Long Night - Ich will nur dich!

von: Lauren Blakely

MIRA Taschenbuch, 2019

ISBN: 9783745750232 , 304 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 8,99 EUR

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Long Night - Ich will nur dich!


 

1. Kapitel

Autos sind wie Eiscreme.

Es gibt für jeden eine passende Geschmacksrichtung.

Einige Autoenthusiasten stehen auf Vanille. Für sie ist ein schlichter Sportwagen genau das Richtige.

Andere wollen einen Eisbecher mit allem Drum und Dran. Auf ihr Auto bezogen, bedeutet das: abgefahrene Lackierung, spezielle Felgen und eine Soundanlage, die Ausschläge auf der Richterskala verursacht.

Dann gibt es die gediegenen Autokenner, die zu dunklem italienischen Schokoeis neigen und großes Geld hinblättern für einen edlen Aston Martin, der auf dem Highway alles und jeden hinter sich lässt.

Ab und zu aber begegnet man jemandem, der nicht weiß, was er will, und deshalb ein Eis mit bunten Streuseln, Bananenstückchen, gehackten Nüssen und einer Kirsche obendrauf bestellt. Wie der Mann, mit dem ich mich gerade auf der Custom Car Show vor den Toren Manhattans unterhalte.

Der bebrillte Mann – um die dreißig, maßgeschneiderte Slacks, weißes Button-down-Hemd – streicht sich über das Kinn, dann fragt er mich mit weicher kultivierter Stimme: »Können Sie jedes Auto mit einer Panzerung versehen?«

Er deutet auf einen smaragdgrünen, komplett modifizierten Sportwagen, der auf der Bühnenmitte steht.

»Gepanzerte Wagen gehören zu meinen Spezialitäten«, entgegne ich, denn im Auftrag einiger gut betuchter Survival-Typen habe ich tatsächlich mehrere Monsterautos designt, die selbst eine Zombie-Apokalypse überstehen würden.

Er zieht eine Braue hoch. »Kann man da trotzdem auch schnittige Heckflossen hinzufügen?«

Ah, Heckflossen. Ich ahne, worauf er hinauswill; ihm geht es nicht um das Reich der Untoten. »Das bekomme ich hin, sicher.«

»Und könnte man den Wagen auch tieferlegen und auf Sprachbefehle reagieren lassen?«

Ich unterdrücke ein Lachen, denn jetzt weiß ich endgültig, worauf er aus ist, und ich stehe auf den Enthusiasmus von Neueinsteigern. »Überhaupt kein Problem. Ich nehme an, der Wagen soll schwarz sein?«

Seine blauen Augen erstrahlen. »Ja. Schwarz wäre perfekt.«

Für das Batmobil. Denn genau das hat der Typ eben beschrieben. Ich habe nichts gegen ihn oder den Wagen. Ganz und gar nicht. Das Batmobil steht auch bei mir ganz oben auf meiner persönlichen Favoritenliste. Welcher anständige Autofreak würde nicht gern mit einem aufgemotzten Superheldenfahrzeug durch die Stadt brettern?

Der Typ hier ist allerdings noch lange nicht fertig, sondern löchert mich mit weiteren Fragen. »Könnten Sie theoretisch einen Wagen bauen, der extrem weite Sprünge zustande bringt?«

Ich muss kein Hellseher sein, um zu wissen, worauf die Sache letztlich hinauslaufen wird. »Sollte vielleicht auch eine kleine Melodie erklingen, wenn Sie die Hupe betätigen?«

Seine Augen blitzen. »Oh, das wäre wirklich eine tolle Zusatzfunktion.«

Ich weiß nicht, warum ich plötzlich auf die Idee komme. Könnte es daran liegen, dass ich über ein nahezu enzyklopädisches Fachwissen über General Lee in Ein Duke kommt selten allein verfüge?

Der Kerl bezieht sich offenbar auf die coolsten Kino- und Fernsehautos, die es je gegeben hat. Und wisst ihr was? Daran ist wirklich nicht das Geringste auszusetzen. Echt jetzt. So ist es eben. Vielleicht bittet er mich gleich, ihm einen sprechenden VW Käfer zu bauen. Darum bettelt meine Schwester mich seit Jahren an, und falls ich je herausfinden sollte, wie ich das hinbekomme, kriegt sie das Auto sofort.

»Was ist mit Flügeltüren?«, fragt er mich.

»Wie beim DeLorean?«

Er nickt aufgeregt. »Den finde ich total klasse.«

»Da haben wir etwas gemeinsam. Ist mein Traumauto. Genau genommen bin ich vor allem wegen des DeLoreans in diesem Gewerbe tätig.«

»Sind Sie auch ein Zurück in die Zukunft-Fan?«

Ich hebe eine Hand zum Faustcheck. »Na sicher.«

»Wäre es dann vielleicht auch möglich, einen Fluxkompensator einzubauen?«

»Überhaupt kein Problem. Und ich verspreche Ihnen, wenn Sie voll aufs Gas steigen, sind Sie sofort bei 1,21 Gigawatt Motorleistung«, sage ich, und während wir lachen, umgibt uns das Klacken unzähliger Stöckelschuhe auf dem Asphalt. Auf dieser Autoshow wimmelt es von High Heels tragenden Frauen, die an den Ständen Broschüren verteilen, neben den Fahrzeugen posieren oder sich auf der Motorhaube rekeln. Daran habe ich nichts auszusetzen. Wirklich, ich kann echt nicht behaupten, dass ich mit dieser Zurschaustellung von Frischfleisch irgendein Problem hätte.

Autos und Weiber – mehr brauche ich nicht für mein leibliches Wohl.

