Perry Rhodan 2943: Monkey und der Savant - Perry Rhodan-Zyklus 'Genesis'

von: Michael Marcus Thurner

Perry Rhodan digital, 2018

ISBN: 9783845350431 , 64 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 1,99 EUR

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Perry Rhodan 2943: Monkey und der Savant - Perry Rhodan-Zyklus 'Genesis'


 

3.

Monkey

1. Dezember 1551 NGZ

 

Die Mission Zurückeroberung war erfüllt, nun musste er den nächsten Schritt tun. Monkey überprüfte seine Ausrüstung und starrte den Transmitter an. Er war noch nicht auf Bereitschaft geschaltet.

Er hatte Quinto-Center vor wenigen Tagen gesichert. Trupps unter der Führung von Tohru Carturan waren zur selben Zeit in die IWAN IWANOWITSCH GORATSCHIN vorgedrungen und hatten das Schiff ihrer Gegner in Besitz genommen. Die gäonische Admiralin Amber Dessalin hatte kapituliert. Beide Manöver waren mit einer akzeptablen Präzision verlaufen. Da und dort würde es bei zukünftigen Strategiebesprechungen Nachschärfungen geben müssen, doch Monkey war im Großen und Ganzen zufrieden mit der Arbeit seiner Leute.

Er hatte den Gäonen erlaubt, aus Quinto-Center zu fliehen. Sie hatten sich auf andere Schiffe ihrer Flotte zurückgezogen und das Weite gesucht.

Einerlei.

Monkey interessierte einzig und allein die GORATSCHIN. Sie war außergewöhnlich. Sie war der Schlüssel zum besseren Verständnis der gäonischen Pläne.

Monkey machte sich nichts vor: Sowohl in Quinto-Center als auch in der GORATSCHIN entzogen sich gewiss vereinzelt Gäonen seinem Zugriff. Idealisten, die den Zielen des ZSI fanatisch nachhingen. Die Sabotageakte verübten oder kleine Nadelstiche setzen wollten, um seine Leute auf Trab zu halten.

Monkey hätte es niemals laut ausgesprochen, aber er hielt diese Konstellation für ... reizvoll. Wann bot sich schon die Gelegenheit, Übungen unter Praxisbedingungen abzuhalten?

Aus Sicherheitsgründen hatten Quinto-Center und die GORATSCHIN eine Reise angetreten, unabhängig voneinander. Der USO-Planetoid hatte die geplante Position, etwa sechstausend Lichtjahre von Sol und tausendachthundertfünfzig Lichtjahre von Olymp entfernt, problemlos erreicht.

Vor wenigen Minuten war die GORATSCHIN in den Normalraum zurückgekehrt. Der Intermittermodus der Transitionstriebwerke war eine interessante Weiterentwicklung altterranischer Technik. Monkey würde sich die dazugehörigen Daten bei Gelegenheit geben lassen.

»Sicherheitschecks abgeschlossen«, sagte ein Transmitter-Ingenieur. Gleichzeitig gingen mehrere Signallampen auf Grün. »Sie können auf die GORATSCHIN übersetzen.«

Monkey nickte und trat in das Torbogenfeld zwischen den Transmittersäulen. Es verging kaum messbar Zeit, und schon stand er in der Gegenstation auf der GORATSCHIN. Wie immer nach einer Abstrahlung spürte er ein leichtes Ziehen, dort, wo das SAC-Metall seiner Augenlinsen mit körpereigenem Gewebe in Berührung kam.

Er verließ das Torbogenfeld, zufrieden mit den Sicherheitsvorkehrungen. Drei USO-Leute und doppelt so viele Roboter standen Gewehr bei Fuß. Im anschließenden Raum taten weitere Agenten Dienst.

Eine hastig gelegte Leuchtspur führte ihn auf direktem Weg in die Zentrale des Gäonen-Teilschiffs IWAN. Er hatte es nicht weit. Der Empfangstransmitter befand sich an der Peripherie der Kernzelle, einem Element mit einer Kantenlänge von 200 mal 200 mal 425 Metern, in das auch die eigentliche Schiffszentrale eingebettet war.

