Liebst du mich wirklich, Raoul?

Liebst du mich wirklich, Raoul?

von: Sara Craven

CORA Verlag, 2010

ISBN: 9783942031783 , 144 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

Windows PC,Mac OSX für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 2,49 EUR

  • Religionsdidaktik kompakt - Für Studium, Prüfung und Beruf
    Schrift-Stücke - Biblische Miniaturen
    Wie man einen Prinzen heiratet - Roman
    Amy & Isabelle - Roman
    Erwacht
    Ich sehe dich - Thriller
  • Im Rausch der Dunkelheit - Guardians of Eternity 5 Roman
    Lasst eure Kinder in Ruhe! - Gegen den Förderwahn in der Erziehung

     

     

     

     

     

     

     

 

Mehr zum Inhalt

Liebst du mich wirklich, Raoul?


 

1. KAPITEL

Während der Zug aus London den Tamar überquerte, spürte Rhianna, wie sich das unangenehme Kribbeln in ihrem Bauch in handfeste Panik verwandelte.

Ich sollte das nicht tun, dachte sie verzweifelt. Ich habe kein Recht, bei dieser Hochzeit dabei zu sein – in der Kirche von Polkernick zu stehen und Carrie dabei zuzusehen, wie sie mit Simon vermählt wird.

Sie hätte sich fernhalten sollen, das wusste sie eigentlich schon, als die Einladung kam. Immerhin hatte man ihr bereits unmissverständlich klar gemacht, dass sie nicht willkommen war.

Warum sitze ich also in diesem Zug? fragte sie sich. Warum habe ich mich auf diese Reise gemacht?

Seit die Verlobung bekannt gegeben worden war, hatte Rhianna sich vor der offiziellen Einladung gefürchtet und im Geiste schon eine schriftliche Entschuldigung vorformuliert, um sich von Anfang an als Brautjungfer auszuschließen.

Doch dann rief Carrie unerwartet an und verkündete, sie würde nach London kommen, um für ihre Aussteuer einzukaufen. Sie wollte Rhianna unbedingt zum Lunch treffen.

„Du musst einfach kommen, Süße!“, rief sie aufgeregt und lachte übermütig. „Es ist vermutlich die letzte Gelegenheit, nachdem Simon diesen Job in Kapstadt angenommen hat. Wer weiß, wann wir das nächste Mal nach England zurückkehren …“

„Kapstadt?“ Rhianna bemerkte den scharfen Klang ihrer Stimme und räusperte sich schnell. Dann fuhr sie betont unbeschwert fort: „Ich hatte ja gar keine Ahnung, dass ihr vorhabt … im Ausland zu leben.“ Niemand hatte ihr etwas davon gesagt!

„Ach, das war überhaupt nicht so geplant“, erklärte Carrie fröhlich. „Ein Bekannter von Raoul eröffnet dort ein neues Geschäft und hat Simon ein Angebot gemacht, das er unmöglich ausschlagen konnte.“

Raoul …

Stumm wiederholte Rhianna seinen Namen, und ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Natürlich sorgte Raoul dafür, dass Simon in sicherer Entfernung untergebracht wurde, wo er keinen Schaden mehr anrichten konnte.

Quer über Kontinente und Ozeane zog Raoul die Fäden, damit alle nach seiner Pfeife tanzten. Unter anderem seine geliebte jüngere Cousine Carrie, die nun mit dem Mann, den sie ihr ganzes Leben lang verehrte, vor den Altar treten sollte.

Das perfekte Paar, dachte Rhianna, und ihr Hals wurde unangenehm eng. Nichts durfte und nichts würde dazwischenkommen.

Sie hätte Ausflüchte erfinden müssen, um diesem Mittagessen zu entkommen, andererseits freute sie sich darauf, Carrie wiederzusehen. Allerdings musste Rhianna sich zusammenreißen, nichts Falsches zu sagen, während ihre Freundin über Simon und die Hochzeitspläne plauderte. Kein einziges, verräterisches Wort durfte Rhianna über die Lippen kommen, kein falscher Blick, keine Andeutung.

