Mission SOL 2: Die Althanos-Verschwörung

von: Bernd Perplies

Perry Rhodan digital, 2019

ISBN: 9783845353272 , 64 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

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Preis: 1,99 EUR

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Mission SOL 2: Die Althanos-Verschwörung


 

1.

Up, up and away!

 

Mit tosenden Strahltriebwerken stieg das gewaltige Kugelraumschiff, die SOL-Zelle 2, senkrecht in den Himmel, endlich befreit aus seiner steinernen Hülle, die sie viel zu lange umschlossen hatte.

In der Zentrale eilte Perry Rhodan von einer Kontrollkonsole zur nächsten. Ihm fehlte eine ausgebildete Mannschaft, und nach einer halben Ewigkeit ohne jede Wartung war das Schiff zudem keineswegs im Bestzustand. Die Positronik funktionierte nur rudimentär, deshalb musste sich Rhodan um zahlreiche Aufgaben persönlich kümmern.

Seine neue Bekanntschaft war ihm dabei eher ein Hindernis als eine Hilfe.

»Nicht wegfliegen!«, rief Mahlia Meyun. Die Heilerin hatte Rhodan nach seiner unfreiwilligen Ankunft im Tal der Gestrandeten gefunden, gesund gepflegt und bis zu diesem Punkt begleitet. »Wir müssen zurück und meinen Sohn finden! Er muss noch irgendwo dort unten sein!«

»Das hatten wir besprochen.« Rhodan blickte der jungen Frau mit dem dunklen, zum praktischen Pferdeschwanz gebundenen Haar streng in die grünbraunen Augen. »Wir kehren hierher zurück, sobald ich weiß, was das überhaupt für ein Ort ist und ob wir hier sicher sind.«

»Wir leben seit vielen Generationen in diesem Tal«, protestierte Meyun. »Es ist kein einfaches Leben, aber wir wurden noch nie angegriffen oder behelligt. Natürlich sind wir hier sicher.«

Rhodan schüttelte den Kopf, während er zur Ortungskontrolle eilte, um die Bilddaten der Außensensoren abzurufen. »Das Universum ist sehr viel größer als euer Tal, Mahlia. Und selbst diese Welt ist es. Ich brauche mehr Informationen, um entscheiden zu können, wie wir weiter vorgehen.«

»Aber ...«

Er schnitt ihren Einwand mit einer schroffen Geste ab. »Bitte, lass uns später streiten. Ich muss mich konzentrieren. Dieses Raumschiff ist nicht gerade für den Ein-Mann-Betrieb ausgelegt. Und du willst doch nicht, dass wir abstürzen, oder?«

Diese Gefahr war höchst unwahrscheinlich, aber seine Worte hatten die erwünschte Wirkung. Meyun verschränkte mit wütender Miene die Arme vor der Brust, sagte aber nichts mehr.

Rhodan richtete seine Aufmerksamkeit auf die Kursdaten und die Ortungsergebnisse. Sie waren bereits auf beinahe zwanzig Kilometer Höhe gestiegen. Die Daten, die ihm die astrometrischen Fernsensoren der SOL-Zelle 2 zuspielten, waren einzigartig.

»Also doch! Evolux!« Seine Ahnung hatte sich bestätigt. »Vier Sonnen der Spektralklasse F2, die ein Quadrat mit 6,9 Milliarden Kilometern Kantenlänge bilden ... ein Planet so groß wie ein Brauner Zwerg. Wenn wir weiter aufsteigen, werden wir noch vier andere Sonnen orten, die Eckpunkte eines gewaltigen Würfels. Die Weiße Welt. Das ist Evolux!«

»Du kennst diesen Planeten?«, fragte Elpin Vonnedal, der sich – ebenso wie die übrigen Aufständischen – in respektvollem Abstand am Eingang der Zentrale aufhielt.

