Geraubt vom Highlander

Geraubt vom Highlander

von: Terri Brisbin

CORA Verlag, 2017

ISBN: 9783733768072 , 256 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 4,49 EUR

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Geraubt vom Highlander


 

1. KAPITEL

Arabella Cameron konnte nachempfinden, wie sich die Eisschicht auf einem winterlichen See anfühlte. Das Lächeln, wie festgefroren in ihrem Gesicht, als sich ein weiterer Mackintosh daranmachte, ihre Schönheit in Versen zu preisen, würde bald zerspringen wie brüchiges Eis, das von einem Stein getroffen wird. Sie war nicht besonders zuversichtlich, das Lächeln noch lang aufrechterhalten zu können, während der Lobgesang sich zu immer absurderen Höhen aufschwang. Es kribbelte ihr in der Nase, und ihre Sorge, ihr würden die Gesichtszüge entgleisen, wich der noch größeren Angst, in Gelächter auszubrechen.

Sie atmete langsam ein und blinzelte einige Male in der Hoffnung, so die Fassung wahren zu können. Arabella sah auf und erschrak, als sie Brodie Mackintoshs düsterem glühendem Blick begegnete. Der ältere der beiden Männer, die als Nachfolger des Mackintosh gehandelt wurden, saß am Ende des Tisches zu ihrer Rechten und starrte sie unverwandt an. Sie konnte sich nicht entsinnen, ihn in der kurzen Zeit, die sie ihn nun kannte, auch nur einmal lächeln gesehen zu haben.

Nichts in seinen mahagonibraunen Augen verriet ihr, was er von den Männern hielt, die die Clans mit Lobpreisungen ihrer, Arabellas, Schönheit und ihres Anmuts ergötzten. Oder was er über Arabella dachte. Oder über die Tatsache, dass sie binnen weniger Monate seine Frau sein könnte. Völlig in Bann geschlagen von seinem durchdringenden Blick, hatte sie gar nicht bemerkt, dass der Barde zum Ende gekommen war und sich erwartungsvolle Stille auf den Saal herabgesenkt hatte.

Bis Brodie Mackintosh den Blick abwandte und den Kopf drehte zu … zum Barden des Mackintosh-Clans, der verstummt war und Arabella nun gespannt ansah. Arabella nickte und klatschte in die Hände.

„Eure gütigen Worte ehren mich sehr …“ Sie konnte sich nicht an seinen Namen erinnern.

„Dougal war keineswegs gütig, Lady Arabella“, unterbrach Caelan Mackintosh sie. Er saß zu ihrer Linken und zwinkerte ihr zu. Offenbar hatte er gemerkt, dass sie den Namen des Barden vergessen hatte. „Er hat nichts als die Wahrheit gesagt, wie wir alle sehen können.“ Sie wandte sich wieder dem Barden zu.

„Dennoch ehrt mich Euer Lob, Dougal. Und ich danke Euch für Eure Komposition und Euren Vortrag.“

Der Barde verneigte sich und kehrte unter dem Beifall der Festgesellschaft zu seinem Platz zurück. Caelan neigte sich zu ihr und sprach so leise, dass die anderen es nicht hören konnten.

„Mit Eurer Schönheit und Eurer Anmut habt Ihr alle Mackintoshs betört, Arabella. Die Camerons hätten längst siegreich aus dieser Fehde hervorgehen können, wenn sie Euch als Geheimwaffe eingesetzt hätten.“ Er strich ihr sanft über die Hand und führte dann den Becher zum Mund, wobei er sie nicht aus den Augen ließ. „Ihr habt mich betört.“

Diese Worte hörte sie nicht zum ersten Mal. Sie war schon oft für ihre Schönheit gerühmt worden, die doch nichts war als ein Geschenk des Allmächtigen, das nichts mit ihren eigenen Leistungen zu tun hatte. Doch als sie in Caelans tiefblaue Augen sah, wünschte sie sich, seinen Worten Glauben schenken zu können.

