Ein Hauch von Ewigkeit - Roman

von: Jacqueline Sheehan

Blanvalet, 2011

ISBN: 9783641045982 , 416 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 7,99 EUR

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Ein Hauch von Ewigkeit - Roman


 

# 27 # (S. 230-231)

Vor über einer Woche hatte Anna sich noch gefragt, ob ihre Familie und ihre Freunde sie wohl vergessen oder ihre ehemaligen Kommilitonen ihre Anrufe bei ihr eingestellt hatten. Hatte jemand Joseph und sie als vermisst gemeldet? Oder hatte man sie angezeigt, Joseph entführt zu haben, diesen nervenaufreibenden Minderjährigen? In den ersten paar Monaten, nachdem sie durch einen Abgrund in der Zeit gestürzt war – eine Rutschpartie, die sie im Jahr 1844 abgesetzt hatte –, da hatten diese Gedanken sie furchtbar belastet.

Doch jetzt wurden sie schwächer und erschienen weniger dringlich. Sie unterließ ihre Versuche, sich mit Quantenphysik und der Stringtheorie der Zeit zu beschäftigen. Offensichtlich hatte die Zeit ihre eigenen Gesetze, und nur weil sie diese nicht erklären konnte, war das noch kein Grund, sie zu leugnen. Anna sehnte sich nicht mehr danach, die exakte Formel herauszufinden. Wie sich herausstellte, hatte sie jede Menge anderer Sehnsüchte, die hochkochten und sich Bahn brachen, wogende primitive Begierden.

Aber nicht nach Formeln; stattdessen begehrte sie diesen Mann, der neben ihr auf der Sitzbank des Karrens saß und nachlässig mit den Zügeln knallte, mehr so etwas wie ein lederner Stups. Sie waren völlig aus dem Zeitplan geraten – nicht, dass Iren sich an irgendwelche Zeitpläne gehalten hätten –, allerdings waren sie mehrere Tage länger als geplant in dem Häuschen in Ardgroom geblieben. Doch das Schmuggelhandwerk musste sich nach den Routen der Schiffe richten, die ihrerseits der Willkür von Meer und Wind unterlagen.

Letztendlich wurden sie alle vom Meer geleitet. Und sie gehörte jetzt zu den Schmugglern. Anna definierte sich für gewöhnlich durch ihre Fähigkeit, Schmerz zu ertragen; wie sie wusste, war das die bestmögliche Eigenschaft für eine junge Anwältin in einer großen Kanzlei, die kurz vor einer Expansion stand. Während ihres ersten Jahrs hatte sie zufällig mitgehört, was einer der Partner über sie gesagt hatte. »Jede Firma hat ihr Arbeitstier, und unseres ist Anna.« Sie war zwar ein wenig pikiert darüber gewesen, mit einem animalischen Wesen in Verbindung gebracht zu werden, aber insgeheim war Anna stolz darauf gewesen und hatte noch härter gearbeitet.

Aus ihrer Siebzig-Stunden-Woche wurden unmerklich achtzig Stunden Anwesenheit. Irgendwann zwischen dem ersten und dem dritten Jahr hatte ihr Mann sich in eine Frau verliebt, die vollkommen zufrieden damit gewesen war, als leitende Rezeptionistin in einer Zahnklinik zu arbeiten; der Zahnklinik, in der Anna und Steve sich zweimal im Jahr die Zähne reinigen ließen und wo man Anna den Weisheitszahn gezogen hatte. Die Frau hieß Rita. Und Anna musste zugeben, dass Rita lebhaft, positiv eingestellt und attraktiv gewesen war und in der Lage, sich gelegentlich verletzlich und hilflos zu geben. Gerade genug, um Steves Aufmerksamkeit zu erwecken. Und zufällig ließ Rita sich scheiden und brauchte einen Anwalt.