»Ja«, bestätigte Rhodan. »Eine lange Geschichte. Um es kurz zu machen: Vor zweihundert Jahren tobte ein Krieg in meiner Heimat. Ich ...«

»Du bist zweihundert Jahre alt?«, entfuhr es Vonnedal.

»Noch viel längere Geschichte«, sagte Rhodan. »Und das spielt jetzt wirklich keine Rolle. Was ich sagen wollte: Ich brach zu einer Expedition auf, um ein Mittel zu finden, jenen Krieg zu beenden. Durch einen Unfall landeten wir auf Evolux. Viele, denen wir hier begegneten, wollten uns helfen, nach Hause zurückzukehren – nur leider nicht Dyramesch, der Herrscher. Er ließ uns gefangen nehmen. Wir haben ihn abgesetzt und eine gerechtere Regierung auf Evolux zurückgelassen.«

Vonnedal wagte sich näher. »Können wir es sehen?«, fragte er Rhodan.

»Was?«

»Unser Tal. Die Welt ringsum. Evolux.«

Rhodan zögerte nur kurz. »Natürlich.« Er änderte die bislang sehr schematische Anzeige im Holokubus in der Mitte der Raumschiffzentrale, sodass dieser ein Bild der Landschaft unter ihren Füßen präsentierte.

Staunend versammelten sich seine einheimischen Begleiter um das große Hologramm.

Das Tal, das ließ sich aus der Luft nun gut erkennen, lag in einem sehr kleinen Segment von etwa fünf mal zwanzig Kilometern, das von einem deutlich größeren Segment komplett umschlossen war.

»Das Tal ist so winzig und die Welt so groß«, murmelte Pravo Ylapp.

Der junge Mann mit dem jeder Individualität beraubten, wie zerschmolzen wirkenden Gesicht und den sanften, braunen Augen hatte zu den Bescheidenen Dienern Senns gehört, bis sein Weltbild durch Rhodans Ankunft erschüttert worden war. Er deutete auf die weithin leere Landschaft rund um den tiefen Bodeneinschnitt. Jenseits davon, in der Ferne am Horizont nur undeutlich zu erkennen, ragten Berge und hohe Türme auf.

»Die Oberfläche von Evolux ist riesig«, sagte Rhodan. »Über hunderttausend Völker leben auf diesem Planeten, der in Zigtausende einzelner Segmente unterteilt ist. Manche von ihnen sind so winzig wie euer Tal, andere groß wie Kontinente.«

»Aber warum leben sie alle hier?«, fragte Vonnedal.

»Sie bauen Raumschiffe für ...« Rhodan brach ab. »Noch eine lange Geschichte. Ich verspreche euch, dass ich alles erzählen werde – aber erst, wenn wir sicher sind, dass uns kein Ärger droht.«

»Und warum haben wir noch nie andere Bewohner getroffen?«, wollte Ylapp wissen.

»Das ist eine gute Frage, auf die auch ich gern eine Antwort hätte.«

Rhodan überprüfte erneut die Anzeigen der SZ-2, wie die Kurzbezeichnung für die SOL-Zelle 2 lautete, und dabei fiel ihm etwas auf.

Für gewöhnlich wurden die Segmente auf Evolux durch hyperphysikalische Trennfelder voneinander abgegrenzt. Das ermöglichte vollständig unterschiedliche Ökosysteme in unmittelbarer Nachbarschaft und stabilisierte zugleich die Planetenkruste. Obendrein reduzierte es die Oberflächenschwerkraft auf einen Wert ähnlich dem auf Terra. Andernfalls hätte die gewaltige, natürliche Gravitation des gigantischen Planeten längst sämtliches Leben darauf zerquetscht.

Wegen der Trennfelder konnten Raumschiffe zudem normalerweise nicht einfach von Segment zu Segment fliegen, sondern mussten hierzu spezielle Transmitter benutzen.

