Untersuchungen zur Infrastruktur Roms in der Kaiserzeit. Die Versorgung Roms mit Wasser, Waren und Energie

von: Nico Ernstberger

GRIN Verlag , 2006

ISBN: 9783638506267 , 137 Seiten

Format: PDF, ePUB, OL

Kopierschutz: frei

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Preis: 34,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Untersuchungen zur Infrastruktur Roms in der Kaiserzeit. Die Versorgung Roms mit Wasser, Waren und Energie


 

A) Einführung


 

1. Wirtschaftliche Strukturen in der Kaiserzeit und Bevölkerungsentwicklung der Stadt Rom


 

Das Imperium Romanum war ein geschlossener Wirtschaftsraum, in dem alle notwendigen Güter vorhanden waren. Allerdings hatte keine andere Stadt außer Rom solch eine Vielfalt an verschiedenen Waren. Das Hauptproblem der Versorgung war der Transport zum Verbrauchsort. Das Mittelmeer bildete dabei die Drehscheibe des Massenverkehrs. Da der Seetransport, trotz der Witterungsanfälligkeit der Schiffe (kaum Schiffsbewegungen zwischen November und März), insgesamt gesehen kostengünstiger als der Landtransport war, wurde er ihm meist vorgezogen. Zudem bemühte man sich vordringlich um die Nutzung der Binnengewässer (Tiber, Rhein, Donau, Rhône, Nil) für Transportzwecke.

 

Auch das römische Straßensystem, das wohl zunächst unter strategisch-militärischen Gesichtspunkten ausgebaut worden war, bot gute Möglichkeiten für einen Güteraustausch bis weit ins Binnenland. Der Ausbau der Verkehrswege sorgte insgesamt für eine Vernetzung der Städte und Dörfer und bildete sowohl das administrative, als auch ökonomische Rückgrat des Imperiums. Bis ins 3. Jh. n. Chr. wurden auf Anweisung des Kaisers unentwegt Straßen, Brücken, Häfen und Kanäle gebaut. Es entstand somit ein Straßennetz von ungefähr 100 000 km.

 

Ein intensiver Binnenhandel mit Olivenöl, Wein und Fischsauce (garum, allec) lässt sich archäologisch sehr gut nachweisen, da diese Waren meist in Amphoren transportiert wurden, die man in der Regel nur einmal verwendete. Andere Produkte aus vergänglichen Materialien wie Holz oder Textilien sind fast nur durch literarische Quellen bezeugt. Dennoch ist bekannt, dass etwa hochwertige Textilien aus Nordgallien bis nach Kleinasien gehandelt wurden[1]. Sobald es entsprechende Marktchancen gab wurden bestimmte Produkte, z.B. Luxusgüter, wertvolle Baumaterialien oder hochwertige Metalle oft über weite Distanzen transportiert.

 

An nahezu allen Grenzen (außer im Orient) erwarben die Römer zahlreiche Waren (Pelze, Bernstein, wilde Tiere) und auch Sklaven, im Tausch gegen Metallwaren, Nahrungsmittel oder wertvollem Geschirr. Aus dem Orient bezogen die Römer hochwertige Textilprodukte (Seide), Gewürze, exotische Tiere und Elfenbein.

 

Einen enormen Stellenwert hatte natürlich die staatlich organisierte Versorgung Roms mit den Grundnahrungsmitteln Getreide, Olivenöl, Fleisch und Wein.

 

Seit Augustus hatte der Herrscher die persönliche Verantwortung für die annona

(cura annonae), was auch ein direktes finanzielles Engagement des Kaisers bedeutete.

 

Später wurde diese Aufgabe an den ritterlichen praefectus annonae übertragen, der hinter dem praefectus Aegypti und dem praefectus praetorio die drittwichtigste ritterliche Stellung im Reich inne hatte[2]. Eine staatliche Kontrolle der Wirtschaft fehlte weitgehend. Nur im Falle von Versorgungsengpässen besaß der Staat die Möglichkeit, durch Verhängung von Spekulationsverboten und der Festsetzung von Höchstpreisen ins Marktgeschehen einzugreifen. Außerdem konnte er sich durch ein Vorkaufsrecht (coemptio) die eigene Versorgung sichern. Wenn der Staat als wirtschaftliche Kontrollinstanz fungierte standen meist Sicherheitserwägungen im Vordergrund[3].

 

Die Stadt Rom kann hinsichtlich ihrer Entwicklung mit keiner anderen antiken Stadt verglichen werden. Ihre Entwicklung fällt aus dem Rahmen und bleibt beispiellos. Rom wuchs von einer typischen Landstadt mit max. 10 000 Einwohnern zu einer Metropole mit der unglaublich hohen Einwohnerzahl von knapp einer Million um die Zeitwende.

 

Die Darstellung von Frontinus über die Wasserversorgung Roms macht deutlich, dass es mehrer Schübe starken Wachstums gab. In den Jahren 312-273, 144-127 und

40-27 musste die Wasserversorgung erheblich erweitert werden.

