Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz

von: Sven M. Litzcke, Horst Schuh

Springer-Verlag, 2005

ISBN: 9783540268192 , 173 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 14,99 EUR

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Mehr zum Inhalt

Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz


 

Das Burn-out-Syndrom (S. 145-146)

Er hat etwas Besonderes – der Polizeidienst in der Kölner Innenstadt. Nirgends sonst ist die Straßenkriminalität so hoch wie in der City. Nirgends sonst in Nordrhein-Westfalen müssen so viele Beamte (450) in einem so kleinen Einsatzgebiet derart viele Einsätze fahren (50.000 pro Jahr). Und nirgends sonst in der Kölner Ordnungsbehörde scheint die Stimmung so schlecht zu sein wie im Wach- und Wechseldienst der hiesigen Stadtpolizei. Das zumindest legt die Studie von Wiendieck et al. (2002) nahe. Die Untersuchung war 1999 in Auftrag gegeben worden, um die Befindlichkeiten in den vier Kölner Innenstadtwachen auszuloten. Die Ereignisse auf der Wache Eigelstein – sechs Beamte sollen am 11. Mai 2002 den 31-Jährigen Stefan N. misshandelt haben – lenkten das Interesse der Öffentlichkeit auf die Studie, die am 25. Juli 2002 im Kölner Polizeipräsidium vorgestellt wurde. Als äußerst belastend empfinden die Stadtpolizisten die häufigen Beschimpfungen, Bedrohungen und Angriffe der Bürger. Fast die gesamte Belegschaft beklagt eine zunehmende Aggressionsbereitschaft in der Gesellschaft. »Nässe, Kälte, Angst«, so schildern viele Beamte ihren Berufsalltag. Gefährliche Situationen bedrückten weit weniger als negative Bürgerkontakte. Fast die Hälfte der Befragten beklagt die geringen Einflussmöglichkeiten und glaubt, mit ihrer Arbeit nicht viel bewirken zu können. Viele Beamte sind wegen ihrer Erlebnisse im Beruf gleichgültiger gegenüber Menschen geworden. 17 Prozent der Innenstadtpolizisten schleppen sich mehr oder weniger antriebslos zum Dienst – sie fühlen sich ausgebrannt. Auch der Beruf kann dazu beitragen, dass sich die Persönlichkeit eines Menschen im Verlauf des Lebens ändert. So sagte ein amerikanischer Polizeibeamter: »Man verändert sich, wenn man Polizist wird – man wird ,tough‘, hart und zynisch. Man muss lernen, so zu werden, um diesen Job zu überleben. Und manchmal, ohne dass man es sich überlegt, handelt man so die ganze Zeit, sogar gegenüber der eigenen Frau und den Kindern. Aber es ist etwas, was man tun muss, denn wenn man beginnen würde, sich emotional mit allem zu befassen, was einem im Beruf begegnet, würde man sich in der Irrenanstalt wieder- finden.« (Maslach & Jackson, 1979).

Neben den üblichen physischen Belastungen am Arbeitsplatz (zum Beispiel Schichtdienst) gibt es also auch psychische Belastungen bei Berufsgruppen, die sehr viel Zeit in engen zwischenmenschlichen Beziehungen mit anderen Menschen verbringen und dabei ständig Konflikte, Frustrationen und Stress erleben. Bei Angehörigen solcher Berufsgruppen, wie beispielsweise Polizeibeamten, Sozialarbeitern, Ärzten, Therapeuten, aber auch Hausfrauen und Müttern, findet man häufig das Gefühl des Ausgebranntseins, das Burn-out-Syndrom (Füllgrabe, 1982). Über das Beachten von Risikogruppen hinaus, kann der steigende Veränderungsdruck in der Arbeitswelt in allen Berufszweigen zur Überforderung führen. Zielke und Leidig (2003) weisen zurecht auf die Stressorenwirkung von Veränderungen in der Arbeitswelt und mögliche Gesundheitsfolgen hin.

6.1 Was ist Burn-out?

In der Literatur wird der Begriff »Burn-out« nicht einheitlich verwendet. In der englischen Umgangssprache bedeutet er so viel wie: Man ist so erschöpft, dass man nichts mehr tun oder geben kann. Freudenberger und North (2002), die sich als eine der ersten amerikanischen Psychoanalytiker mit dem Problem des Ausbrennens in Sozialberufen befassten, definieren Burn-out als einen »Zustand, der sich langsam über einen Zeitraum von andauerndem Stress und Energieeinsatz entwickelt ... und der schließlich Motivationen, Einstellungen und Verhalten beeinträchtigt«. Aronson et al. (1983), die den Begriff stark in die deutsche Fachdiskussion eingebracht haben, verstehen unter Ausbrennen einen seelischen Zustand, »der häufig bei Menschen auftritt, die mit anderen Menschen arbeiten (und zwar vor allem, aber nicht ausschließlich, in den helfenden Berufen) und die in ihren Beziehungen zu ihren Klienten oder Patienten, zu ihren Vorgesetzten oder Kollegen die Gebenden sind. Zu diesem Zustand gehört eine ganze Reihe von Symptomen: Man fühlt sich ganz allgemein elend, man fühlt sich emotional, geistig und körperlich ermüdet. Man fühlt sich hilflos und hoffnungslos, man bringt keine Begeisterung für die Arbeit und keine Lebensfreude mehr auf.