Immer wieder begegneten Monkey USO-Agenten und Kampfroboter. Sie überwachten strategisch wichtige Abteilungen und sorgten dafür, dass die gäonischen Besatzungsmitglieder nicht auf dumme Gedanken kamen.

Das Schott zur Zentrale glitt beiseite, Monkey betrat den Raum.

Tohru Carturan kam ihm entgegen und grüßte. »Willkommen an Bord, Lordadmiral! Beide Kugelzellen der GORATSCHIN sind gesichert, keine besonderen Vorkommnisse.«

»Danke, Spezialist Carturan.« Monkey verschaffte sich rasch einen Überblick. Im Raum befanden sich etwa dreißig seiner Leute und halb so viele Gäonen sowie ein Thoogondu. Zielsicher steuerte Monkey auf jene Frau zu, in der er die Admiralin Dessalin erkannte.

»Ich danke dir für dein Verhalten während der ... Krise«, sagte er. »Deine Kapitulation hat vielen Gäonen das Leben gerettet. Ich hätte die GORATSCHIN nicht mit Gewalt erobern wollen.«

»Oberst Ogilvy wurde getötet«, sagte Dessalin mit ausdruckslosem Gesicht. »Roboter haben ihn hingerichtet. Eine gäonische Legende. Einfach so.«

»Ich habe mir die Situation von Major Carturan schildern und Bildmaterial zeigen lassen, Admiralin. Ogilvy hatte es darauf angelegt. Er hat das Feuer auf meine Leute eröffnet. Sein Heldenmut war dumm.«

»Er starb für seine Ideale.«

»Er starb an Dummheit.«

»Also schön, Monkey. Was willst du von mir?«

»Bist du mit den Bedingungen an Bord zufrieden? Behandelt man dich und deine Leute gut?«

»Soll das ein Scherz sein? Wir sind Gefangene auf unserem eigenen Schiff! Es ist demütigend, den USO-Agenten auf der GORATSCHIN freie Hand lassen zu müssen.« Sie ballte die Hände zu Fäusten.

»Ich darf dich daran erinnern, dass du dasselbe auf und in Quinto-Center vorhattest. Du hast jedes Recht verwirkt, uns Vorhaltungen zu machen.«

»Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen dir und uns, Lordadmiral.«

»Und das wäre?«

»Wir sind im Recht. Wir sind in die Milchstraße zurückgekehrt, um die Menschheit auf den richtigen Weg zu bringen. Euer Glaube an das Gute im Wanderer, dieses unbedingte Vertrauen in ihn, hat euch fehlgeleitet.«

»Wenn man dir zuhört, könnte man glauben, du würdest von der Kanzel einer der alten Kirchen herab predigen, Admiralin. Mit der Verblendung einer religiösen Eiferin.«

»Wie du meinst.« Dessalin verschränkte die Arme vor der Brust und gab ihm deutlich zu verstehen, dass sie keine Lust mehr hatte, über dieses Thema zu reden.

Monkey wandte sich Carturan zu und schaltete ein abhörsicheres Feld um sie beide. »Wie sieht es im Inneren der beiden Kugelzellen aus? Haben wir etwas zu befürchten?«

»Das ist schwer zu sagen. Wir haben einige kleinere Widerstandsnester ausgeräuchert. Es gab zwei Todesfälle aufseiten der Gäonen, die zu Unruhen geführt haben. Abgesehen davon haben wir derzeit alles fest im Griff. Zumal die meisten Besatzungsmitglieder anerkennen, dass wir trotz der angespannten Lage fair bleiben.« Carturan zögerte. »Für meinen Geschmack ist es etwas zu ruhig.«

»Ich verstehe.«

Der USO-Agent blieb vorsichtig. Sehr gut. Nun, er würde später auf mögliche Widerstandsgruppen an Bord der GORATSCHIN zurückkommen.