 

Frontinus begründete die umfangreichen Baumaßnahmen ausdrücklich mit der gestiegenen Bevölkerungszahl[4] und daher kann man annehmen, dass vor diesen Maßnahmen ein signifikant starker Anstieg der hauptstädtischen Bevölkerung stattgefunden hatte[5]. Nach der Unterwerfung zahlreicher Provinzen[6] konnte die Bevölkerungszahl Roms über die einer Landstadt hinauswachsen, da auch eine ausreichende Ernährung gewährleistet war. Die Verdoppelung der Bevölkerungszahl bis zum Ende der Republik lässt sich mit der rapid wachsenden Landflucht aus Italien und der ständig ansteigenden Zahl von Sklaven und Freigelassenen in Rom erklären[7].

 

Betrachtet man die politischen Voraussetzungen, so bedeutete die Errichtung des Prinzipats unter Augustus und die Konsolidierung durch seine Nachfolger einen tief greifenden Einschnitt in alle Lebensbereiche. Es setzte ein Prozess der Urbanisierung ein und in der Forschung wird über eine Zahl von 54 Millionen Menschen im gesamten Römischen Reich mit einem Wachstum von 30-40 % bis zum 3. Jh. n. Chr. diskutiert. Gestützt wird dieser postulierte Bevölkerungszuwachs durch die festzustellende Landnahme, das Wachstum und den Ausbau der Städte[8].

 

Darüber hinaus wurden günstige Voraussetzungen für die Entwicklung der Wirtschaft geschaffen. Neben dem Ausbau der Infrastruktur wurde allen Bewohnern des Reiches auch eine gewisse Rechtssicherheit (Eigentum und Besitz) garantiert.

 

Es herrschte zu dieser Zeit ein andauernder Friedenszustand, der mit dem Schlagwort Pax Romana bezeichnet werden kann.

 

Zwischenfälle wie etwa Bürgerkriege (68/69, 193-196) oder Volksaufstände

(66-70, 115-117, 130-135) beweisen aber, wie schnell es zu empfindlichen Störungen solch einer Entwicklung kommen konnte[9].

 

2. Vorgehensweise in der Magisterarbeit und Quellenlage


 

Im Rahmen dieser Magisterarbeit mit dem Thema: „Untersuchungen zur Infrastruktur Roms in der Kaiserzeit. Die Versorgung Roms mit Wasser, Waren und Energie“ beschäftigt sich der Autor mit der wirtschaftlichen Versorgung Roms in der Kaiserzeit. Da aber aufgrund der Komplexität des Themas nicht alle Aspekte der wirtschaftlichen Versorgung hinreichend dargestellt werden können, empfiehlt sich eine Beschränkung auf drei wichtige Gebiete: zum einen die Wasserversorgung der Stadt Rom, zum anderen die Versorgung Roms mit Waren und als dritten Punkt die Verwendung und der Umgang mit dem Rohstoff Holz.

 

Der erste Teil der Arbeit ist der Wasserversorgung gewidmet. Zu Beginn wird auf die Quellenlage eingegangen – Frontinus ist hier als wichtigste Quelle zu nennen – ehe in einem theoretischen Teil die Hydrotechnik im Römischen Reich erläutert wird. Hierbei spielen v.a. die Wasserspeicherung, Wasserverteilung, sowie die Wasserableitung eine wichtige Rolle. Danach erscheint es sinnvoll konkret die Wasserversorgung Roms und die elf Fernwasserleitungen vorzustellen. Im nächsten Gesichtspunkt geht es um die Organisation und Administration der Wasserversorgung. Dabei stehen besonders die Veränderungen seit Augustus und unter der Verwaltung Agrippas im Vordergrund. Zum Abschluss des ersten Teilgebietes wird noch auf die öffentliche und private Nutzung des Wassers, sowie auf den repräsentativen Charakter der römischen Aquädukte eingegangen.

 

Im zweiten Teil der Arbeit wird erläutert wie die enorme Menge an Waren und Gütern nach Rom gelangte, um die Hauptstadt ausreichend zu beliefern.

 

Als Versorgungszentrale fungierte in der Kaiserzeit Ostia. Um die zentrale Funktion Ostias deutlich zu machen, wird zunächst das Gebiet von Ostia vorgestellt. Dann folgt ein geschichtlicher Überblick von den Ursprüngen Ostias bis zum Niedergang der Stadt. Entscheidend in punkto Versorgung waren der Bau des Claudius- und Trajanshafens in Ostia. Danach beschäftigt sich der Autor mit den anfallenden Arbeiten in den Häfen und mit der Aufbewahrung der Lebensmittel.

 

Mit Hilfe eines kurzen Exkurses über Schiffswrackfunde im Mittelmeer soll v.a. die große wirtschaftliche Aktivität im Römischen Reich hervorgehoben werden.

 

In einem weiteren Gliederungspunkt geht es um den Transport der Waren. Dabei wird der Landtransport mit dem bevorzugten Transport über ein Gewässer verglichen. Nicht zu vernachlässigen sind natürlich auch hier die Organisation des Handels und die damit verbundenen Arbeiten. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Berufsvereine der Händler (collegia). Dann wird noch kurz auf die Sonderstellung Roms in Bezug auf die Versorgung mit wichtigen Gütern eingegangen und die Versorgung innerhalb Roms beschrieben. Den Abschluss des zweiten Teils bildet eine allgemeine Rückschau auf die Wirtschaft und den Handel in der Kaiserzeit.

 

Im dritten und letzten Teilgebiet dieser Magisterarbeit wird die Holzversorgung Roms vorgestellt. Sicherlich ist die Frage berechtigt, weshalb...