ADHS bei Erwachsenen - Diagnostik und Behandlung von Aufmerksamkeits-/ Hyperaktivitätsstörungen (Therapeutische Praxis)

von: Gerhard W. Lauth, Wolf-Rüdiger Minsel

Hogrefe Verlag Göttingen, 2009

ISBN: 9783840922060 , 131 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 35,99 EUR

Mehr zum Inhalt

ADHS bei Erwachsenen - Diagnostik und Behandlung von Aufmerksamkeits-/ Hyperaktivitätsstörungen (Therapeutische Praxis)


 

Kapitel 7 Das Trainingskonzept (S. 79-80)

7.1 Indikation

Das Training richtet sich an Erwachsene ab 18 Jahre mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS).

Gegenindikationen

Wenn die Gruppenfähigkeit beeinträchtigt ist, z. B. wenn eine schwerwiegendere Störung des Sozialverhaltens vorliegt, die die Beteiligung am Gruppengeschehen in Frage stellt (z. B. Antisoziale Persönlichkeitsstörung, DSM-IV-TR: 301.7, Intermittierende explosive Störung/Störung der Impulskontrolle, DSM-IV-TR: 312.34). Eine weitere Gegenindikation liegt vor bei Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeiten (IQ 85) und psychotischen Störungen. Wenn sich die Teilnehmer gerade einer umfangreicheren Psychotherapie, insbesondere mit psychodynamischer Ausrichtung, unterziehen, sollte die Verträglichkeit des Trainings mit dieser Maßnahme geprüft werden. In der Regel wird man das Training so lange aussetzen, bis befriedigende Fortschritte und eine Stabilisierung der Person erreicht worden sind. Anschließend kann sich das Gruppentraining jedoch empfehlen, um weitere Anpassungsleistungen in die Wege zu leiten.

Durchführungsbedingungen

Die Teilnehmer sollen über ausreichend Motivation und über gute Deutschkenntnisse verfügen. Zusätzlich sollten sie für ein verhaltensorientiertes Vorgehen offen und beispielsweise zur aktiven Beteiligung an Gruppen- und Tandemgesprächen und zu "Hausaufgaben", zwischen den Trainingseinheiten bereit sein. Das Training wird in einer Gruppe von 4 bis 10 Erwachsenen durchgeführt. Die Gruppe wird von einem Trainer geleitet. Bei größeren Gruppen ist eine Assistenz wünschenswert, die beispielsweise die Materialien vorbereitet, die Arbeitsblätter verteilt, die Wochenaufgabe entgegennimmt und kopiert sowie für die Verpflegung (warme und kalte Getränke, Obst und Kekse) in der Pause sorgt.

Das Training kann ambulant, z. B. an einer Klinik, in einer niedergelassenen Praxis oder einer psychosozialen Beratungsstelle durchgeführt werden, aber auch im Rahmen einer stationären Unterbringung wie z. B. in einer Kurklinik, in einem Internat oder während eines Aufenthalts in einer psychiatrischen Klinik. Eine Kombination mit medikamentöser Behandlung ist nicht nur unbedenklich, sondern nach den vorliegenden Erkenntnissen empfehlenswert (vgl. Kapitel 6 "Interventionsmöglichkeiten bei ADHS",). Ferner kann das Training durch ein spezielles Lern- oder Leistungstraining ergänzt werden. Jedoch ist hierbei zu überprüfen, ob die zeitliche Belastung für den einzelnen Teilnehmer vertretbar ist und ob die inhaltliche überschneidung der Kurse nicht zu groß ist. Im Zweifelsfall sollte man beide Maßnahmen nicht parallel, sondern nacheinander durchführen. Eine Version des Trainings wurde speziell für medizinisch-therapeutische Einrichtungen entwickelt. Diese besteht aus 20 Sitzungen zu je 100 Minuten.

7.2 Konzeption des Trainings

ADHS wird als eine Störung der Selbststeuerung gesehen, die sich langfristig auf Grundlage biologischer und sozialer Einflüsse entwickelt hat. Obwohl man eine Reihe von einzelnen Faktoren benennen kann, die zur Entwicklung der Störung beitragen können, lässt sich im Erwachsenenalter keine spezifische Ursache mehr dafür finden. Menschen mit ADHS unterscheiden sich also nicht in einem ganz bestimmten Merkmal von unauffälligen Personen. Gemeinsames Merkmal von Menschen mit ADHS ist es aber, dass sie nur unzureichend mit den Alltagsanforderungen zurecht kommen und ihre soziale Rolle nur unzulänglich ausfüllen. Sie legen"