Es war hart gewesen, Carrie gegenüberzusitzen, während sie freudestrahlend von ihrem Glück berichtete. Mit nur einem einzigen Satz hätte sie die Vorfreude der jungen Frau in einen regelrechten Albtraum verwandeln können. Simpel, aber unvorstellbar!

„Du wirst also zu unserer Hochzeit kommen, hoch und heilig versprochen?“, bettelte Carrie. „Damit bringst du die nötige Portion Verstand in den gesamten Ablauf, Süße! Ein Fels in der Brandung, an den ich mich klammern kann, denn das werde ich bitter nötig haben“, fügte sie hinzu und schauderte. „Die Schwiegermütter umkreisen sich schon in stummer Angriffslust, und ich befürchte, es wird ein blutiges Ende nehmen.“

Dem konnte Rhianna nur zustimmen. Aber um der Feier fernzubleiben, hätte sie Gründe anführen müssen, von denen die Braut niemals etwas erfahren durfte. Vor allem, weil Carrie ihre Freundin war. Die erste wirkliche Freundin, die Rhianna je gehabt hatte und die ihr jene Zuneigung entgegenbrachte, die auf Gut Penvarnon schwer zu finden war.

Carrie war für Rhianna da gewesen, und Simon, natürlich. Damit hatten die Probleme begonnen.

Und jetzt war Carrie hier, um sich in aller Unschuld von ihrer geliebten Freundin versichern zu lassen, dass keine zehn Pferde Rhianna davon abhalten konnten, zur Hochzeit zu erscheinen. Allerdings waren zehn Pferde nichts gegen die unendliche Macht des arroganten Raoul Penvarnon, gegen dessen ausdrücklichen Willen sich Rhianna auf ihre verhängnisvolle Reise begeben hatte!

Seine Verärgerung hing über ihr wie eine dunkle Gewitterwolke. Es fühlte sich an, als würde er immer noch direkt neben ihr stehen und ihr drohen: „Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt!“

Allein beim Gedanken daran wurde Rhiannas Mund trocken, und sie griff hastig nach der Mineralwasserflasche vor sich.

Reiß dich zusammen! ermahnte sie sich. Du bist nur für drei Tage in Cornwall, höchstens vier. Nach der Hochzeit verschwindest du einfach – dieses Mal für immer.

Außerdem würde Raoul vermutlich gar nicht persönlich vor Ort sein. Vielleicht war er längst wieder in Südamerika in der Annahme, dass seinen Wünschen auch während seiner Abwesenheit bedingungslos Folge geleistet wurde.

Die übrigen Bewohner des beeindruckenden Familienlandsitzes waren sicherlich nicht begeistert von ihrem Besuch, aber niemand würde so unhöflich sein und es ihr zeigen. Rhiannas Lippen verzogen sich zu einer schmalen Linie. Keiner würde mehr auf sie herabschauen und sie wie einen Eindringling behandeln. Dieser Teil ihres Lebens gehörte endgültig der Vergangenheit an, und Rhianna wollte dafür sorgen, dass sich daran auch nichts änderte.

Sie war nicht länger die unscheinbare Nichte der Haushälterin, mit der sich Caroline Seymour zum Leidwesen der gesamten Familie angefreundet hatte.

Jetzt war sie Rhianna Carlow, Schauspielerin und aktueller Star der preisgekrönten Serie Castle Pride. Eine unabhängige Frau mit einem eigenen Leben und einer eigenen Wohnung, die es nicht länger nötig hat, sich im Schlussverkauf oder aus dem Altkleidercontainer einzukleiden. Und all das hatte Rhianna niemandem außer nur sich selbst zu verdanken.

