Entspanne dich mit Gott - Eine vernachlässigte geistliche Disziplin

Entspanne dich mit Gott - Eine vernachlässigte geistliche Disziplin

von: Andrew Farley

Grace today Verlag, 2018

ISBN: 9783959330534 , 188 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 9,99 EUR

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Entspanne dich mit Gott - Eine vernachlässigte geistliche Disziplin


 

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MEIN PERSÖNLICHES VICTORIA SECRET

Ich wäre definitiv ins Gefängnis gekommen. Man steht nicht einfach aus dem Publikum auf und stoppt einen Saturday-Night-Live-Star bei seinem Comedyprogramm, ohne ungeschoren davonzukommen. Und vor allem nicht mit dem, was ich zu sagen vorhatte!

Ich hatte eine Botschaft von Gott erhalten. Meine Aufgabe war es, das Programm von Victoria Jackson zu unterbrechen und an jenem Abend mehr als eintausend Studenten der Furman University das Evangelium zu predigen. Am Ende sollte ich sie dann zu einem Gebet der Lebensübergabe leiten.

Ich saß in meiner Wohnung, nur wenige Kilometer entfernt, und quälte mich mit dem Aufruf zum Handeln. Das war die jüngste in einer Reihe von Forderungen, die Gott – so dachte ich zumindest – an mich gestellt hatte.

Bisher hatte ich jede einzelne befolgt.

Sündenbekenntnis am Lagerfeuer

Alles begann mit meiner christlichen Schulbildung. Dreizehn Jahre lang ging ich jede Woche in die Kirche. Und während meiner Highschool-Zeit hörten wir jede Woche dasselbe. Auch wenn die Predigt anfangs neu und frisch wirkte, kam sie irgendwie jedes Mal wieder auf denselben Punkt zurück.

Nach ungefähr den ersten zwei Dritteln sagte uns der Prediger immer, wir sollen uns Gott neu hingeben, uns mehr anstrengen und mehr tun als bisher. Manchmal bedeutete das, vor der gesamten Schule nach vorne zu kommen und »Farbe zu bekennen«. Ein andermal bedeutete es, auf die Knie zu gehen.

Wenn wir mit der Schule wegfuhren, gab es immer ein feierliches Lagerfeuer. Einige von uns bekannten ihre Sünden laut, schrieben sie dann auf, warfen das Papier ins Feuer und sahen zu, wie es verbrannte. Ganz egal, welche Form diese Läuterung auch annahm, sie endete in jedem Fall peinlich, manchmal sogar mit heftigen Tränenausbrüchen.

Manche bekannten ihre Liebe zur Rockmusik, während andere zugaben, dass sie schon eine Weile keine Stille Zeit mehr gemacht hatten. Wieder andere gestanden ihren fehlenden Mut, Christus zu bekennen, wenn sie eine Gelegenheit ungenutzt verstreichen hatten lassen.

Die Sprecher hatten anscheinend immer Gefallen daran, uns zu diesen Bekenntnissen anzustacheln. Vermutlich fühlten sie sich von Gott dazu berufen, unsere Sünden ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

»Das war ja so toll für die Kinder! Wir müssen diesen Sprecher nächstes Jahr unbedingt wieder einladen«, hörten wir die Lehrer flüstern.

Hosenbeine

Jahr um Jahr hielten diese Ereignisse einen emotionalen Kreislauf am Leben: Hingabe, Anstrengung, Versagen, Sich-schrecklich-Fühlen, dann wieder Bekennen und erneute Hingabe und noch mehr Anstrengung, nur um zu sehen, wie unsere Hoffnung auf Erneuerung schon wieder zerschmettert wurde. Alles sah so geistlich aus, doch es bereitete mich auf das vor, was noch kommen sollte.

In der Highschool nahm ich das Christsein nicht allzu ernst, denn es schien mir zu viele Opfer in Bezug auf Spaß zu bedeuten. In unserer Schule war man ein guter Christ, wenn die Haare über den Ohren kurz geschnitten und die Hosenbeine nicht hochgekrempelt waren. Denn genau das war es, was die Welt in den 1980er-Jahren tat: Hosenbeine hochkrempeln. Und gute Christen wollten ja nicht von dieser Welt sein.

Doch das äußere Erscheinungsbild war nur der Anfang. Es folgte Regel auf Regel und in mir entstand der Eindruck, dass man beim Christsein alles geben musste, sonst würde es knapp werden. Es war sinnlos, sich irgendwo in der Mitte zu bewegen. Darum ignorierte ich den Großteil des Verhaltensverbesserungsprogramms. Ich wollte mich auf der Highschool amüsieren, darum unterdrückte ich mein Schamgefühl.

Die Sucht

Als ich aufs College ging, beschloss ich, dass ich die Nase voll davon hatte, das schwarze Schaf in Gottes Familie zu sein. Es war höchste Zeit, meinen Glauben endlich ernst zu nehmen. Angesichts dessen, was ich zu hören bekommen hatte, bedeutete das hauptsächlich zwei Dinge: die Bibel lesen und Zeugnis geben. Also fing ich damit an und tat es mehr als jeder andere, dem ich je begegnet bin.

Ich begann damit, auf dem Campus Bibelunterricht zu geben. Dann ging ich dazu über, ehrenamtlich in einem Resozialisierungszentrum für ehemalige Straftäter mitzuarbeiten, wo ich den Ex-Sträflingen Zeugnis gab und ihnen den Weg zum Heil zeigte. Dann ging ich für ein Auslandssemester nach Griechenland und Italien. Dort begann ich damit, auf der Straße zu evangelisieren. Ich schwänzte meinen Unterricht, um mehr Zeit auf der Straße zu verbringen und die Menschen zur Rede zu stellen und ihre Seelen zu retten. Ja, meine Noten litten darunter, aber im Namen Jesu.