Im Fall des Tals der Gestrandeten schien jedoch nur ein leichter Prallschirm das Vermischen der Talatmosphäre mit der Umgebung zu verhindern. Einige Ortungsergebnisse deuteten darauf hin, dass dieses Energiefeld auch bestimmte Strahlungsfrequenzen absorbierte, insbesondere im Gammabereich mit Wellenlängen kürzer als fünf Pikometer. Feste Materie wie die SOL-Zelle 2 hingegen hätte problemlos hindurchfliegen können. Das deutete darauf hin, dass das kleine Talsegment in Wahrheit Teil eines größeren Planetensektors war.

Mittlerweile hatten sie eine Höhe von dreißig Kilometern erreicht. Noch hatte niemand auf Evolux auf den Start der SZ-2 reagiert, aber das musste nichts heißen. Sie waren erst wenige Sekunden in der Luft.

Falls die neuen Herrscher der Werftwelt jedoch entschieden, dass die SOL-Zelle dort bleiben sollte, wo sie mutmaßlich die vergangenen Jahrzehnte verbracht hatte, würden Rhodan und seine Gefährten bald Probleme bekommen.

Eine Flucht von Evolux war extrem schwierig. Diese Erfahrung hatte Rhodan schon mit der JULES VERNE vor zweihundert Jahren gemacht. Damals hatte es zweitausend Wachforts im Orbit um den Planeten gegeben, dazu kam die mobile Wachflotte der Yakonto, der Wächter und Lenker von Evolux, mit ihren dreihunderttausend Kampfschiffen.

Wenn man ihnen genug Zeit zum Reagieren gab, konnten die Herren der Weißen Welt jede Flucht eines einzelnen Schiffs also problemlos verhindern.

Meyun wandte sich von dem Bild im Holokubus ab. »Haben wir nicht schon genug gesehen? Nun wissen wir doch, wo wir sind. Wir können ins Tal zurückkehren.«

»Nein, tut mir leid, Mahlia«, lehnte Rhodan ab. »Wir haben dieses Raumschiff gestartet. Das wird jemandem bei den Herrschern dieser Welt aufgefallen sein. Erst wenn ich weiß, wie man auf uns reagiert, können wir weiterplanen.«

»Wie meinst du das?«, fragte Vonnedal.

»Nun, entweder ist man uns freundlich gesinnt, dann wird man uns demnächst anfunken und wir können danach beruhigt zum Tal zurückkehren. Oder man will uns festsetzen. Dann ...«

»... haben wir einen riesigen Fehler gemacht, indem wir den Verbotenen Tempel gestohlen haben?«, beendete Meyun den Satz für ihn.

»... ist das Rätsel um euch und dieses Tal noch interessanter geworden«, verbesserte sie Rhodan. »Außerdem sollten wir in dem Fall möglichst schnell von hier verschwinden, um uns an einem ruhigeren Ort eine Strategie auszudenken, wie wir dieses Rätsel lösen.«

Wozu im Übrigen auch die Frage gehörte, wohin der Mittelteil der SOL verschwunden war, den er nicht im Tal vorgefunden hatte. Aber das sagte Perry Rhodan nicht laut. Seine Begleiter waren von all dem schon genug überfordert.

 

*

 

Sie erreichten eine Höhe von fünfundvierzig Kilometern und damit den oberen Rand sowohl der Trennfelder als auch des hiesigen Prallschirms. Nun wurde es interessant.

Rhodan erhöhte die Geschwindigkeit der SZ-2.

Im nächsten Augenblick wurden alle von den Beinen gerissen. Die Beschleunigungskraft des Raumschiffs schlug mit unerbittlicher Gewalt zu. Rhodans Begleiter schrien entsetzt auf, als sie hart auf dem Boden der Zentrale aufprallten, jeder plötzlich ein Vielfaches so schwer wie normalerweise.

»Was ... ist ... das?«, rief Meyun gepresst. Sie lag flach auf dem Bauch und hatte erkennbar Schwierigkeiten, sich zu bewegen.

Rhodan erging es nicht anders. Und der Andruck wurde mit jeder Sekunde stärker!

Seine Gedanken überschlugen sich. Eine...