Tausend mal berührt ?

Tausend mal berührt ?

von: ALLISON LEIGH

CORA Verlag, 2010

ISBN: 9783862950522 , 144 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

Windows PC,Mac OSX für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 2,49 EUR

Mehr zum Inhalt

Tausend mal berührt ?


 

1. KAPITEL

Evan Taggart schreckte aus dem Schlaf auf und schoss im Bett hoch. In seinem Schlafzimmer stand eine unbefugte Person. „Verdammter …“ Er verstummte abrupt. Denn der junge Mann mit dem Körperbau eines Holzfällers war ihm nicht fremd. Ebenso wenig war das rote Auge der Fernsehkamera ein überraschender Anblick.

Gerade noch rechtzeitig schluckte Evan den derben Fluch hinunter, der ihm auf der Zunge lag, bevor er für die Ewigkeit eingefangen wurde – oder zumindest für die Sendedauer einer gewissen Reality-Show im Kabelfernsehen. Grimmig erklärte er: „Ich bin noch nie im Bett gefilmt worden, ob mit oder ohne Frau. Und ich lasse dich bestimmt nicht hier und jetzt damit anfangen.“

Ted Richards Grinsen wirkte geradezu unheimlich im grellen Licht des Scheinwerfers, den er neben dem Bett aufgebaut hatte. „Die Regisseurin wäre glücklicher, wenn du eine Frau unter der Decke hättest. Ihrer Meinung nach würde es die Einschaltquoten erhöhen.“

Evan war nicht amüsiert. „Wie bist du überhaupt reingekommen?“

„Leandra sagt, dass niemand seine Tür verschließt, weil es hier in Weaver so harmlos zugeht. Sie scheint recht zu haben.“

Das hätte ich ahnen müssen. Evan unterdrückte einen erneuten Fluch, der sich diesmal gegen Leandra Clay und ihre Rolle in der Farce richtete, zu der sein Leben in der letzten Woche geworden war. „Stell das Ding ab“, verlangte er. Wäre er nicht die halbe Nacht unterwegs gewesen, um einen kranken Bullen zu versorgen, hätte er den Überfall des Kameramanns niemals verschlafen.

Ted nahm das schwere Gerät jedoch nicht von der Schulter. Das rote Lämpchen leuchtete weiterhin hell und klar. „Lass nicht deine Wut am Falschen aus, Mann“, entgegnete er leichthin. „Ich tue nur meinen Job.“

Dieser Job bestand darin, Evan sechs Wochen lang auf den Fersen zu bleiben, für eine Kabelfernsehserie namens Walk in the Shoes, abgekürzt Wits. Sie wurde unter Leandras Regieassistenz gedreht und sollte, getreu dem Titel, den Zuschauern den Eindruck vermitteln, in den Schuhen einer interessanten Persönlichkeit zu wandeln. „Keiner hat mir gesagt, dass es zu deinem Job gehört, in meine intimste Privatsphäre einzudringen.“

Ted wirkte noch immer völlig ungerührt und machte keinerlei Anstalten, die Kamera abzustellen. Doch er wandte den zotteligen blonden Schopf, als leichte Schritte auf der Treppe ertönten.

Einen Moment später schlitterte förmlich die Frau herein, die Evan diese Kopfschmerzen bereitete. Er erhaschte einen Blick in schokoladebraune Augen, bevor sie die Aufmerksamkeit auf den Kameramann richtete.

„Ted, mach das Ding aus. Du solltest gar nicht hier sein.“ Leandra schob sich den Riemen ihrer riesigen Umhängetasche höher auf die Schulter und strich sich mit schlanker Hand durch das kurze zerzauste Haar.

Gehorsam senkte er die Kamera. „Dann gehe ich jetzt zurück ins Motel und hau mich noch mal aufs Ohr“, verkündete er unbekümmert. „Hat sich was am Plan für heute geändert?“

Sie schüttelte den Kopf. „Bisher nicht. Wir sehen uns später.“

Er nickte und ging hinaus. Seine Schritte polterten auf den Stufen. Einen Moment später fiel die Haustür ins Schloss.

Evan wünschte, er hätte mehr als nur zwei Stunden geschlafen. Er musste seine fünf Sinne beisammenhaben, wenn er es mit Leandra zu tun hatte.

Verlegen murmelte sie: „Tut mir leid.“

Was? Dass du Chaos in mein friedliches Leben bringst?

„Ich habe ihn nicht hergeschickt. Und ich bin gekommen, sobald ich erfahren habe, dass er hier ist.“

Als ob das alles wieder gutmacht! Wann hab ich endlich meinen Frieden?

Evan war mit ihr im Kreis ihrer Geschwister und Cousins aufgewachsen. Aber was in aller Welt hatte er sich zuschulden kommen lassen, dass er noch immer jedes Mal einen Ruck verspürte, wenn er dieses eine Mitglied des Clay-Clans erblickte? Ungeachtet dessen, dass sie einmal mit seinem besten Freund verheiratet gewesen war!

Sie trug eine Flanellhose, die mit Cartoon-Hühnern bedruckt war, und dazu ein langärmeliges rosa Shirt mit der Aufschrift WITS über den Brüsten. Die Kleidung verbarg nicht, dass ihr Körper mit reizvollen Rundungen gesegnet war. Sie sah aus, als wäre sie ganz überstürzt aus dem Bett gesprungen. Zu seinem Leidwesen trug sie nicht einmal eine Jacke, sodass er deutlich an ihren Brustspitzen erkennen konnte, wie verdammt kalt es draußen war.

