Die Eva-Herausforderung - Portraits von zehn starken Frauen

Die Eva-Herausforderung - Portraits von zehn starken Frauen

von: A. A. Troyer Jelidi

GTC Informatik GmbH, 2007

ISBN: 9783905793000 , 59 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

Windows PC,Mac OSX Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 4,99 EUR

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Die Eva-Herausforderung - Portraits von zehn starken Frauen


 

Beryl Markham - Markenzeichen: selbstbewusst und unkonventionell (S. 28-29)

Beryl Markham akzeptierte ihr Leben lang keine Grenzen – schon gar nicht die, die für das weibliche Geschlecht galten. Konventionen einzuhalten, war nicht ihre Sache, weder beruflich noch privat. Im Gegenteil: sie tat, was ihr gefiel, trainierte in Kenia erfolgreich Pferde, nahm sich Liebhaber, wann es ihr gefiel, und überflog fast nebenbei als erster Mensch im Alleingang den Atlantik von Ost nach West.

Beryl Markham (* 26. Oktober 1902 in Leicester, Leicestershire, † 3. August 1986 in Nairobi, Kenia, gebürtige Beryl Clutterbuck) war eine britische Flugpionierin. Als erster Mensch überflog sie im Alleinflug den Atlantik nonstop in Ost-West-Richtung. Sie war eine gute Freundin von Karen Blixen und Denys Finch Hatton, die durch den amerikanischen Spielfilm Out of Africa Unsterblichkeit erlangten. Beryl Markham legte als erste Frau Ostafrikas die Prüfung zur Berufspilotin ab und arbeitete als Buschpilotin, begleitete Safaris, flog für den Postdienst und für Krankentransporte.

Ernest Hemingway urteilte über Beryl Markhams Autobiographie Westwärts mit der Nacht: «Sie schreibt so fantastisch gut, dass ich mich als Autor minderwertig fühle.» 1986 drehte George Gutekunst einen Dokumentarfilm mit dem Titel World without Walls, und 1988 wurde ihr Leben unter dem Titel Beryl Markham: A Shadow on the Sun als Fernsehfilm verfilmt. Sie starb 1986 an einer Lungenentzündung.

«Nur selten habe ich einen Traum gehabt, der es wert war, noch einmal geträumt zu werden, zumindest lohnte es sich bei keinem, ihn in der Erinnerung zu bewahren. Meine Träume sind weder rätselhaft noch geheimnisvoll, die Menschen in ihnen sind alltägliche Menschen, die alltägliche Dinge tun, und die alltäglichste Person von allen bin ich.» Die Frau, die sich in ihrer Autobiographie Westwärts mit der Nacht bescheiden als «alltäglichste Person von allen» bezeichnete, war Beryl Markham, die erste Pilotin, der 1936 im Alleingang der Nonstopflug von England nach Nordamerika gelang. Im Grunde genommen an einem ganz anderen Rekordflug interessiert, schlitterte sie eines abends während einer Dinnerparty in London beinahe zufällig in dieses Projekt. John Carberry, Spross des irischen Hochadels und Pilot aus Überzeugung, unterbreitete der 34jährigen Beryl Markham ein verlockendes Angebot, er würde ihr seine Maschine leihen, wenn sie sich dazu bereit erklären würde, von England nach New York zu fliegen.

In ihrem Buch erinnerte sich Beryl Markham folgendermassen an die Episode, die zu der bedeutendsten Unternehmung ihres Lebens führen sollte: «‘In westöstlicher Richtung hat schon eine ganze Reihe von Piloten den Nordatlantik überquert [Amelia Earhart war eine von ihnen]. (…) Von England aus hat noch niemand einen Alleinflug gemacht, weder ein Mann noch eine Frau. Das würde mich interessieren, aber auch nichts sonst. Wenn du das versuchen willst, Beryl, so kannst du auf mich zählen. (…) Möchtest du die Chance wahrnehmen?’ – ‘Ja.’ – An dieses Ja erinnerte ich mich sehr genau und an J.C.s fast gespenstiges Grinsen und an seine Bemerkung, die den ‘Handel’ besiegelte: ‘Abgemacht, Beryl. Ich stelle das Flugzeug, und du überfliegst den Atlantik – aber, bei Gott, ich würd’s nicht für ‘ne Million tun. Denk nur an all das schwarze Wasser! Denk daran wie kalt es ist!’»

Doch Beryl Markham versuchte während der ganzen Vorbereitungszeit so wenig wie möglich daran zu denken: sie arbeitete weiterhin als Privatpilotin, absolvierte in ihrer Freizeit gewissenhaft ihre Übungen zur Stärkung ihrer Ausdauer und studierte mit ihrem ehemaligen Fluglehrer und Lebenspartner Tom Campbell Black stundenlang einschlägige Land- bzw. Meerkarten. Erst nach ihrem Rekordflug, als sie sich auf dem Heimweg von New York nach England auf dem Luxusliner Queen Mary befand, wurde ihr das volle Ausmass ihrer Handlung bewusst, und sie vertraute einer Freundin an: «Wenn ich den Atlantik zuerst vom Schiff aus kennengelernt hätte, wäre ich nie so mutig gewesen, ihn zu überfliegen.»