Get lucky - Eine heiße Nacht in Las Vegas

von: Lila Monroe

LYX, 2017

ISBN: 9783736305076 , 230 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 6,99 EUR

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Get lucky - Eine heiße Nacht in Las Vegas


 

Nate


Logik ist mein Freund.

Wenn ich mit Klienten telefoniere und ihn oder sie beratend durch das Trauma einer strittigen Scheidung begleite, vergesse ich nie, dass ich der mit dem kühlen Kopf und dem wasserdichten Plan sein muss. Wenn mir Mandanten gegenübersitzen und eine ganze Schachtel Kleenex aufbrauchen, während sie sich flennend darüber auslassen, dass es vorbei ist, wie kann es nur vorbei sein, bin ich der Mann mit einer Kanne eiskaltem Trinkwasser und einer detaillierten Liste, warum sie verdammt nochmal froh sein sollten, dass es vorbei ist. Er hat Sie betrogen. Sie hat es auf das volle Sorgerecht und die Hälfte Ihres Jahresgehalts abgesehen. Warum sollten Sie auch nur einen Tag länger durch diese Hölle gehen wollen? Ruhige, geordnete Gedanken führen zu einem ruhigen, geordneten Leben. Keine Überraschungen bedeuten keine überraschenden Schlamassel.

Deshalb werde ich, als ich langsam aus einem Traum erwache, in dem ein runder, sexy Hintern an meine Morgenlatte gepresst ist, nur allzu gern schwach. Welcher Mann würde das nicht? Es hatte sich so echt angefühlt.

Wie sich herausstellt, fühlte es sich echt an, weil es echt war. Und als ich zu mir komme und mich in direktem Gegenüber mit riesengroßen blauen Augen und einer wirren, rotblonden Haarmähne wiederfinde, wird mir klar, dass ich keinen blassen Schimmer habe, wo ich mich befinde oder mit wem ich zusammen bin.

Konzentrier dich, Nate. Und zwar schnell, denn sie wirkt, als würde sie gleich losschreien.

Die Antwort auf die erste Frage fällt mir mühelos wieder ein. Ich befinde mich in Las Vegas im Hotel Bellagio in einer echt geilen, nun ja, Suite. Oberste Etage, Eck-Penthouse, Superblick auf den Strip bei Nacht. Nein, ich schwimme nicht in Geld, obwohl ich ganz bestimmt nicht am Hungertuch nage. Ich habe so viele prominente Milliardäre durch schmerzlose Scheidungsvereinbarungen gelotst, dass dabei ein paar Vergünstigungen für mich herausspringen. Gratis-Hotelzimmer in Las Vegas zum Beispiel, wann immer mir danach ist.

Okay. Wir sind also im Hotel. Das ist mir klar.

Aber die Rotblonde mit dem erschrockenen Ausdruck in den blauen Augen? Das ist nicht ganz so klar. Und wenn ich die Antwort auf eine sehr wichtige Frage nicht weiß, gefällt mir das gar nicht.

Locker bleiben, Nate. Geh mit Bedacht vor. Fang vielleicht an mit –

»Was zum Geier …?«

Okay, nicht sehr eloquent, aber ist es mir zu verübeln?

Die Frau dreht sich um und fällt aus dem Bett. Mist. Ich setze mich jäh auf und stelle fest, dass ich splitternackt bin. Super. Genau wie sie.

»Alles okay?«, frage ich und beuge mich über die Bettkante. Sie sieht zu mir auf, zwinkert sich wach und streicht sich die Locken aus dem Gesicht.

»Was mache ich hier?«, blafft sie mich an und hält die Laken umklammert, um ihre (üppigen) Brüste zu bedecken, als sie sich vom Boden aufrappelt. Was mich auf Frage drei bringt.

»Warum sind Sie nackt?«, frage ich.

»Warum sind Sie nackt?«

»Das ist mein Bett.« Ja! Mit Logik vernichtend geschlagen. Wenn man bedenkt, dass meine Erektion immer noch auf Halbmast ist, schlage ich mich bisher recht gut.

Ich reibe mir die Augen und angele nach meiner Hose. Wo zum Teufel ist meine Hose? Ich scheine sie quer durch den Raum geschleudert zu haben, wo sie dekorativ über dem Lampenschirm hängt. Meine Treffsicherheit gestern Nacht muss entweder spitze oder erbärmlich gewesen sein.

»Okay, warten Sie. Ich erinnere mich an Sie«, knurre ich und raufe mir die Haare. Langsam und verschwommen fällt es mir wieder ein. Ich schnipse mit den Fingern. »Jenny!«

»Julia«, korrigiert sie mich. Sie seufzt, verliert jedes Schamgefühl und lässt das Laken los. Und so erschrocken ich auch bin, ich genieße die Aussicht.

