Zügellos - Erotische Storys

von: Lindsay Gordon

Bastei Lübbe AG, 2010

ISBN: 9783838704111 , 288 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 4,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Zügellos - Erotische Storys


 

Daddys Spielzeug


Stella Black

»Stella, was habe ich gesagt? Nur ein Spielzeug!«

»Aber ich will die Ami-Yumi-Puppe und auch die Ami-Yumi-Katze. Wieso kann ich nicht beide haben? Wo ist das Problem?«

»Ich habe dich gewarnt. Nur ein Spielzeug. Falls du wieder mit mir darüber diskutieren willst, dann gehen wir beide sofort zurück zum Parkplatz, und ich verhaue dir den nackten Hintern. Ist das klar?«

Ich überlegte, ob ich mich in der Mitte des Ganges der Abteilung ›Sonderangebote‹ auf den Rücken werfen sollte, bis er mir genau das kaufte, was ich verlangte. Ich bin nicht besonders groß und wiege knapp fünfzig Kilo, die allerdings sehr schwer werden können. Obwohl mir die Vorstellung gefiel, war mir auch klar, dass ein Wutanfall einer 23-jährigen Frau mitten im Spielzeug-Palast den Sicherheits-Dienst auf den Plan riefe.

Er war eine Art Daddy für mich. Ein guter Daddy, ein gemeiner Daddy, ein perfekter Liebhaber, der seine Rolle perfekt beherrschte. Aber das würde er der Außenwelt schlecht vermitteln können, sie würde dafür wenig Verständnis zeigen. Im Augenblick war das auch völlig nebensächlich. Wir befanden uns in unserer eigenen Welt und spielten miteinander. Er war hart. Ich war feucht, und wir segelten auf einer gemeinsamen Welle.

»Aber!«

Ich liebte es, mich ihm zu widersetzen. Obwohl es immer ein Risiko für mich war. Ich wusste, dass ihm die Drohung ernst war. Er konnte sehr böse werden, wenn ich die Sache überzog. Dann verhaute mir Daddy den Hintern, bis er rot war. Keine besonders prickelnde Aussicht, denn er hatte eine harte Handschrift. Wenn er eine Mason&Pearson-Haarbürste oder einen Tischtennisschläger benutzte, war es erst recht unangenehm. Ich hatte schon genug Blutergüsse vorzuweisen.

Aber ich trieb es immer wieder auf die Spitze, bis er mich wirklich verprügelte. Hier im Spielzeug-Palast unterschied er sich mit seinem dunklen Mantel nicht von den anderen gut aussehenden Männern um die Dreißig. Dem Kennerblick würde indes nicht entgehen, dass er einen Mantel von Gaultier trug. Er hatte Geld, eine ganze Menge sogar. Mit achtundzwanzig Jahren hatte er das Glück gehabt, ein Vermögen zu erben, und neigte dazu, darin zu schwelgen. Er war ein Genussmensch, allerdings ohne den Hang zur Selbstzerstörung.

Und jetzt war er mein großer Daddy. Er genoss die Konstellation genauso wie ich, denn ich war ein ungezogenes Mädchen. Wir genossen unsere Freiheiten.

Ich verlor mich in der Faszination des größten Spielzeugladens der Welt. Das behauptete der Spielzeug-­Palast zumindest in seiner Werbung: Der größte Spielzeugladen der Welt. Ein herrliches Königreich aus Plastik, Holz und Farben. Barbie mit Privatflugzeug und der Star-Wars-Republic-Senator mit seiner schlangenartigen Zunge, die seine Feinde vernichten konnte. Es gab Frösche und Hunde, Pferde-Wagen und Playmobil-Spürhunde - ein unendliches Erlebnis-Paradies.

Ich konnte nicht genug davon haben, allerdings wurde Daddy mitunter ein wenig ungeduldig. Dann nahm er mich fest an die Hand und zwang mich, nur ein Spielzeug auszusuchen. Nur eins - wenn auch ohne Preislimit! Nur ein Spielzeug im größten Spielzeug-Palast der Welt? Da probierst du doch, deinen Willen durchzusetzen, oder?

