Ungelebte Unterwerfung - Ein autobiografischer BDSM-Roman (SM / Fetisch)

von: Siri S

Schwarze-Zeilen Verlag, 2018

ISBN: 9783945967485 , 189 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

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Preis: 8,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Ungelebte Unterwerfung - Ein autobiografischer BDSM-Roman (SM / Fetisch)


 

»Liebe Siri, das war ein ausgesprochen schöner Abend mit Dir, vielen Dank dafür. Hier nun meine Adresse und sicherheitshalber und weil ich finde, dass Du sie haben solltest, meine Telefonnummer. Und es ist schön, Dich am Sonntag schon wiederzusehen, mach mal schönes Wetter! Das wirst Du doch wohl hinkriegen! Schlaf gut und liebe Grüße Campino« Kein Master, kein gestelztes Benehmen, einfach Campino. Jedes unserer Treffen war einfach entspannt, wir konnten lachen und stundenlang plaudern, kannten wir beide doch überall die gleichen Leute und wussten, wovon der andere sprach. Es lästerte sich hervorragend mit ihm und ich war nicht wenig erstaunt, wie gut er doch bescheid wusste und das, obwohl er kaum in der Öffentlichkeit unterwegs war. Der Buschfunk funktionierte eben. Natürlich redeten wir auch viel über uns, was wir wollten, was wir von uns und anderen erwarteten. Auch unsere Wünsche und Träume kamen dabei nicht zu kurz und so waren die Sonntage bald ein fester Bestandteil meines Lebens. Wir trafen uns und schlenderten über Trödelmärkte, am Ufer der Spree entlang, machten Radtouren oder gingen Eis essen. Ich mochte ihn und seine Art. Er war offen und direkt und hielt natürlich auch nicht lange damit hinterm Berg, dass er mich gern in seinem Keller haben würde. Er lebte in einem Haus am Rande Berlins, das Dachgeschoß war sein Wohnbereich, ebenerdig seine Firma und der Keller war zu einem regelrechten Folterraum ausgebaut, in dem sich einem schon beim Betreten die Nackenhaare kräuselten. Es fehlte an nichts, man fand dort alles, was das Herz begehrte, ein Traum für jeden SMler. Und nun war es wieder einmal an mir mich zu entscheiden, wollte ich mich auf ihn einlassen? Rein optisch war er nicht gerade der Mann meiner Träume, aber er ruhte in sich und war ein Gentleman durch und durch. Ich wusste, dass sich Liebe aus sehr vielem entwickeln kann. Intelligenz gehört dazu und davon hatte er genug und er erinnerte mich sehr an meine Exchef Dirk. SM-Erfahrungen hatte er schon über 15 Jahre als Filmemacher und privat, seitdem er denken konnte. Aber genau deshalb hatte ich auch einen riesigen Respekt vor ihm. War ich dem gewachsen? Aber er betonte immer wieder, dass er sich zwar eine Beziehung ohne SM nicht vorstellen könne, aber dieser Aspekt zweitrangig wäre, da man sich ja mit einander entwickeln würde und die menschlichen Dinge doch im Vordergrund stehen würden. Ich haderte mit mir und entschied mich letztendlich dafür mich darauf einzulassen. Denn ich vertraute ihm, dass er wegen seiner Erfahrung genau wusste, worauf er sich einließ. ... Ich betrat also erstmals seinen Keller in dem Bewusstsein, dass ich ihn nicht nur besichtigen würde. Meine Nackenhaare stellten sich auf und trotz meiner jahrelangen Erfahrung fühlte ich mich unsicher. Es war als wenn ich zu einem Vorstellungsgespräch geladen war und nun meine Qualitäten vorweisen sollte. Er spielte auf mir wie auf einem Instrument, probierte alle Saiten und testete, ob sie gestimmt waren. Er war halt Profi und wollte schauen, was er sich da an Land gezogen hatte. Auch ließ er mich unverblümt wissen, dass ich mich sofort anziehen und nach Hause gehen könne, wenn ich die 100 Schläge mit dem Rohrstock nicht aushalten würde. Ich biss also die Zähne zusammen und hielt durch, denn jeder Schlag saß und war stärker, als ich es jemals zuvor erlebt hatte. Von Geilheit war ich weit entfernt, jedenfalls der im Kopf, mein Körper genoss das trotzdem auf wundersame Weise. Und wohl genau deshalb hatte ich wohl alle Prüfungen bestanden, denn Campino war begeistert und lobte mich. Ich fühlte in mich hinein, aber da war nichts, keinerlei Emotionen, alles lief irgendwie mechanisch ab, sowohl bei ihm als auch bei mir. Aber war es nicht genau das, was ich wollte? Emotionen konnten nur verletzt werden, die Wunden heilten schwer und vernarbten nur. Der Körper zeigte jedoch eine andere Wirkung, hielt da einfach viel mehr aus und strotzte vor Geilheit. Es war eine völlig neue Erfahrung für mich. Allerdings bewirkte auch genau diese, seine Art bei mir, ihm zu beweisen das ich meinem, mir anscheinend vorausgeeilten, Ruf gerecht wurde. Ich weiß nicht wie er dazu kam, denn ich hatte in den letzten Jahren nur ein paar mal in der Öffentlichkeit gespielt, aber er wusste wie von anderen eben auch, so einiges von mir. So eben auch, dass ich wohl eine Menge aushielt und ziemlich hart im Nehmen war. Wenn er mir das nicht gesagt hätte, hätte ich es nicht einmal gewusst. Ich beurteilte noch nie nach höher - schneller - weiter, sondern danach wie es sich anfühlte. Dann wiederum genoss ich seine kleinen Aufmerksamkeiten sehr, er umgarnte und umwarb mich, wo er nur konnte. Außerhalb seines Kellers war er sehr charmant und weltgewandt und wusste, was Frauen wollten. So ließ ich mich gern auf seine Schmeicheleien ein. Auch alberten wir sehr viel herum, beinahe kindisch, aber auch sehr belustigend. Nur in seinem Keller war er dann der Master Campino, den er auch in seinen Filmen darstellte und über den er sich ansonsten auch gerne lustig machte. Mir waren diese Diskrepanzen sehr suspekt. Denn mir viel es schwer, lachend in den Keller zu gehen und sobald sich die Tür hinter mir schloss ergeben vor ihm zu knien und still zu halten, bei dem, was er mit mir tat. Es dauerte auch nicht lange und er bemängelte mein Verhalten. Ich zeigte mich nicht dankbar genug. Wo er sich doch mir widmete und mir seine Zeit opferte, so könne ich das doch auch gebührend würdigen. Auch hatte ich von mal zu mal mehr Schwierigkeiten, meine Geilheit nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit dem Kopf in Einklang zu bekommen. Mir fehlte einfach Dominanz. Mein Körper konnte einfach viel mehr vertragen, wenn er wusste wofür. Sicher, ich sollte das für ihn, Master Campino ertragen. Aber er wollte, dass ich es nicht nur ertrug, sondern Spaß daran hatte. Er war Sadist, er hatte Freude daran anderen Schmerzen zuzufügen und wollte, dass das Gegenüber genauso Freude daran hatte und es auch zeigte. Ich versuchte ihm auch zu erklären, was D/S für mich bedeutete und wie wichtig es für mich war auf eine Session vorbereitet zu werden, aber wie erklärt man einem Blinden das Sehen?