Klassiker der Erotik 7: Die Liebe in Klöstern oder Die verliebten Nonnen

von: Marquis d' Argens

Passion Publishing, 2012

ISBN: 9783943809251 , 109 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 1,49 EUR

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Klassiker der Erotik 7: Die Liebe in Klöstern oder Die verliebten Nonnen


 

Die zwei herumirrenden Nonnen


In einer Stadt im Roussillon lebten zwei junge Nonnen, etwa achtzehn bis zwanzig Jahre alt, die aber gar kein Klosterfleisch hatten. Sie brachten also ihre betrübte Zeit in dem größten Verdruss zu, und dieser Verdruss vermehrte sich von Tag zu Tag. Sie beschwerten sich ständig über ihre Eltern, dass sie so hart gewesen waren und sie ihren eigennützigen Absichten aufgeopfert hatten. Allein, diese vergeblichen Beschwerden führten nur dazu, dass sie den Abscheu vermehrten, welchen sie für den verhaßten Stand empfanden, in den sie mit Gewalt hatten treten müssen. Sie waren liebenswürdig, konnten sie sich also mit Recht über die grausamen Opfer beklagen, die man von ihrem Gehorsam verlangt hatte. Denn sie hätten doch ihre Vorzüge, womit sie die Natur so reichlich versehen, anwenden und an den Mann bringen können. Außerdem hatten sie auch ein Herz, das gegen die Reize der Liebe nicht unempfindlich zu sein schien. Sie hatten die größte Begierde, sich in der Welt zu zeigen, und jedermann wünschte, sie in derselben zu sehen; und die Gedanken an diese Welt, die sie sich so schön vorstellten und auf die sie alle ihre Wünsche gerichtet hatten, waren schuld, dass sie beständig seufzten.

Ihr gemeinschaftliches Unglück gab die erste Gelegenheit zu ihrer vertrauten Freundschaft. Keine Augenblicke gaben ihnen mehr Trost als die, in denen sie sich einander ihr heimliches Anliegen entdeckten. Es musste hier aber auf ein Hilfsmittel gesonnen werden, und dieses war zu ihrer Betrübnis kein anderes, als dass sie sich so stellen mussten, als ob sie ewig im Kloster aushalten wollten. Inzwischen sehnten sie sich allerdings unaufhörlich nach dem Augenblick, der sie von der Sklaverei befreite, in welcher sie die Grausamkeit ihrer Eltern gefesselt hielt.

Eine von diesen zwei jungen Nonnen hieß Dorothee. Sie war herzhaft und ein rechter Waghals, denn sie sah den größten Gefährlichkeiten ohne Entsetzen entgegen. Sie war dabei viel zu lebhaft, als dass sie so unter Zwang hätte leben wollen. Alle ihre Wünsche richteten sich deswegen nur darauf, wie sie sich bald von diesem Zwang völlig losmachen könnte. Sie wünschte nur, dass die schöne Agathe (so hieß ihre Freundin) ihren Absichten folgen möchte. Allein, deren angeborene natürliche Dummheit ließ sie nicht hoffen, dass sie mit ihr übereinstimmen würde. Sie wollte unterdessen doch hören, wie sie dachte, und das erfuhr sie in der ersten Unterredung, die sie mit ihr über dieses Thema führte.

»Ich weiß nicht, liebste Freundin«, sagte sie zu ihr, »ob ich Ihnen ein Vorhaben anvertrauen darf, das Sie eben angeht wie mich, welches Sie aber vielleicht erschrecken wird. Denn ich kann es Ihnen nicht verbergen, dass Mut zur Ausführung dieses Plans erforderlich ist. Und, wie gesagt, so kommt es mir mit Ihrer Erlaubnis so vor, als wenn Sie nicht viel Mut hätten.«

»Was haben Sie denn schon für eine Probe davon?« antwortete ihr Agathe. »Ich sehe nicht, dass ich ihnen jemals eine Ursache gegeben hätte, um derentwillen Sie mich für feig halten könnten.«