»Ich habe dich zu sehr verwöhnt. Du bist ein böses Mädchen geworden«, würde er sagen.

Regeln waren dazu da, gebrochen zu werden. Er stellte sie auf, und ich brach sie.

Die Regeln sahen vor, dass ich im Laden höflich zu sein hatte, keine Dinge fordern und nicht quengeln oder schmollen durfte.

Er nahm meine Hand und führte mich zu den Kostümen. Masken starrten uns an, Missgeburten mit Giftzähnen, Drachen, einäugige Zombies und narbige Nazis. Eine abscheuliche Ausstellung einfallsreicher Prothetik und unheimlicher Grimassen. Und dann erst diese Outfits! Es gab alles Erdenkliche. Du konntest dein Baby als Affe, Ente oder Kürbis verkleiden, deinen Sohn als Feuerwehrmann, als Bob den Baumeister oder als Wahnsinnigen. Ein Teenager konnte sich in einen geilen Leichenfledderer verwandeln, ein Nachtgespenst oder einem Hochsee-Piraten.

Er schleppte mich entlang all dieser Spukgestalten zur Teenager-Abteilung. Falls er vorhatte, Tinkerbell aus mir zu machen, würde ich nie mehr mit ihm reden.

»Da gibt es auch Nonnen«, insistierte ich.

»Du wirst keine Nonne. Wir sind nicht bei Monty Python. Bleib stehen!«, befahl er.

Ein junger Mann näherte sich. Er war mit einem Gesicht gesegnet, das unter den Halloween-Masken nicht auffiel. Seine grüne Uniform trug auf der Brust das Logo des Spielzeug-Palastes mit einer eingeprägten roten Burg.

»Ich suche eine Hexe«, sagte Daddy.

Ich wollte schon fragen ›Tun wir das nicht alle?‹ Die Miene des Verkäufers blieb trocken und ausdruckslos wie die Wüste Gobi.

»Dort drüben, Sir«, sagte er mit einer Stimme wie Shaggy von Scooby Doo.

Daddy streichelte meinen Nacken. Übermannt von seiner Väterlichkeit, seinem Geruch und meiner Neurose, ihn in mir zu spüren, hätte ich am liebsten laut geheult.

»Ich will kein verdammtes Hexen-Outfit«, maulte ich. »Ich will …«

Der Verkäufer ging voraus und tat so, als ob er nichts hörte.

»Sei nicht so frech«, wies mich Daddy sanft zurecht. »Wir müssen doch etwas für Suzannes Halloween-­Party finden. Ich werde dich in ein schwarzes Netzhemd stecken, kniehohe Stiefel, halterlose Strümpfe und PVC-Höschen. Das Hemd werden wir hier kaufen, auf den Rest musst du ein wenig warten. Und wenn ich noch hinzufügen darf: Ich werde dich verhauen und vögeln, wenn du die Sachen trägst.«

Ich schaute ihn mit unschuldiger Miene an. Das Kostüm würde sich gut machen mit lila Lippenstift, dunkel geschminkten Augen. Ich wusste, dass ich mich überschlagen würde, um ihm zu gefallen. Er würde mir das Netzhemd über den Kopf ziehen und auf mein PVC-Höschen dreschen, bis ich im perversen PVC-Stoff langsam feucht wurde.

»Ich will nicht die Hexe, ich will die Katze!«

Ich steckte mir einen Kaugummi in den Mund, kaute darauf herum und starrte Daddy trotzig an. Dann stolzierte ich in die entgegengesetzte Richtung. Vorbei an all den Regalen, voll gestopft mit Bauernhof-­Figuren, Plüschtieren, Action-Kerlen mit dicken Muskeln und kriminellem Ausdruck.

