Ratgeber für Angehörige von Onlinesexsüchtigen - ... aber ich liebe ihn doch!

Ratgeber für Angehörige von Onlinesexsüchtigen - ... aber ich liebe ihn doch!

von: Gabriele Farke

Gabriele Farke, HSO 2007 e.V., 2010

ISBN: 9783942660877 , 52 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

Windows PC,Mac OSX Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 3,49 EUR

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Ratgeber für Angehörige von Onlinesexsüchtigen - ... aber ich liebe ihn doch!


 

Co-Abhängigkeit. Wo stehe ich als Angehörige? (S. 18-19)
Es ist für jeden Angehörigen eines Onlinesexsüchtigen ein großer Schock erkennen zu müssen, dass der geliebte Mensch sich anderweitig sexuell befriedigt. Man kann es einfach nicht verstehen!

Was fehlt ihm denn, das ich ihm nicht geben kann? Die Tatsache, dass die Frauen, mit denen er seine Spielchen treibt, nicht „greifbar“ sind, macht es nicht leichter, mit dieser schockierenden Situation umzugehen, sondern eher schwerer. Es entsteht ein regelrechtes Kopfkino, in dem frau sich ausmalt, wie schön die anderen Frauen wohl sind, wie freizügig sie sein können und wie sehr sie sexuell auf den geliebten Partner einwirken können.

Allein die Vorstellung, dass andere, wildfremde Frauen den besten Freund IHRES Mannes betrachten und sich an ihm aufgeheizt haben könnten, löst meist eine tiefe Abscheu aus.

Aus der anfänglichen Ungläubigkeit wird schnell Wut und Zorn. Nach den ersten offenen (Streit-)Gesprächen wird oftmals immer klarer, wie „krank“ der Partner wirklich ist und ganz schnell entsteht dann der Wunsch zu helfen. In guten und in schlechten Zeiten, nicht wahr?

Haben Sie schon einmal etwas von Co- Abhängigkeit gehört?
Der Begriff ‘Co-Abhängigkeit’ (Co- Dependency) entstand schon in den 70er Jahren, später mit der Erweiterung und Änderung der Diagnose “Alkoholismus” zu “Chemical Dependency”, das heißt der Abhängigkeit von chemischen Substanzen. Er beschreibt die im Verlauf der Suchterkrankung entstehenden Verhaltensweisen, Einstellungen, Rollen und Störungen, die diejenigen Menschen annehmen, die längere Zeit mit einem Suchtkranken in einer engen Beziehung gestanden haben oder stehen. Dies kann ein Partner sein, ein Kollege, ein Freund oder das eigene Kind.

Wer mit einem suchtkranken Menschen in seiner Familie zu tun hat, weiß genau, durch welche Hölle man geht, wenn man zusehen muss, wie sich ein Mensch selbst ruiniert. Maßlose Hilflosigkeit breitet sich aus, weil keine Argumente fruchten, solange der Betroffene selbst seine Lage nicht einsieht und etwas verändern möchte. Co-Abhängigkeit beginnt genau an dem Punkt, wenn der Angehörige glaubt, er selbst sei für die Sucht des Betroffenen verantwortlich. Angehörige von Suchtkranken bringen eine enorme Energie auf, um auf den Betroffenen einzureden und ihn davon zu überzeugen, dass sein Verhalten falsch ist, doch außer der eigenen Erschöpfung wird meist nichts erreicht. Der Abhängige verschließt sich mehr und mehr, da er dem Druck und der Kontrolle nicht mehr standhält und sich entzieht, indem er genau das Gegenteil tut, was der Angehörige von ihm erwartet. Versuche, einen Raucher durch Argumente zum Nichtrauchen oder einen Essgestörten zur bewussten Ernährung zu bewegen, scheitern ebenso kläglich wie die Argumente, dass ein Onlinesüchtiger sich selbst schadet und sich wieder dem realen Leben zuwenden sollte.

Co-Abhängige verlieren den Blick für sich selbst, indem sie dem Betroffenen immer nur schlaue Ratschläge geben und nach ihren eigenen Maßstäben bestimmen, was gut und was schlecht für den anderen ist. Sie wollen helfen und leiden unter dem offensichtlichen Versagen, entwickeln Schuldgefühle, weil der Betroffene nicht einsehen will, dass sie es eigentlich gut meinen - mit dem Betroffenen, nicht mit sich selbst.

Co-Abhängige glauben häufig, dass der andere (Betroffene) wichtiger sei als sie selbst und geben sich dabei auf. Ihnen ist wichtiger, die Bedürfnisse des anderen zu spüren und enttäuschen lieber sich selbst als andere.