Aber im Moment ist nicht der richtige Zeitpunkt, um die Lage zu sondieren. Das Geschäft hat immer Vorrang. Ich reiche dem Zurück in die Zukunft-Fan die Hand. »Ich bin Max Summers von Summers Custom Autos.«

Er schüttelt mir die Hand. »David Winters. Und vielleicht wird es Sie schockieren, aber ich muss gestehen, dass ich keinen blassen Schimmer von Autos habe.«

»Dafür weiß ich umso mehr. Ist also kein Problem.«

Er lächelt und zuckt verlegen mit den Schultern. »Ausgezeichnet. Ich suche einen Autobauer, der herausragende Arbeit leistet. Zum Beispiel so was da. Der ist von Ihnen, nehme ich an?«, fragt er und deutet auf die grüne Schönheit, die ich zur Show mitgebracht habe. Ich bin mit einem Kunden hier. Den Wagen habe ich für Wagner Boost modifiziert, einen NFL-Lineman, der gerade irgendwo in der Nähe ist und Autogramme gibt. Wagner ist ein Tier. Bei einer Größe von zweimeterfünf und einem Gewicht von hundertachtundfünfzig Kilo – das ist sein Morgengewicht, nach eigener Aussage wiegt er nach dem Frühstück noch mal zehn Kilo mehr – brauchte er ein Auto, das zu seiner Statur passt. Ich habe es ihm gebaut, und er gibt gern damit an.

»Ich sag Ihnen was«, erkläre ich und klopfe auf die Motorhaube von Wagners Lieblingsspielzeug. »Egal, was für einen Wagen Sie sich erträumen, ich kann ihn fast mit Sicherheit bauen. Wenn Sie spezielle Reifen möchten oder einen neuen Motor und eine besondere Polsterung, dann erledige ich das für Sie. Wenn Sie besondere Teile eines futuristischen Roadster-Prototyps möchten, den Sie in einem Film gesehen haben, werde ich Ihnen etwas Entsprechendes bauen. Ich liefere Ihnen Ihren Traum, denn genau das ist mein Job.«

Das Klacken von Stilettos klingt jetzt näher, als würde jemand auf uns zukommen, während David zur nächsten Frage ansetzt. »Können Sie …«

Eine Frauenstimme unterbricht ihn. »Kannst du einen geilen Tiger auf den Wagenschlag malen?«

Das. Darf. Doch. Nicht. Wahr. Sein.

Diese Stimme. Dieses sexy Schnurren. Wie Honig, wie Whisky. Wie ein versauter Traum.

Alles in mir kommt zum Stillstand. Ich habe diese Stimme seit Jahren nicht mehr gehört. Ich muss mich nicht mal umdrehen, denn noch zwei klackende Schritte, dann steht die Frau auch schon vor mir. Sie sieht schärfer denn je aus. Genauer gesagt, scharf wie noch nie.

Langes braunes Haar. Dunkle Schokoaugen. Ewig lange Beine.

Henley Rose Marlowe.

Ich fasse es nicht.

Sie ist es wirklich.

Die Frau, die mich in den Wahnsinn trieb.

Sprachlos starre ich sie an, denn sie ist jetzt keine einundzwanzig mehr. Sie ist fünf Jahre älter und fünfundzwanzig Mal attraktiver. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber es stimmt.

Aber ich werde mir keinen potenziellen Deal durch die Lappen gehen lassen. Ich habe nie zugelassen, dass Frauen mir bei der Arbeit in die Quere kommen, besonders nicht eine, die mich mitten im Kundengespräch mit einer bescheuerten Tiger-Bemerkung stört.

Ich rette die Situation, indem ich auf die Unterbrechung eingehe.

»Der Tiger könnte sogar brüllen«, schlage ich vor, als ob Henley nur eine beliebige Autoliebhaberin wäre, die ein bisschen plaudern möchte, und nicht die Frau, die eine ganze Weile in meiner Werkstatt an Autos herumgeschraubt hat.

»Vielleicht könnte er sogar Feuer speien«, gibt Henley augenklimpernd zum Besten, sichtlich erfreut über unseren kleinen Wortwechsel.

Jetzt steigt auch David in die Action ein und stößt ein leises Brüllen aus – Ruahhh – und hebt die Hände, als wären sie Pranken.

Henley wirft ihm das sexyste Lächeln zu, das ich je gesehen habe, und in weniger als einer Sekunde erwacht in mir der feuerspeiende Tiger. Denn ich bin eifersüchtig wie sonst was. Ohne jeden Grund.

David erwidert ihr Lächeln.

Okay, vielleicht ist das der Grund.

Doch meine Reaktion ist inakzeptabel. Ich schüttele die nutzlose Emotion ab, während David sagt: »Das ist es! Ich habe offiziell beschlossen, dass ich einen Tiger auf der Tür eines DeLorean möchte. Und der soll grün sein, die Farbe des Geldes.«

Japp, er ist definitiv der Bunte-Streusel-Typ, und genau darauf konzentriere ich mich, nicht auf die flirtenden Blicke zwischen dem Mann und der Frau, die nie meine war, nicht mal für eine einzige Nacht.

»Sie können den Wagen in Dunkellila haben, in Smaragdgrün, in Saphirblau, ganz wie Sie möchten«, sage ich zu ihm. »Meinetwegen auch mit einer Flagge auf der Motorhaube, einem Nadelstreifen an der Tür und dem griffigsten Schaltknüppel, den Sie je in der Hand gehalten haben.«

»Dunkellila und der griffigste Schaltknüppel, den es gibt? Genauso machen wir es!« Er schüttelt mir kurz die Hand. »Ich melde mich bei Ihnen.« Er geht einen Schritt, bleibt dann aber wieder stehen. »Oder ist...