Stiftungen in der Praxis - Recht, Steuern, Beratung

von: Klaus Wigand, Cordula Haase-Theobald, Markus Heuel, Stefan Stolte

Gabler Verlag, 2009

ISBN: 9783834995124 , 270 Seiten

2. Auflage

Format: PDF, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 36,99 EUR

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Stiftungen in der Praxis - Recht, Steuern, Beratung


 

§ 10 Stiftung als Instrument der Vermögensnachfolgeplanung (S. 199-200)

A. Sicherung und Erhaltung des Lebenswerks

In der öffentlichen Wahrnehmung werden Stiftungen vielfach als Weg der Unternehmenssicherung gepriesen. Zu den Vor- und Nachteilen unternehmensverbundener Stiftungen und zu deren Einsatzformen wird auf die nachfolgenden Ausführungen in § 11 verwiesen. Gerade aber auch außerhalb des unternehmerischen Bereichs gewinnen Stiftungen als Instrument der Vermögensnachfolgeplanung laufend an Bedeutung, wie die Zahl der jährlich neu errichteten Stiftungen zeigt.

Bei der Errichtung einer Stiftung spielen für den Stifter regelmäßig eine Vielzahl von Motiven eine Rolle, abhängig davon, ob eine gemeinnützige Stiftung, eine Familienstiftung oder eine unternehmensverbundene Stiftung errichtet werden soll. Bei allen Stiftungsarten steht jedoch die Sicherung und Erhaltung des Lebenswerks des Stifters im Vordergrund. Bei der unternehmensverbundenen Stiftung soll das durch den Stifter oder schon Generationen vor ihm aufgebaute Familienuternehmen in der Familie, d.h. unter dem Einfluss der Familie oder als Einkommensquelle für die Familie, auf Dauer erhalten bleiben.

Die Stiftungsgründung – sei es als Familienstiftung, als gemeinnützige Stiftung oder als „Doppelstiftung" – soll regelmäßig verhindern, dass mittelfristig durch Verkauf von Beteiligungen der Familieneinfluss schwindet oder gar aufgegeben wird, das Familienunternehmen also über kurz oder lang in (familien-) fremde Hände fällt. Eine ähnliche Motivlage findet man bei Stiftern, die ihre Stiftungen mit anderen – meist wertvollen – Vermögenswerten ausstatten, die sich schon lange im Familienbesitz befinden.

Meist handelt es sich hierbei um Kunstgegenstände oder Kunstsammlungen, um althergebrachten, meist unter Denkmalschutz stehenden Grundbesitz oder Schlösser und andere Güter. Auch hier geht es den Stiftern meist darum, den Familienbesitz vor Zersplitterung und Versilberung zu schützen, die meistens die Folge von Erbauseinandersetzungen im Rahmen der Generationennachfolge und von Pflichtteilsauseinandersetzungen sind. Nicht selten fallen diese Familiengüter auch im Erbfall der Zersplitterung infolge fehlender Liquidität zur Deckung der für die Erbschaftsteuer aufzubringenden Beträge anheim. Aber auch bei den Stiftern, die nicht über „generationenverwurzeltes" Familienvermögen verfügen, sondern sich im Laufe ihres Berufslebens eigenes Vermögen erarbeitet haben, stellt die eigene Stiftung einen Weg zur Sicherung und Erhaltung des eigenen Lebenswerks dar. Meistens wird dieser Weg durch die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung beschritten, da der Stifter seine selbst erarbeitete Lebensleistung in den „Dienst einer guten Sache" stellen und andere hieran teilhaben lassen möchte. Auch hierin sehen viele Stifter eine ideale Möglichkeit ihr Lebenswerk auf Dauer sinnvoll fortsetzen lassen zu können.

Das gilt umsomehr, als viele Stifter zunehmend den Wunsch haben, sich mit einer eigenen Stiftung auch einen eigenen „Erben" zu schaffen. Der Trend hierzu ist ungebrochen – sei es, weil Stifter keine eigenen Abkömmlinge oder andere potenzielle Erben haben, sei es, weil die eigene potenziellen Erben für die Vermögensnachfolge nicht in Betracht kommen, etwa weil sie selbst über genug eigenes Vermögen verfügen und das Erbe des Stifters nicht benötigen, weil sie mit dem Stifter zerstritten sind, oder – und dieses Motiv wird an Bedeutung gewinnen – weil die potenziellen Erben als entfernte Verwandte eine so beträchtliche Erbschaftsteuer zahlen müssten, dass sich der Vermögensinhaber lieber für eine gemeinnützigeWidmung seines Vermögens oder von Teilen dessen entscheidet.

Aber auch bei den Stiftern, die sich für eine eigene Stiftungsgründung ohne große finanzielle Möglichkeiten entschließen und sich mit um so mehr persönlichem Einsatz um ihr (gemeinnütziges) Anliegen in ihrer Stiftung kümmern, Spenden sammeln und gezielt eigene gemeinnützige Projektarbeit gestalten, ist die Stiftungsgründung ein Schritt zur Vollendung und Sicherung ihres Lebenswerks, das hier vor allem durch den persönlichen Einsatz des Stifters geprägt ist.