Star Trek - Titan 1: Eine neue Ära

von: Michael A. Martin, Andy Mangels

Cross Cult, 2011

ISBN: 9783942649896 , 378 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 4,99 EUR

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Star Trek - Titan 1: Eine neue Ära


 

KAPITEL 1


ROMULUS, STERNZEIT 56828,8


»Das ist wohl Ihr erster Besuch in Ki Baratan«, sagte die Frau, die hinter dem Agenten stand.

Soviel zu ‚je offensichtlicher, desto unauffälliger‘, dachte der Agent und gab lautlos die Hoffnung auf, dass sie ihm genauso wenig Aufmerksamkeit schenken würde wie die Massen an Zivilisten und militärischen Offizieren, an denen er auf der zentralen Eyhon der Stadt schon vorbeigegangen war. Er wendete seinen Blick kurz von dem eleganten, blutgrünen Kuppelbau des romulanischen Senats ab, drehte sich um und betrachtete die Frau. Hinter ihm erstrahlte das antike Gebäude in der Morgensonne und reflektierte den türkisfarbenen Schimmer des friedlichen Apnex-Sees, der direkt dahinter lag.

»Um ehrlich zu sein, ist das wirklich mein erster Besuch hier«, sagte der Agent und grinste breit. Er war davon überzeugt, dass sie nicht bemerken würde, wie unangenehm sich dieses spezielle Verhalten für ihn anfühlte. »Bis heute kannte ich die Großartigkeit von Dartha nur aus den Holos meines Großvaters.«

Während sie ihn beäugte, bemerkte er, dass sie alt und ergraut war. Ihre Kleidung war schmucklos und unförmig, ihr runzliges Gesicht ernst, offensichtlich geprägt von zweihundert Lebensjahren voller Mühen. Er sah teilnahmslos zu, während sie misstrauisch und mit zusammengekniffenen Augen seinen leicht abgenutzten Reisetalar musterte.

»Dartha?«, fragte die Frau, während sie ihn noch immer fest im Blick behielt. »Niemand hat die Hauptstadt des Imperiums mehr bei diesem Namen genannt, seit Neral an die Macht gekommen ist.«

Der Agent schalt sich selbst, auch wenn er sich bemühte, seinen Missmut hinter einer sorgfältig kultivierten Maske der Unempfindlichkeit zu verbergen. Obwohl sein Fehler verständlich war – ungefähr vergleichbar mit der Verwechslung des terrestrischen Konstantinopels des neunzehnten Jahrhunderts mit dem Istanbul des zwanzigsten –, machte er sich dennoch Vorwürfe.

»Vergeben Sie mir, ’lai«, sagte er und benutze damit die traditionelle ländliche Form der Anrede, die man gebrauchte, um Älteren gegenüber Respekt zu zeigen. »Ich bin erst heute angekommen, aus Leinharrh. Im Rarathik-Bezirk.«

Ein nachgiebiges, verständnisvolles Lächeln zog ihre Mundwinkel nach oben. »Genau wie ich gedacht habe. Ich habe Sie sofort für einen Hveinn gehalten. Einen Bauern, der noch nie zuvor das Waith verlassen hat.«

Der Agent zwang sein eigenes Grinsen, noch etwas breiter zu werden. Es ermutigte ihn, dass sie seinen ländlichen Rarathik-Dialekt überzeugend fand. Er blieb jedoch vorsichtig, denn diese scheinbar harmlose alte Dame war vielleicht, wie er selbst, nicht das, was sie zu sein vorgab. »Zu Ihren Diensten, ’lai. Sie können mich Rukath nennen.«

Sie nickte bedeutsam, aber dezent in Richtung des Kuppelbaus – und der mit Disruptoren bewaffneten Wachen, die um die grünen, mit Ruatinit verzierten Minarette patroullierten, die ihn umgaben. »Dann erlauben Sie mir, Ihnen einen freundschaftlichen Rat zu geben, Rukath aus Leinarrh. Starren Sie weiter so auf das Regierungsgebäude und ich werde Sie ‚tot‘ nennen müssen. Oder gar Schlimmeres.«

Der Agent erlaubte seinem Lächeln zusammenzufallen, was eigentlich eine Erleichterung war. Er täuschte nun Naivität vor, gemäß seines ausgiebigen Geheimdienst- und Taktiktrainings.

»Denken Sie, dass mich diese Uhlans dort drüben wirklich erschießen würden? Nur fürs Gucken

»Beten Sie einfach, dass die kalten Finger von Erebus Sie zu unwichtig finden, um Sie in die Unterwelt zu reißen«, sagte sie mit einem mitleidigen Kopfschütteln. »Daold klhu

Touristen, übersetzte der Agent den unvertrauten romulanischen Begriff für sich, als sich die alte Frau umdrehte und davonging. »Jolan’tru, ’lai«, sagte er zu ihrem davongehenden Rücken.

Er wandte sich wieder dem Senatsgebäude zu und beobachtete, wie die Wachen ihre Runden gingen. Er zählte sechs, die momentan in Zweiergruppen marschierten, ihre arroganten, disziplinierten Blicke starr nach vorne gerichtet. Trotz der Warnung der alten Frau hätte er für sie ebenso gut unsichtbar sein können.