In Europa fasste die Sucht richtig Fuß. Und bei meiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten wurde es noch schlimmer. Ich predigte Christus in Gefängniszellen, in Flugzeugen und sogar während meiner Seminare an der Uni. Ich missionierte beim Training während der Sportseminare. Und in den Sprechkundeseminaren hielt ich benotete Vorträge darüber, wie man errettet wird.

Für den ersten Vortrag erhielt ich eine Drei, und von da an ging es nur noch bergab. Wir sollten während des Semesters verschiedene Vorträge halten – dazu gehörten eine Überzeugungsrede und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Also versuchte ich, meine Kurskameraden davon zu überzeugen, sich erretten zu lassen, und dann später im Semester zeigte ich ihnen Schritt für Schritt, wie sie errettet werden können. Sie sollten immer wieder dasselbe hören, bis sie es endlich verstünden.

Ob sie wollten oder nicht.

Von Tür zu Tür

Wenn ich zu meinen Eltern nach Virginia fuhr, ging ich in der Nachbarschaft von Tür zu Tür und gab Zeugnis. Meine Eltern gingen jeden Tag zur Arbeit, und das tat auch ich. Immerhin war ich getrieben. Ich dachte, ich würde für den Herrn arbeiten. Also hörte ich nicht mehr auf. Oder ich konnte nicht mehr aufhören. Oder vielleicht war es auch beides.

Ja, es gab Leute, die sich entschieden, an Jesus zu glauben. Aber ich bin mir bis heute nicht sicher, ob sie wirklich verstanden, wofür sie sich da entschieden. Und ob Gott wirklich irgendetwas davon benutzt hat, kann ich nicht sagen. Aber eins weiß ich sicher – wenn ich jetzt zurückblicke, kann ich deutlich sehen, dass es mir dabei nur um mich ging. Es ging mir nur um mein eigenes Wohlbefinden. Es ging mir nur darum, dass ich Erleichterung von meiner Schuld und Scham fand und alles tat, was nötig war, um Gott zu gefallen und ihn dazu zu bringen, mich wieder zu mögen. Zumindest bis der nächste Reifen kam, durch den ich springen musste.

Und die nächste Herausforderung war immer ein bisschen größer als die vorherige.

Im Town and Country

»Junge, steig ins Auto und fahr weg, so schnell du kannst! Der Restaurantbesitzer hat wegen dir die Polizei gerufen«, sagte mein Vater mit einem besorgten Ausdruck auf seinem Gesicht, wie ich ihn so noch nie bei ihm gesehen hatte.

Wir hatten zusammen im Town-and-Country-Restaurant in New Baltimore, Virginia, gefrühstückt. Es geschah nicht allzu oft, dass ich in den Genuss eines netten Frühstücks mit meinem Vater kam, vor allem nicht, seit ich weggezogen war, um aufs College zu gehen. Aber an jenem Morgen verdarb ich ihm das Frühstück, weil ich aufstand und anfing zu predigen. Na klar, dem ganzen Restaurant. Als ich zum Entscheidungsaufruf kam, sagte eine Frau, sie wäre daran interessiert, Christus anzunehmen. Also setzte ich mich zu ihr an ihren Tisch und betete mit ihr, während der Geschäftsführer die Polizei rief.

Seltsamerweise ist daraus vielleicht wirklich etwas Gutes entstanden. Aber ich hatte definitiv Unruhe gestiftet. Und der Restaurantbesitzer war darüber nicht erfreut.

Die Polizeiwache war nicht allzu weit entfernt, ich hatte also nicht viel Zeit. Mein Vater stand auf, um mit dem Besitzer zu reden und die Wogen zu glätten. Ich stürzte aus der Tür und entkam, um Gott noch einen weiteren Tag zu dienen.

Im Comfort Inn

Während meiner Zeit zu Hause in Virginia begann ich, in einem Comfort-Inn-Hotel in Chantilly zu arbeiten. Ich sollte den Rasen mähen, den Pool reinigen und bei allgemeinen Wartungsarbeiten mithelfen. Obwohl ich das Geld wirklich brauchte, war das Problem, dass ich scheinbar den ganzen Tag damit beschäftigt war, Menschen zu retten.

Eine Fluggesellschaft hielt ein Weiterbildungsseminar für Flugbegleiter im Konferenzraum des Hotels ab. Ich hatte bis zu jenem Zeitpunkt schon vielen Menschen in diesem Hotel das Evangelium persönlich gepredigt, in Einzelgesprächen. Aber das war meine Chance, viele Menschen auf einmal zu erreichen. Also stürmte ich ohne Zögern in den Raum, unterbrach den Sprecher mitten im Satz und begann, dem Raum voller Flugbegleiter lautstark das Evangelium zu verkünden.

Ich konnte ungefähr fünfzehn Sätze herausbringen – die Grundlagen, du weißt schon –, ohne Atem zu holen. Dann leitete ich sie zu einem Gebet der Lebensübergabe. Als ich »Amen« sagte und meine Augen öffnete, sagte der Seminarleiter, ich solle später wiederkommen, falls ich noch mehr zu sagen hätte. Er kündigte an, dass jeder, der mehr hören wolle, während der Mittagspause bleiben könne.

Als ich in der Pause zurückkehrte, wartete eine Frau auf mich. Sie sagte, sie sei schon Christ, aber sie bewundere meinen Mut. Sie sagte, sie wünschte, sie könnte so sein wie ich.

Wenn sie nur gewusst hätte …

Das war mein letzter Arbeitstag im Comfort Inn. Ja, sie haben mich gefeuert. Ich vermute mal, ich war beim Poolreinigen nicht so gut...