Krank durch Amalgam: Vergiftung, Allergie oder psychische Störung?

Krank durch Amalgam: Vergiftung, Allergie oder psychische Störung?

von: Birgit Gottwald

Pabst Science Publishers, 2001

ISBN: 9783935357685 , 153 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

Windows PC,Mac OSX Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 23,99 EUR

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Krank durch Amalgam: Vergiftung, Allergie oder psychische Störung?


 

7.2. Sind auf Amalgam zurückgeführte Beschwerden Ausdruck einer Allergie? (S. 99-100)

Bei den von uns untersuchten Patienten bestand häufiger eine Neigung zu atopischen Krankheiten als bei den Kontrollpersonen. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, daß Amalgam die Prävalenz atopischer Erkrankungen erhöht (Herrström & Högstedt, 1994).

Über ein Viertel der von uns gesehenen Patienten hatte atopische Erkankungen wie allergisches Asthma, allergische Rhinitis oder atopisches Ekzem. Diese Erkrankungen würden viele von den Patienten angegebene Beschwerden ausreichend erklären. Jedoch erschienen diese Patienten, die unter verschiedenen gut dokumentierten Allergien litten, durch die heftige öffentliche Diskussion verunsichert. Sie hatten gehofft, mit dem Amalgam auch die Ursache für ihre atopische Erkrankung gefunden zu haben, da die sogenannte „Amalgamallergie" in den Medien als häufige Nebenwirkung von Amalgam zitiert wird.

Eine echte Amalgamallergie im Sinne einer Typ-IV-Allergie nach der Klassifikation von Coombs & Gell (1963) bestand nur bei einer Patientin, d. h. bei 2,5 % unseres Patientenkollektivs. Nur diese Patientin zeigte im Epikutantest eine Kontaktsensibilisierung auf Amalgam. Dieser Befund steht im Einklang zu den in Deutschland berichteten Prävalenzraten von 2 % (Fuchs, 1994). Bei dieser Patientin war die Amalgamallergie auch klinisch relevant, da bei ihr in unmittelbarem Kontakt zu einigen Amalgamfüllungen ein Lichen ruber der Mundschleimhaut bestand. Diese Patientin war die einzige, bei der wir eine Amalgamentfernung empfahlen. Nach Entfernung der Füllungen heilte der Lichen ruber bald ab, die zusätzlich bestehende chronische depressive Verstimmung und verschiedenste Körpersymptome, die von der Patientin auch mit den Amalgamfüllungen in Verbindung gebracht worden waren, bestanden jedoch unverändert weiter.

Im psychosomatischen Interview berichtete die Patientin, daß sie als uneheliches Kind geboren wurde und sich immer anders als ihre Stiefgeschwister gefühlt habe. Von ihrer Mutter habe sie sich eher abgelehnt gefühlt. Als Erwachsene machte sie ihren Vater im Ausland ausfindig und unterhielt über einige Jahre einen intensiven Briefwechsel mit ihm. Als er sie in Deutschland besuchte, habe sie sofort viel Ähnlichkeit mit ihm festgestellt und es habe nur wenig Fremdheit zwischen ihnen gegeben. Sie habe sich dann als „komplettere Person" gefühlt. Im gleichen Jahr besuchte sie den Vater auch, danach brach der Briefwechsel ab. Im Januar 1996 erfuhr die Patientin vom Tod ihres Vaters. Anfang 1996 traten weiße Beläge auf der Mundschleimhaut auf, nachdem die Amalgamfüllungen vorher jahrelang gut vertragen wurden. Ein daraufhin durchgeführter Test ergab eine Allergie auf Quecksilber und Benzylperoxid. Die Patientin berichtete, daß sie sich „von innen" müde und erschöpft fühle.

Psychodynamisch erscheint bedeutsam, daß die Patientin das erneute Verlassenwerden durch ihren Vater durch dessen Tod als massive Kränkung und Ablehnung erlebt zu haben scheint. Die kurze Zeit des Zusammenseins mit ihm wird sehr idealisierend und harmonisch beschrieben. Wut und Enttäuschung über ihn dürfen keinen Raum einnehmen. Vor diesem Hintergrund könnten die vielfältigen körperlichen Beschwerden und die depressive Verstimmung ein Ausdruck dieser unverarbeiteten Konfliktsituation sein.

Mit dem Begriff der „Amalgamallergie" wird in unzulässig verallgemeinernder Weise ein breites Spektrum von körperlichen und psychischen Beschwerden in Verbindung gebracht. Unsere Untersuchung jedoch stützt die These einer Allergie als Ursache der auf Amalgam zurückgeführten Beschwerden nicht. Selbst bei der einen Patientin, die nachweislich eine Amalgamkontaktsensibilisierung hatte, waren die Amalgamfüllungen nur für einen kleinen Teil ihrer Beschwerden, nämlich für die Mundschleimhautveränderungen verantwortlich. Nur diese Beschwerden besserten sich auch nach der Amalgamentfernung, die psychischen Beschwerden hingegen waren im Zusammenhang mit ihrer persönlichen Lebenssituation zu sehen.