Aber das ist kein Grund, selbstgefällig zu werden, dachte er und überprüfte den Chrono, der in den getarnten Subraum-Impulstransmitter eingebaut war, den er am Handgelenk trug. Die Zeit wurde knapp. Seit seiner heimlichen Ankunft auf Romulus am Tag zuvor hatte er Dinge beobachtet, die nur sehr wenige seiner Leute jemals gesehen hatten.

Sein soeben beendeter Besuch der romulanischen Hauptstadt Ki Baratan würde sich eventuell als einziger herausstellen. Nun war es an der Zeit, sich unter die Stadt zu wagen.

Der Agent schob Gedanken an die Unterwelt der romulanischen Mythologie absichtlich beiseite. Diese alten Geschichten hatten die widerlichen Gerüche nicht hinreichend beschrieben, die ihm aus den bildlichen – und wörtlichen – Eingeweiden Ki Baratans entgegenwehten. Erebus, aber wahrlich.

Von dem Licht an seinem Handgelenk durch die stygische Finsternis geführt, war der Agent erleichtert, als er bemerkte, dass das altehrwürdige Labyrinth der Aekhhwi’rhoi – den steingepflasterten Abwassertunneln, die unter Ki Baratan verliefen – genau den Plänen entsprach, die der Überläufer M’ret dem Geheimdienst der Sternenflotte beschafft hatte. Er schritt vorsichtig über zahllose auseinanderlaufende, vielbeinige Nhaidh, die hier in der Kanalisation lebten, bis er am abgemachten Treffpunkt ankam. Als er dort war, drehte er kräftig an einem großen, rostüberzogenen Rad, und öffnete damit eine schmale Zugangsluke, die älter als Surak und T’Karik zusammen zu sein schien. Die rostzerfressene Stahlöffnung ächzte protestierend und bewegte sich nur geringfügig, obwohl sich die Muskeln in seinem Rücken durch die Mühe anspannten. Nach etwa einer Minute intensiver Überredungskunst gab das Rad nach und die Luke öffnete sich mit einem Scheppern, das durch die gesamten Katakomben zu hallen schien.

Er ließ das Rad los, zog eine kleine Disruptorpistole unter seinem Talar hervor und quetschte sich durch die schmale Öffnung. Nun verstellte er sich nicht mehr, denn wer auch immer sonst noch hier unten sein mochte, er hatte seine Anwesenheit auf jeden Fall bemerkt.

Er betrat den dunklen Raum hinter der Luke, wo ihm die Luft, die nach Stillstand, modrigen alten Knochen und feuchter Erde stank, unangenehm in die Nase stieg. Als er weiter nach vorne trat, hörte er eine leise, aber dennoch harte männliche Stimme.

»Halt! Lassen Sie Ihre Waffen fallen.« Etwas Kaltes und Unnachgiebiges drückte sich mit Nachdruck in sein Kreuz.

Der Agent lockerte seinen Griff an der Waffe und ließ sie auf den unebenen Steinboden fallen. Plötzlich erstrahlte vor ihm ein grelles Licht und er musste kurz mit seinen inneren Augenlidern blinzeln. Flüchtig sah er ein paar Meter weiter in den Tiefen der Höhle mehrere humanoide Umrisse vor sich stehen.

»Nennen Sie Ihren Namen«, verlangte die Stimme hinter ihm. Sie klang jung, fast jugendlich. Oder vielleicht nur ängstlich? »Und den Grund Ihrer Anwesenheit.«

Der Agent wusste, dass dies der Moment der Wahrheit und höchstwahrscheinlich auch der letzte Moment seines Lebens war. Er stellte sich dieser Aussicht mit der den Vulkaniern eigenen Gelassenheit.

»Auf Romulus bin ich als Rukath bekannt.«

»Aus Leinharr, im weit entfernten Rarathik«, sagte jemand anderes mit einer ernsten weiblichen Stimme. »Geschickt von der Sternenflotte. Ja, wir haben Sie erwartet.«

Der Agent nickte. »Dann wissen Sie ja schon, weswegen ich hier bin. Damit habe ich gerechnet.«

Er fühlte, wie die Waffe in seinem Rücken leicht zitterte, und er rechnete sich seine Chancen aus, den Mann hinter sich zu entwaffnen. Sie waren nicht besonders gut. Dennoch, es war an der Zeit, diese Konfrontation zu beenden, wie auch immer die Folgen aussehen mochten.

»Ich überbringe außerdem eine Grußbotschaft des Föderationsraumschiffes Alliance. Captain Saavik sendet der Bewegung ihre besten Grüße. Und natürlich dem Botschafter.«

Wie der Agent gehofft hatte, veranlasste die Erwähnung der Frau des Botschafters einen der Umrisse vor ihm, sich von den anderen zu lösen und einen Schritt vorwärts zu machen. Die große, schlanke Gestalt sprach mit überraschter, doch voller Stimme. Der Agent erkannte sie sofort, obwohl mehr als achtzig Jahre vergangen waren, seit er sie das letzte Mal gehört hatte.

»Senken Sie Ihre Waffe, D’Tan. Rukath...