»Nun gut!« versetzte ihre Freundin, ich will glauben, dass ich mich getäuscht habe. Überzeugen Sie mich nur wirklich und sagen Sie mir, ob Sie sich nicht vor den Gefährlichkeiten scheuen würden, die wir etwa auszustehen haben möchten.«

»Unfehlbar werden Sie doch die Güte haben«, sagte Agathe, »und mir sagen, was denn dies für Gefährlichkeiten sind.«

»Nein«, antwortete sie ihr, »die werde ich Ihnen verbergen; allein, sind Sie so gut und sagen Sie mir, ob Sie wohl jederzeit einen so großen Widerwillen gegen das Kloster haben werden?«

»Ei, wie können Sie wohl daran zweifeln?« gab sie ihr zur Antwort. »Kann mir wohl ein Stand, zu dem ich gar nicht geboren bin, anders als aufs Ärgste verhaßt sein? Würde ich wohl was anderes für mein Glück halten können, als wenn ich die Freiheit hätte, von hier zu entkommen? Aber ach! Meine unbarmherzigen Eltern!«

»Oh, ich bitte Sie«, erwiderte Dorothee, indem sie ihrer Freundin in die Rede fiel, »hören Sie auf, so vergebliche Klagen zu führen. Sie wissen, dass ich ebenfalls mehr als zuviel Ursachen dazu hätte, aber ich bitte Sie — was hat unser Murren bisher geholfen? Können wir wohl hoffen, dass dieses unsere Eltern rühren wird? Deswegen lassen sie uns beide an nichts anderes denken, als wie wir die Ketten, welche uns gefesselt halten, zerbrechen wollen. Vielleicht«, setzte sie hinzu, »scheint Ihnen das keine leichte Sache zu sein, zumal, da ich Ihnen gleich am Anfang gesagt habe, dass die Ausführung unseres Vorhabens Mut erfordere. Denn wir müssen aus dem Kloster flüchten, gleichwohl aber ist das noch nicht die größte Schwierigkeit. Wir müssen einen Ort haben, wohin wir unsere Zuflucht nehmen können, denn zu unseren Eltern werden wir doch nicht gehen; es liegt uns im Gegenteil viel daran, dass wir uns, so weit wir können, von ihnen entfernen. Ich sinne auf nichts, als wie ich es machen will, dass sie den Ort unseres Aufenthaltes nicht ausforschen können, und ich glaube gewiss, dass es gut gehen wird.«

»Man kann nichts besseres erdenken«, erwiderte Agathe, »allein, vergönnen Sie mir, liebste Freundin, Ihnen zu sagen, dass wir bei der Flucht, von der Sie sprechen, unbedingt eine Zuflucht haben müssen, die aber fehlt uns.«

»Ei, mein Kind«, antwortete ihr die verschmitzte Dorothee, »ist das die einzige Schwierigkeit, die Sie auf- hält? Oh, die will ich herzlich gern beheben. Vergessen Sie nur nicht, dass Sie mir Ihr Wort gegeben haben, mich auf der Reise zu begleiten, und verlassen Sie sich einzig und allein auf mich. Ich will schon sorgen, dass es je eher um so lieber vor sich geht.«

Nun ist die Sache verabredet. Unsere zwei Nonnen haben sich völlig entschlossen, ihre Schleier wegzuwerfen und sie mit anderen Kleidungen zu wechseln, welche die Stärke ihrer angehenden Reize mehr herausstellen können. Was hatten sie aber nicht zur Ausführung des gefährlichen Anschlages, mit dem sie schwanger gingen, für Maßnahmen zu ergreifen?

Der Leser darf inzwischen nicht an dem glücklichen Erfolg zweifeln. Er wird sich erinnern, dass ich gesagt habe, Dorothee habe einen lebhaften und unternehmenden Witz gehabt. Nun, sie wird sich dessen bedienen, und zwar nicht ohne Nutzen.

