23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen

23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen

von: Ha-Joon Chang

C. Bertelsmann, 2010

ISBN: 9783641041403 , 384 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 11,99 EUR

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23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen


 

Elf: Afrika ist nicht zur Unterentwicklung prädestiniert. (S. 114-115)

Was sie uns erzählen


Afrika ist zur Unterentwicklung prädestiniert. Dies liegt zunächst am dortigen Klima, in dem sich immer wieder schwere tropische Krankheiten verbreiten können. Des Weiteren stellt die Geografie einen großen Nachteil dar: Viele Länder besitzen keinen eigenen Meerzugang und sind von anderen Staaten eingekreist, deren kleine Märkte nur begrenzte Exportmöglichkeiten bieten und deren gewaltsame Konflikte über die Grenzen der Nachbarländer schwappen.

Es gibt zu viele natürliche Ressourcen, was die Menschen faul, korrupt und konfliktanfällig macht. Afrikanische Nationen sind ethnisch zersplittert, sodass sie schwer zu regieren sind und gewaltsame Konflikte schneller entstehen. Die Institutionen sind eine reine Katastrophe, und Investoren werden nicht geschützt. Die ganze Kultur ist schlecht - die Menschen arbeiten nicht hart, sie sparen nichts und können auch nicht miteinander kooperieren. All diese strukturellen Handicaps erklären, warum der Kontinent im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt selbst nach der Einführung einer signifikanten Liberalisierung des Marktes in den Achtzigern kein nennenswertes Wachstum zu verbuchen hat. Für Afrika gibt es keinen anderen Weg in die Zukunft, als weiterhin ausländische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Was sie uns verschweigen


In Afrika herrschte nicht immer eine derartige Stagnation. In den Sechziger- und Siebzigerjahren, als sämtliche strukturellen Wachstumshemmnisse ebenfalls präsent und stellenweise sogar noch stärker waren, erfreute sich der Schwarze Kontinent eines recht ansehnlichen Wirtschaftswachstums. Zudem hatten auch die meisten der heutigen reichen Länder mit den gleichen strukturellen Problemen zu kämpfen, die Afrika angeblich am Wachstum hindern: ein schwieriges Klima (tropisch oder arktisch), fehlende Meerzugänge, Ressourcenreichtum, ethnische Spaltungen, unfähige Institutionen und eine »schlechte« Kultur.

Diese strukturellen Bedingungen scheinen in Afrika nur deshalb die Entwicklung zu behindern, weil die Länder dort nicht über die notwendigen Technologien, Institutionen und organisatorischen Fähigkeiten verfügen, um mit solchen Problemen fertig zu werden. Der eigentliche Grund für die Stagnation in Afrika während der letzten drei Jahrzehnte ist die Politik des freien Marktes, zu deren Einführung der Kontinent damals genötigt wurde. Anders als die Geschichte oder die Geografie lässt sich die Politik jedoch ändern. Afrika ist also nicht zur Unterentwicklung prädestiniert.

Sarah Palin - und wie sie die Welt sah … oder war es Bernard und Bianca?


Sarah Palin, die republikanische Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten bei der US-Wahl im Jahr 2008, soll angeblich angenommen haben, Afrika sei kein Kontinent, sondern ein Land. Viele Menschen fragten sich, wie sie denn darauf gekommen sei, ich hingegen glaube die Antwort zu kennen. Die Quelle ist ein Disney-Zeichentrickfilm von 1977 mit dem Titel Bernard und Bianca - die Mäusepolizei. Bernard und Bianca handelt von einer Gruppe von Mäusen, die sich »Rettungshilfsvereinigung« nennt und als solche um die Welt zieht, um Tieren in Not beizustehen.