Es war September in Wyoming. Es war vier Uhr morgens. Leandras Körper unter der dünnen Kleidung wirkte sehr verlockend.

„Nun? Willst du gar nichts sagen?“ Sie reckte das Kinn vor und stellte den grellen Scheinwerfer ab, den Ted zurückgelassen hatte.

„Ich habe noch nie Hühner mit Hasenohren gesehen“, bemerkte Evan. „Ist das der neueste Schrei in Kalifornien?“

„Das habe ich nicht gemeint.“

Es freute ihn, dass sie verlegen wirkte. Dadurch fühlte er sich ein bisschen besser. Nun musste er sie nur noch aus seinem Schlafzimmer scheuchen. Er schickte sich an aufzustehen.

Sobald sie seine nackten Beine erblickte, runzelte sie die Stirn und eilte zur Tür. „Ich setze Kaffee auf.“

„Eine gute Idee.“

Hastig floh sie die Treppe hinunter.

Das war der ultimative Beweis dafür, dass sie nicht im Mindesten daran interessiert war, ihn nackt zu sehen. Missmutig ging er ins Badezimmer, zog sich schnell etwas an und folgte ihr in die Küche. „Wolltest du nicht Kaffee kochen?“

„Ich bin dabei.“ Leandra schloss den Kühlschrank. „Ich kann ihn nicht finden.“

Er öffnete einen Hängeschrank und holte die Dose heraus. „Ich nehme an, du bist an eine vornehme Marke gewöhnt, die man selbst mahlt.“

Als Antwort verzog sie das Gesicht.

Evan wusste sehr wohl, dass Jake – sein guter Kumpel – teuren und frisch gemahlenen Kaffee bevorzugte. Warum sollte seine Frau anders sein?

Exfrau, rief er sich in Erinnerung. Auch wenn es nichts nützte.

Du bist schlicht und einfach ein Dummkopf. Und Gott schützt keine Dummköpfe namens Evan Taggart.

Vielmehr sandte er eine Strafe in Form einer goldblonden Elfe, der Evan noch immer nichts abschlagen konnte.

Nun musterte sie ihn mit diesen braunen Rehaugen, die zu groß für ihr herzförmiges Gesicht wirkten.

Er löffelte seinen billigen Kaffee aus dem Supermarkt in eine frische Filtertüte. „Willst du auch was davon trinken?“

„Wenn du mir was anbietest.“

Er erhöhte die Pulvermenge. Gleichzeitig füllte Leandra Wasser in die Kanne. Ihre Finger berührten sich, als sie ihm das Gefäß reichte.

Er füllte die Maschine und schaltete sie ein. Ein Gurgeln ertönte. „Ich gehe schnell duschen, bevor der Spanner wiederkommt.“

„Ted ist nicht pervers“, entgegnete sie. „Er tut nur, was Marian ihm aufgetragen hat.“

„Dann ist eben diejenige, die abartig ist“, murrte Evan auf dem Weg die Treppe hinauf.

Was hatte er sich bloß dabei gedacht, in die Teilnahme an dieser blöden Show einzuwilligen?

Was hatte sie sich bloß dabei gedacht, wegen WITS an Evan Taggart heranzutreten?

Dass es ein Sprungbrett für meine Karriere sein könnte, das Leben eines gut aussehenden Tierarztes zu dokumentieren.

Leandra presste sich die Fingerspitzen an die pochenden Schläfen. Dieser Tierarzt hatte eigentlich ihr Exmann Jake Stallings sein sollen. Selbst nach der Scheidung war er normalerweise bereit, ihr fast jeden Gefallen zu erweisen.

Außerdem war er genau das, was der Regisseurin Marian Hughes vorschwebte: ein charismatischer, gut aussehender Tierarzt für verwöhnte Schoßtiere von Stars und Sternchen.

Doch aus Gründen, die nur er kannte, hatte er ihre Bitte ausgeschlagen und sie an seinen alten Freund und Mitbewohner vom College verwiesen.

Evan Taggart, der Leandras Spielgefährte aus Kindertagen war und ihr Jake überhaupt erst vorgestellt hatte.

Sie hörte Wasser in den alten Rohrleitungen rauschen und sah Evan im Geiste unter der Dusche stehen. Sie bemühte sich, das Bild zu verdrängen. Es war schlimm genug, dass sie ihn bis zur Taille nackt im Bett gesehen und sich unwillkürlich gefragt hatte, was er unter der Decke tragen mochte.

In ihrer Eile, ihn vor Teds Kamera zu retten, hatte sie noch nicht mal geduscht. Sie sehnte sich danach, es nachzuholen und die saubere Kleidung aus ihrer übergroßen Umhängetasche anzuziehen. Doch das wollte sie erst im Haus ihrer Cousine Sarah tun, wo sie während der Dreharbeiten wohnte.

Ganz gewiss wollte sie Evan nicht fragen, ob sie sein Badezimmer benutzen durfte. Er ließ sie deutlich genug spüren, dass er jeden gemeinsamen Moment als Störung betrachtete.

Sie war sich immer noch nicht sicher, warum er überhaupt eingewilligt hatte, an ihrem Projekt teilzunehmen. Sicher, sie kannten sich seit ewigen Zeiten, und er und Jake waren noch immer gute Freunde, aber die Zusage war trotzdem überraschend. Angenehm überraschend zunächst, bis sie in der vergangenen Woche mit ihrem Team...