Verfallen - Thriller

von: Esther Verhoef

btb, 2011

ISBN: 9783641061968 , 320 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 8,99 EUR

  • Leben nach dem Tod - Warum es nicht irrational, sondern logisch ist, an das Jenseits zu glauben
    Ist Gott käuflich? - Die Rede vom Opfertod Jesu auf dem Prüfstand
    Freiheit im Haus des Herrn - Vom Ende der klerikalen Weltkirche
    Honor Harrington: An Bord der Hexapuma - Bd. 20. Roman
    Band 2 - Ach, wär ich nur zu Hause geblieben - Lustige Urlaubsgeschichten
    Emilys Sehnsucht - Roman
  • Band 3 - Ach, wär ich nur zu Hause geblieben - Lustige Urlaubsgeschichten
    Menschenhafen - Thriller
    Unter feindlicher Flagge

     

     

     

     

     

     

 

Mehr zum Inhalt

Verfallen - Thriller


 

"18 (S. 80-81)

Vom Studium her erinnere ich mich, dass fast jedes kleine Dorf in Frankreich seine eigene Polizeidienststelle hat, bei der sich die Bewohner jederzeit melden können. Bis 1993 war das in den Niederlanden ebenso. Danach wurden diese vielen kleinen Dienststellen ein Opfer von Sparmaßnahmen. Sie mussten schließen, und das Erstatten einer einfachen Anzeige wurde zu einer schier unmöglichen Mission.

Zwischen dem ehemaligen niederländischen und dem französischen System besteht jedoch ein eklatanter Unterschied: In den Städten ist in Frankreich die Police Nationale zuständig, die Landespolizei, während auf dem Land und in kleinen Orten die Gendarmerie Nationale das Sagen hat. Dabei handelt es sich streng genommen nicht um eine Polizeibehörde, sondern um eine militärische Organisation, die in den dünn besiedelten Gebieten die Aufgaben der Polizei wahrnimmt.

Die Dienststelle, an die ich mich wenden muss, liegt in einer Seitenstraße, die von der Hauptstraße abzweigt. Das Gebäude sieht aus wie alle anderen im Dorfkern: beige verputzt, mit Holzfensterläden, von denen die Farbe größtenteils abgeblättert ist. Die Tür knarrt laut, als ich sie öffne. Sie fungiert als Zeitmaschine: Das Innere scheint sich seit neunzehnhundertsechzig, möglicherweise auch noch länger, kaum verändert zu haben. Dieser Eindruck wird von der Reihe der Kunstlederstühle an der Wand, der Holzvertäfelung und den abgetretenen Teppichen auf dem Boden noch verstärkt. Hier riecht es sogar nach früher. Einige schief gewachsene Zimmerpflanzen tragen zusätzlich zu dem Gefühl bei, eine Privatwohnung und keine Behörde zu betreten.

Ein Schalter oder eine Anmeldung ist nirgends zu sehen. Links vom Eingang steht eine Tür offen. Sie führt in ein moderneres, hell erleuchtetes Büro, in dem eine Beamtin in Uniform arbeitet. Sobald sie mich entdeckt, schiebt sie ihren Stuhl zurück, steht auf und kommt auf mich zu. Ihr Händedruck ist fest. »Was kann ich für Sie tun?« »Ich möchte einen Hauseinbruch anzeigen.« Sie zeigt auf einen der Stühle. »Wenn Sie hier kurz warten würden? Ich hole einen Kollegen.«

Ich nehme Platz und fange an, an meinen Händen zu pulen. Ich habe Holzsplitter in den Fingerkuppen von den Brettern und Paneelen, mit denen ich die Hintertür provisorisch repariert habe. Das von Staub und Spinnweben bedeckte Holz habe ich in der Scheune gefunden, im Hangar stand eine Werkzeugkiste mit einem Hammer und Nägeln, so lang wie mein kleiner Finger. Nachdem ich die Tür mit Brettern vernagelt hatte, fegte ich die Glasscherben zusammen.

Die Küche war übersät damit, und Bruchstücke der Scheibe waren bis ins Wohnzimmer geflogen. Einen Stein oder einen anderen schweren Gegenstand habe ich nirgendwo gefunden. Erst nachdem ich alles saubergemacht hatte, wurde mir klar, dass ich besser damit gewartet hätte. Vor lauter Anspannung habe ich alle Beweise vernichtet. Weiter hinten im Flur geht eine Tür auf, aus der ein erschöpft wirkender Polizist tritt. Ich schätze ihn auf Ende dreißig, Anfang vierzig."