Er bot ihr seinen Becher an, sodass ihre Lippen die Stelle berührten, von der er getrunken hatte. Arabella ließ es zu, gewährte dem Mann, den sie vielleicht heiraten würde, diese kleine Geste der Intimität. Seine Mundwinkel hoben sich zu einem verlockenden Lächeln, als sie trank. Die Hitze, die sie daraufhin durchströmte, rührte nicht von dem Wein, sondern von der Art, wie Caelan sie ansah, während sie sich einen Tropfen von den Lippen leckte. Er beugte sich vor, als würde er hier und jetzt einen Kuss wagen, und sie hielt den Atem an.

Ein lautes Krachen ließ sie zusammenfahren, und sie drehte sich um. Sie sah noch, wie Brodie sich nach seinem schweren Becher bückte und ihn auf den Tisch zurückstellte. Der Zwischenfall, ob nun absichtlich herbeigeführt oder nicht, hatte den Moment zwischen ihr und Caelan zerstört. Jede Hoffnung, ihn wieder aufleben zu lassen, wurde zunichte gemacht, als ihr Vater das Wort ergriff.

„Deine Tante wartet auf dich, Arabella. Such dein Gemach auf.“

Wenn nur ihr Vater und ihr eigener Clan anwesend gewesen wären, hätte sie sich vielleicht widersetzt, doch hier und jetzt hätte sie das niemals getan. Nicht nachdem so viel davon abhing, dass sie sich als gehorsame, pflichtbewusste Tochter zeigte, deren einzige Aufgabe darin bestand, ihren Clan vor tödlichem Gemetzel und völliger Auslöschung zu bewahren.

Sie setzte das verhasste Lächeln auf, erhob sich und knickste vor ihrem Vater und dem Mackintosh. Danach ging sie um den Tisch und die Stufen nach unten. Dort stand ihre Tante Devorgilla und beobachtete sie. Zweifellos würde sie ihr einen Vortrag über ihr Benehmen und ihre Erscheinung halten. Arabella bedachte jeden, der sie grüßte, mit einem Lächeln und einem Kopfnicken. Von all den Stunden erzwungener Liebenswürdigkeit war sie völlig erschöpft.

Ein Dienstbote mit einer Fackel geleitete sie durch den Flur und die Treppe hinauf in das Gemach, das ihr für ihren Aufenthalt zugeteilt worden war. Dort angekommen, ließ sie sich auf das Bett fallen und gestattete ihren gequälten Gesichtszügen, sich zu entspannen. Sie wusste, was jetzt kommen würde.

„Du hast zu dicht bei dem einen gesessen und den anderen ignoriert, Arabella.“ An der Art, wie sich die hohe Stimme im Raum bewegte, erkannte Arabella selbst mit geschlossenen Augen, dass ihre Tante vor dem Bett auf und ab marschierte. „Du darfst nicht den Anschein erwecken, als gäbest du einem von beiden den Vorzug.“

„Aye, Tante Devorgilla“, sagte sie, ohne die Augen zu öffnen.

„Während des letzten Vortrags hast du nicht aufgepasst. Eine solche Missachtung solltest du weder dem Barden der Mackintoshs noch dem Harfenisten noch …“

„Schon gut, Tante Devorgilla“, fiel sie ihrer Tante ins Wort. „Meine Mutter hätte sich wegen meines schlechten Benehmens auf dem Fest furchtbar geschämt … und weil ich deinen Warnungen nicht genügend Beachtung geschenkt habe …“ Diese und andere Bekenntnisse strömten aus ihr heraus, und dem darauffolgenden Schweigen entnahm Arabella, dass sie ihre Tante betroffen gemacht hatte.