Sie war erfolgreich, und die Leute erkannten sie auf der Straße. Noch vor wenigen Stunden – als sie in Paddington in den Zug gestiegen war – hatte sie bemerkt, wie einige der Fahrgäste sich unauffällig anstießen, in ihre Richtung zeigten und miteinander tuschelten.

Aus Erfahrung wusste sie, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis der Erste sie nach einem Autogramm oder nach der Erlaubnis fragte, mit ihr ein Foto machen zu dürfen. Lächelnd würde sie sich den Wünschen ihrer Fans fügen, so wie sie es immer tat, damit die Menschen erkannten, wie liebreizend und charmant sie war.

Eine weitere professionelle Kostprobe ihres beruflichen Könnens. Das war noch der einfache Teil im Leben einer Rhianna Carlow.

Aber übermorgen würde es all ihre schauspielerische Fähigkeit in Anspruch nehmen, schweigend dazustehen und dabei zuzusehen, wie Carrie Simons Ehefrau wurde. Mit jeder Faser ihres Körpers wollte sie hinausschreien: Nein, das darf nicht sein! Ich werde es nicht zulassen! Das muss sofort aufhören – zum Wohle aller!

Aber würde sie es übers Herz bringen, aufzustehen und die grausame Wahrheit auszusprechen? Nur um dann das Licht der Hoffnung in Carries Augen erlöschen zu sehen, sobald ihr klar wurde, wie schändlich Simon sie betrogen hatte?

Carrie war immer ein Sonnenschein gewesen, mit hellblonden Haaren und einem bildhübschen Gesicht. Sie strahlte von innen und hatte die dunkelhaarige Rhianna, die Außenseiterin, wie einen kleinen Mond in ihren Orbit gezogen. Durch ihre Wärme war Rhianna buchstäblich zum Leben erwacht und für die abweisende Kälte ihrer Tante und die Feindseligkeit der übrigen Bewohner von Penvarnon House entschädigt worden.

Sie konnte sich noch gut an den Tag erinnern, als sie mit ihren zwölf Jahren frierend und unglücklich vor dem Haupthaus gestanden hatte. Mit einem tonnenschweren schlechten Gewissen, weil sie gerade die strikte Regel ihrer Tante missachtete, die ihr verbot, sich frei auf dem Grundstück zu bewegen. Rhiannas Zuhause war eine kleine Wohnung, eingebaut in die früheren Stallungen. Zum Spielen dufte sie nur in das Stallgebäude und auf den umliegenden Hof gehen.

„Dass du hierbleiben darfst, ist ein riesiges Zugeständnis von Mrs. Seymour, und dafür musst du immer sehr dankbar sein“, hatte Tante Kezia sie ermahnt. „Und die Bedingung ist: Du verlagerst deine Aktivitäten in die Nähe deiner Unterkunft, nicht darüber hinaus! Verstanden?“

Nein, hatte Rhianna voller kindlicher Rebellion gedacht.

Sie verstand nicht, warum ihre Mutter gestorben war, oder warum sie nicht in London bei Mr. und Mrs. Jessop bleiben durfte, die ihr Unterstützung angeboten hatten. Rhianna konnte nicht begreifen, wieso ihre Tante sie an einen Ort brachte, wo niemand sie haben wollte, am wenigsten ihre Tante selbst. Hier war Rhianna vom Rest der Welt und von allem, was sie kannte, abgeschnitten.

Dabei wollte sie gar nicht ungehorsam sein, doch die leer stehenden, dunklen Stallungen waren keine besonders reizvolle Umgebung für ein junges Mädchen, und das offene Tor, das auf die gepflegten Rasenflächen des Haupthauses führte, wirkte absolut unwiderstehlich auf sie.

Nur ein schneller, verbotener Blick, nahm sie sich vor. Danach wollte sie das Gatter wieder schließen, und niemand würde etwas davon erfahren.

Also folgte sie dem Kiesweg und...