Ich wusste, dass ihn der Anblick meiner entschwindenden Kehrseite begeistern würde: Kleines weißes Chanel-Höschen, goldener Gürtel um die Taille, punkiges Fischmusterjäckchen, japanische Teenager-­Kniestrümpfe, schwarze Betty-Page-Samtheels mit kleinen Punkten, Peeptoes und einer teuren, kleinen Applikation auf der Rückseite der Absätze. Eine bezaubernde Mixtur aus purer Perversität und hinreißender Unschuld - du kannst es dir nicht vorstellen.

So gefiel es ihm. Sollte es doch. Er hatte schließlich alles bezahlt.

Die Schuhe waren neu. Daddys Chauffeur hatte uns in der Limousine zu den Läden in Bond Street und Mayfair chauffiert. Dort gab es eine ausgefallene Boutique, versteckt in einer Art ehemaliger Stallung, ein spezielles Angebot für Leute wie wir. Ich vermute, dass er die Adresse in einem einschlägigen Magazin entdeckt hatte. Ich war erstaunt, dort auf so viele Gleichgesinnte zu treffen. Ich sah einen anderen Daddy mit einem unartigen Mädchen auf dem Schoß, einer schönen Eurasierin, Mitte der Dreißig.

Sie stellte einen Fuß auf den knienden Verkäufer, während ihr Lover ihren Nacken streichelte. Dann wanderte sie hin und her und posierte ihre kleinen, weißen Stiefelchen. Sie reichten bis zu den Knien ihrer gebräunten Beine. Dazu trug sie einen weißen Hosenrock und einen kurzen Paul-Smith-Blazer. Ich fand die Stiefel bezaubernd, aber ihr Daddy sagte ›Nein‹. Sie heulte, und ich dachte, er würde sie schlagen. Stattdessen küsste er sie auf den Mund und zeigte auf ein paar allerliebste, dunkelgrüne Stilettos mit Killerheels in Krokoleder-Imitation.

Unartige Mädchen wie uns gibt es überall. Wir können uns alles erlauben. Und wir tun es auch.

Er war natürlich nicht mein richtiger Daddy, der verstarb schon vor Jahren. Nennen wir ihn also meinen Pseudo-Daddy. Er verwöhnte mich und schlief mit mir. Er schlug mir die Seele aus dem Leib, wenn ich gemein zu ihm war oder mich weigerte, ihm meine Pussy zu präsentieren, wenn ihm danach war. Trotzdem, wir waren Gleichgesinnte und hatten unseren Spaß miteinander.

Also, ich schlenderte davon, weg von ihm und seinen dämlichen Hexen-Kostümen, und verlor mich in all den Fantasie-Gestalten wie Mermadia Sea Butterflies oder Simpsons Monopoly. Ich war umgeben von den elektronischen Animatronic-Figuren. Und dann sah ich sie: Daleks. O mein Gott: die kriegerischen Außerirdischen. Es gab sie in allen Formen, Größen und Arten. Daleks als Füller, Brotdosen, Ferngesteuerte, als T-Shirts oder Konservendosen. Vernichtende. Vertilgende. Verwüstende. Mich überlief eine Welle wahren Vergnügens. Daleks haben mich immer sehr, sehr glücklich gemacht.

Vielleicht fragst du dich - was ich übrigens auch täte -, wieso diese Angst einflößenden Metall-Irren aus Doctor Who derart die Fantasie von Stella Black beflügeln? Ungebremste, beißende Perversität eines Landeis? Aber, meine Freunde, glaubt mir: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Terror und Sicherheit und - Sex.

Tief in der Datenbank unseres Nervensystems schlummern alte Ängste vor gewaltigen Ungeheuern, deren Aufgabe es ist, alles zu zerstören. Und da draußen gab es eine männliche Person, die ausersehen war, mich vor ihnen zu beschützen. Zu einer Zeit, als Doctor Who Gott war und Gott der Vater war, hatte ich schon keinen richtigen Vater mehr. Nur ein fernes Grab und keine Erklärung für sein befremdliches Verschwinden.

Ich hatte ein tiefes...