„Kind“, flüsterte Devorgilla. „Deine Mutter wäre stolz auf dich gewesen. Stolz darauf, dass du die Pflicht erfüllst, zu der du geboren wurdest.“ Die Stimme ihrer Tante klang erstickt, und Arabella hob den Kopf, um die jüngste Schwester ihrer Mutter anzusehen. „Sie wäre so stolz darauf gewesen, dass du deine Pflicht erfüllst, obwohl es einfacher wäre, es nicht zu tun. Obwohl es bedeutet, dass du den Rest deines Lebens unter unseren Feinden zubringen musst.“

„Tante Gillie“, sagte sie. Sie konnte die Tränen nicht länger zurückhalten. „Es tut mir ja so leid. Ich wollte mich nicht wie ein eigensinniges Kind verhalten. Ich weiß deinen Rat zu schätzen, ehrlich. Ich bin einfach müde. Morgen früh werde ich dem Ganzen gelassener begegnen.“

„Komm jetzt, Kind“, meinte ihre Tante und trat zu ihr. „Ich helfe dir, dich bettfertig zu machen.“

„Nay. Dazu kann ich Ailean rufen.“ Ihre jüngere Cousine diente ihr als Gesellschafterin und Zofe, wenn es nötig war.

„Still jetzt“, entgegnete Devorgilla und lockerte die Bänder an Arabellas Oberkleid. Bald stand Arabella im Hemd da. Als ihre Tante begann, ihren langen Zopf zu lösen, seufzte sie auf. „Setz dich“, ordnete ihre Tante an.

Zuerst teilte sie die geflochtenen Strähnen und kämmte das Haar dann mit einer weichen Bürste aus. Mit jedem Augenblick, der verging, löste sich die Spannung in Arabella, und sie gab sich ihrer Erschöpfung hin. Ihre Lider wurden schwer, und ihr Körper wurde schlaff. Mit jedem Bürstenstrich schwanden ihre Sorgen.

„Was ist für morgen geplant?“

Solcherart an die vor ihr liegende Ungewissheit erinnert, seufzte Arabella erneut auf.

„Ein Ausritt mit Caelan am Morgen, ein Ausritt mit Brodie nach dem Mittagsmahl. Keine Sorge, Tante Gillie, Ailean wird an meiner Seite sein, sobald ich die Burg verlasse.“

„Wegen deiner Sicherheit mache ich mir keine Sorgen, Kind. Ich sorge mich um dein Herz.“ Ihre Tante ließ die Bürste sinken und trat einen Schritt zurück. Arabella wandte sich um und entdeckte im Blick ihrer Tante eine Trauer, die sie dort noch nie gesehen hatte. „Lass nicht zu, dass du dein Herz an einen von beiden verlierst, ehe die Ältesten entscheiden, wer der Nachfolger des Mackintosh werden soll. Damit handelst du dir für die vor dir liegenden Jahre nur Schmerz und Kummer ein.“

„Tante Gillie, was …?“ Damit hatte sie nicht gerechnet. Hinter dieser überraschenden Bemerkung steckte sicher mehr, als schlichte Fürsorglichkeit.

„Nun, wie auch immer, Arabella“, unterbrach ihre Tante sie, ehe sie die Frage beenden konnte. „Ich bin wohl doch müder, als ich dachte. Ich werde nun mein Nachtlager aufsuchen.“

Ohne ein weiteres Wort legte ihre Tante die Bürste hin, wandte sich um und verließ den Raum. Zugegeben, die Warnung, auf ihr Herz achtzugeben, hatte sie schon öfter gehört, doch was ihre Tante über Schmerz und Kummer gesagt hatte, ließ auf etwas Persönliches schließen. Sie würde dem am nächsten Morgen nachgehen. Ein leises Klopfen kündigte Aileans Kommen an. Kurz darauf lag Arabella in der stillen Dunkelheit und dachte über die Unterschiede zwischen den Mackintosh-Vettern und ihre Zukunft als Ehefrau von einem von beiden nach.

Wohlmeinend wie ihre Tante war, hatte sie allerdings nicht berücksichtigt, was Arabella angesichts der...