Born to Run - Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt

von: Christopher McDougall

Blessing, 2010

ISBN: 9783641043360 , 400 Seiten

Format: ePUB, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 9,99 EUR

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Born to Run - Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt


 

4 (S. 34-35)

Zwei Tage später stellte Salvador seinen Rucksack ab, wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht und sagte: »Wir sind da.« Ich sah mich um: Außer Felsen und Kakteen gab es hier nichts. »Wir sind wo?« »Aquí mismo«, sagte Salvador. »Genau hier. Hier lebt der Quimare-Klan.« Ich begriff nicht, wovon er redete. So weit das Auge reichte, sah es hier genauso aus wie auf jener Nachtseite eines entlegenen Planeten, die wir in den letzten Tagen durchwandert hatten.

Wir hatten den Wagen am Canyonrand abgestellt und uns dann, rutschend und kletternd, auf den Weg hinab in die Schlucht gemacht. Es war eine Erleichterung gewesen, wieder auf ebenem Gelände zu gehen, aber nicht lange. Am nächsten Morgen gingen wir flussaufwärts und sahen uns von den hoch aufragenden Felswänden immer enger umschlossen. Wir zogen weiter und balancierten den Rucksack auf dem Kopf, als wir in brusthohem Wasser wateten.

Die Sonne wurde von den hohen Felsen mehr und mehr verdeckt, bis wir uns schließlich durch eine gurgelnde Finsternis kämpften. Es war ein Gefühl, als wanderte man langsam zum Meeresgrund hinab. Salvador entdeckte schließlich eine Lücke in der glatten Wand, und wir ließen den Fluss hinter uns. Zur Mittagszeit sehnte ich mich in den düsteren Talgrund zurück. Über uns stand eine brütend heiße Sonne, ringsum gab es nur nackte Felswände, und der Aufstieg fühlte sich an wie eine Klettertour auf einer stählernen Rutschbahn. Schließlich hielt Salvador an, und ich ließ mich auf einen Felsen sinken, um auszuruhen.

Der Mann ist verdammt zäh, dachte ich. Salvador lief der Schweiß über das sonnengebräunte Gesicht, aber er blieb auf den Beinen. Er hatte einen seltsamen, erwartungsvollen Gesichtsausdruck. »¿Que pasa?«, fragte ich. »Was ist los?« »Sie wohnen hier«, sagte Salvador und zeigte dann auf einen kleinen Hügel. Ich stand wieder auf, folgte ihm durch einen Riss in den Felsen und stand unvermittelt vor einer dunklen Öffnung.

Der Hügel war in Wirklichkeit eine kleine Hütte, die aus Lehmziegeln gefertigt und so in den Hang eingefügt war, dass sie unsichtbar blieb, bis man buchstäblich auf ihr stand. Ich sah mich nach weiteren versteckten Behausungen um, aber in keiner Himmelsrichtung gab es irgendeinen Hinweis auf andere menschliche Wesen. Die Tarahumara ziehen ein Leben in solcher Isolation vor, was auch für den Umgang untereinander gilt. Bewohner desselben Dorfes mögen es nicht, wenn man so nahe beieinander wohnt, dass man den Rauch des nachbarlichen Herdfeuers sehen kann.