum Star gemacht, sein Büro wurde für den Nachwuchs zur ersten Adresse. Wenige Jahre später sollte man Mendelsohn wegen seiner jüdischen Herkunft die Teilnahme an der Stuttgarter Weissenhofsiedlung versagen. Die Nationalsozialisten schließlich schlossen ihn als ‚nichtarisches‘ Mitglied aus der Preußischen Akademie der Künste aus.65 Mendelsohn musste Deutschland 1933 verlassen und emigrierte nach London.

Als der junge Diplomingenieur Schwippert im Februar 1925 die Arbeit im Atelier Mendelsohns begann, musste er sich auf das hektische Klima eines Großbüros einstellen. In Mendelsohns Atelier türmten sich damals die Aufträge: Das Kaufhaus Schocken (1924) in Stuttgart war gerade fertig gestellt, ein weiteres Schocken-Kaufhaus (1930) in Chemnitz und der Pressa-Pavillon des Mosse-Verlages (1928) in Köln befanden sich in der Bauvorbereitung.

Die Zeichenarbeit für Wettbewerbe, Wohnhäuser und Umbauten sowie die Ausführungsplanung wurden in Mendelsohns Atelier von Absolventen und Praktikanten erledigt. Die Erfahrungen in diesem Büro lösten bei dem 26-jährigen, frisch diplomierten Architekten Schwippert eine Verschiebung der Sichtweise aus, die sich besonders signifikant in der Veränderung seines Zeichenstils niederschlug.

Nach einem Zeugnis Mendelsohns bearbeitete Schwippert den Um- und Erweiterungsbau einer größeren Villa in Berlin weitgehend selbständig. Der Arbeitstag bestand für Schwippert vornehmlich aus Zeichenarbeit am Reißbrett mit der Zeichenschiene, das heißt Ausführungs- und Detailzeichnungen zu baulichen Veränderungen, Installationspläne für Leitungen und Anschlüsse im Zusammenhang mit dem Umbau der Berliner Villa. Zwar wurde der junge Saisonarbeiter in die Innenraumgestaltung involviert und zeichnete auch Ausführungs- und Detailpläne, die Entwurfsentscheidungen wurden jedoch vom Meister selbst getroffen. Schwipperts Aufgabe bestand in der Baustellenorganisation und -koordination sowie in der Betreuung der Bauherren.