»Was gibt es sonst Neues?«, fragte er.

»Ich habe einige Spezialisten ins Innere des Rechnerkomplexes abkommandiert. Die Anlage befindet sich oberhalb der Zentrale. Leider stoßen wir auf Schwierigkeiten bei der Datenschöpfung. Die Gäonen sind nicht sonderlich mitteilungsbedürftig und verweigern die Zusammenarbeit, wenn es um ihre Teilpositroniken geht.«

»Das war zu erwarten.« Monkey nickte. »Bleiben Sie dran, Carturan. – Was hat es mit dem Thoogondu auf sich?« Er deutete in Richtung des gebückt dastehenden Humanoiden mit der auffälligen Knochenpanzerung.

»Zuo spielt eine ungewöhnliche Rolle im Gefüge des Schiffs. Er ist so eine Art Berater der Admiralin. Wir haben mittlerweile ein Versteck mit zehn weiteren Thoogondu ausgehoben. Sie dürften rangmäßig unterhalb von Zuo stehen. Auch sie sind unnahbar und behandeln uns herablassend.«

»Sie haben ein Verhaltensprofil von diesem Zuo anfertigen lassen?«

»Selbstverständlich, Lordadmiral.«

Carturan streifte mit den Fingern über die Tastatur seines Armbandkoms, gleich darauf bekam Monkey die Dateien auf sein Gerät überspielt.

Er überflog sie, machte sich mit der Physis des Thoogondus vertraut und las einige Gutachten, die von Xeno-Psychoanalysten angefertigt worden waren.

»Die Fachleute stimmen darin überein, dass Zuo gefährlich ist«, sagte er und zitierte aus den Unterlagen: »Hochintelligent, verschlossen, geheimnisvoll. Und er weiß mehr, als er bereit ist zuzugeben.«

»Er bewegt sich wie ein Satellit um die Admiralin«, ergänzte Carturan. »Ich habe mich während der letzten Tage bemüht, eine Art Verbindung zu ihr aufzubauen und den kleinsten gemeinsamen Nenner für eine mögliche Zusammenarbeit zu finden. Ich wollte das Verständnis füreinander stärken. Doch kaum glaubte ich, Fortschritte zu machen, mischte sich Zuo ein. Er schürt das Feuer, Lordadmiral. Er nimmt Einfluss auf Dessalin und schafft es immer wieder, Unruhe bei unseren eigenen Leuten zu erzeugen.«

»Es kommt seinen Plänen also zugute, wenn die Spannungen aufrechterhalten bleiben?«

»Richtig.«

»Wir werden ihn isolieren.«

»Daran habe ich bereits gedacht, Lordadmiral, aber mich bisher dagegen entschieden. Ich wollte den Anschein von Normalität an Bord entstehen lassen. Die Gäonen bekommen mehrmals am Tag Bulletins über die Vorgänge an Bord. Sie wissen, was vor sich geht und wie sie sich zu verhalten haben. Da schadet es nichts, die Admiralin, Zuo und einige der gäonischen Offiziere in der Zentrale in ein positives Licht zu rücken. Sie kommen uns in manchen Aspekten entgegen und helfen uns, die GORATSCHIN besser zu verstehen. Also habe ich sie hier belassen.«

»Es war zu erwarten, dass sich die Gäonen in mancherlei Hinsicht kooperativ verhalten würden. Dessalin und ihre Leute füttern uns mit kleinen Bröckchen, um möglichst nahe an den Zentren der Macht im Schiff zu bleiben.«

»Das weiß ich. Die zuträglichen Aspekte dieser ... Zusammenarbeit haben bislang überwogen.«

»Wie verhält sich Zuo?«

Carturan zögerte. »Vorwiegend positiv. Er ist ein arroganter Kotzbrocken. Doch er hat auch dafür gesorgt, dass wir mehr über die GORATSCHIN erfahren haben, als wir erhofft hatten.«

Monkey nickte. »Dann ist mir alles klar.« Er blickte...