Sie wußte wohl, dass das Geld die Seele aller Unternehmungen sei; wo war aber welches herzunehmen? Sie hatte genug zu tun, dass sie alles Nötige zur Reise anschaffte. Da sie eine vertraute Freundin von der Klosterverwalterin war, so wußte sie auch, wie viel Geld sie hatte; sie sah wohl voraus, dass sie mit leichter Mühe eine gute Summe aus ihrem Koffer würde nehmen können, also war das auch nicht die einzige Schwierigkeit, welche sie beunruhigte. Sie wollte bei ihrer Flucht aber auch nichts zu fürchten haben, es fehlte ihr also ein vertrauter Mensch, und sie wußte nicht gleich, wen sie dazu ausersehen wollte. Nach vielem Hin- und Herdenken beschloss sie, einen von ihres Vaters Dienern zu nehmen, den sie durch einige Geschenke leicht auf ihre Seite zu bringen glaubte. Sie sprach also mit ihm, und da sie von seiner Verschwiegenheit und Herzhaftigkeit überzeugt war, so konnte sie ihn ohne Furcht zu ihrem Vertrauten machen.

Außer der Belohnung, die sie ihm versprach, machte sie ihm auch Hoffnung, dass er sie bis Paris bringen sollte. Sobald sie diese große Stadt nannte, geriet Jacob (so hieß der Bediente) vor Freuden fast außer sich. Er sehnte sich sehr nach Paris, und er hatte sich's in Gedanken schon Tag und Nacht lange Zeit vorgestellt. Er sorgte also sehr für die baldige Abreise.

Einige Tage danach empfing er das benötigte Geld, so dass er zwei Stutzerkleider, einen Reisewagen und zwei Pferde kaufen konnte, und weil er alles dieses nicht hätte anschaffen können, ohne dass es sein Herr gemerkt hätte, so war er so vorsichtig, dass er aus dessen Dienste ausschied. Es gab also kein Mensch auf seine Unternehmungen Acht.

Wir müssen aber wieder auf die zwei Nonnen kommen, die nun im Begriff waren, auf Abenteuer auszugehen.

Da sie mit den nötigen Kleidern zu ihrer Verkleidung versehen waren, so hatten sie an nichts mehr zu denken, als wie sie aus dem Kloster entkommen wollten — und nichts war ihnen leichter als dieses. Als die listige Dorothee einen Besuch bei der Schwester Pförtnerin ablegte, so machte sie ganz geschickt von einem Bund Schlüssel denjenigen los, der die Gartentür schloss. Als sie den hatte, befahl sie dem ungeduldigen Jacob, dass er sich fertig machen und mit seinem Reisewagen vor einem gewissen Stadttor warten sollte. Sie sagte ihm gleichzeitig die Stunde an, in welcher sie mit ihrer Freundin dahin kommen würde.

Es schlug keiner von ihren gemachten Anschlägen fehl, und erst den Morgen darauf wurde man ihrer Flucht gewahr. Sie hatte wohl vorher vermutet, dass sowohl ihre als Agathes Eltern ihnen fleißig würden nachspüren lassen. Wie hätten sie aber ihren Fluchtweg entdecken sollen? Würden sie sich wohl haben einbilden können, dass sie halb Frankreich durchschwärmen würden? Dieses war aber inzwischen ihr Vorhaben, und sie brachten es auch zustande.

Damit sich ihr Geleitsmann beeilte, mussten sie ihm nur von Paris Vorreden. Er wäre gern hingeflogen, wenn es ihm möglich gewesen wäre, und er trieb die Pferde so scharf an, dass er die beiden schönen Flüchtlinge in wenigen Tagen nach Bordeaux brachte. Man möchte glauben, dass sie ihre neu angenommene und geborgte Kleidung würde verraten haben, allein die muntere Dorothee wußte sich so schön in ihrer neuen Verkleidung zu benehmen, dass sie ihre Annehmlichkeiten selbst bewundern musste. Sie ging oft mit dem Spiegel zu Rate, und dieser sagte ihr jederzeit, dass sie ein recht liebenswürdiger Kavalier...