Sie saust durchs Zimmer und sucht ihre Klamotten zusammen. Was soll ich machen? Weggucken oder nicht? Was ist die beste Variante? Ich denke, ich sollte den Blick abwenden, aber als sie sich bückt, fällt es mir schwer, ihn von dem fantastischen Hintern loszureißen. Verdammt, ich bin auch nur ein Mensch. Und irgendwas fällt mir an ihr auf – oh Mist. Meine Augenbrauen schießen in die Höhe.

»Sie haben ein Tattoo«, stelle ich fest.

»Was?« Sie verrenkt sich den Hals, um über ihre Schulter zu schielen, aber sie kann nicht sehen, was ich sehe: einen merkwürdig aussehenden blauen Kasten mitten auf ihrem Kreuz.

»Was ist das?«, frage ich, während sie zum Spiegel an der Schranktür rennt und sich umdreht.

Jetzt sieht sie es auch und flucht. Die Tätowierung sieht frisch aus, und auf ihrer Haut klebt ein Stück Plastikfolie, das sich zum Teil abgelöst hat. Sie muss das Tattoo erst seit gestern Nacht haben. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. In Las Vegas trifft man beschissene Entscheidungen.

»Ich hab’s getan. Ich hab mir wirklich die TARDIS auf den Po tätowieren lassen«, flüstert sie und sieht dabei entsetzt aus.

Tarte? Was?

»Einen Vollidioten-Arsch, wenn man so will.« Sie kichert ein bisschen. Dann verstummt die Frau – Julia – und sieht mich fragend an. »Warten Sie. Aufstehen und umdrehen.«

Mein Grinsen verflüchtigt sich. Oh Scheiße. Ich hab mich schon gefragt, was das kribbelnde Gefühl unten an meinem Rücken zu bedeuten hat. Ich steige aus dem Bett – gönne ihr eine Ganzkörper-Show – und sehe im Spiegel an der Badezimmertür nach.

Ach du Scheiße. Irgendein bizarres schwarzes Symbol, genau über meinem Arsch.

»Was ist das?«, knurre ich. »Chinesisch?«

Sie macht sich über meine Unwissenheit lustig. »Nein, Blödmann. Das ist das Symbol der Rebellen-Allianz aus Krieg der Sterne

Ach du Scheiße. Ich bin als Sonderling gebrandmarkt.

Okay, ganz ruhig. Damit kommst du klar. Zumindest hast du es nicht auf der Stirn. Oh mein Gott.

»Was zum Teufel haben wir gestern Nacht gemacht?«, frage ich.

Ganz ruhig. Ich muss jetzt ruhig bleiben, weil Julia so über mein Tattoo lacht, dass sie gleich hyperventiliert. Gott, wie nervig.

Das ist es, ein Anflug von Wiedererkennen – diese Frau nervt mich.

»Kannst du mal damit aufhören?«, sage ich. Sie hebt entschuldigend die Hände und reißt sich zusammen.

»Okay, letzte Nacht. Ich weiß nur, dass es Schnaps gab. Zu allem.« Sie reibt sich stöhnend das Gesicht. »Ich glaube, hauptsächlich Tequila. Mein Mund schmeckt wie ein Puff in Tijuana. Apropos, hast du noch mehr Schnaps?«

»Was?«, knurre ich. Sie zuckt mit den Achseln.

»Irgendwelchen Alkohol? Ich glaube, ein Katerbier würde jetzt helfen. Oder gleich der ganze verdammte Kater.« Sie blinzelt und verzieht schmerzlich das Gesicht. »Einen schweren Kopf hatte ich ja schon öfter, aber Herrgott!«

Da hat sie nicht unrecht. Mein Kopf fühlt sich an, als würde jemand von innen dagegen hämmern, um rausgelassen zu werden. Als hätte er seinen Schlüssel außerhalb meines Schädels vergessen und müsste ihn jetzt auf der Stelle haben.

»Sieh in der Küche nach. Dort sollte jederzeit eine Flasche Schampus vorrätig sein. Wie bestellt.« Ich atme tief durch. Alles ist gut. Weitestgehend. Ich bin nur nackt mit einer Fremden, laufe mit einem Arsch-Tattoo herum, und mein womöglicher-wahrscheinlicher One-Night-Stand besäuft sich schon am Morgen.

Vegas macht beschissene Sachen mit einem.

»Ooh, ein steter Champagnervorrat? Nobel. Dom Perignon? Mit was anderem gebe ich mich nicht zufrieden.« Sie klimpert übertrieben kokett mit den Wimpern.

Und ich kann nicht anders. Ich lache. Und davon kriege ich Migräne.

»An deiner Stelle würde ich mich mit einer Tasse Kaffee und Excedrin zufrieden geben«, sage ich und reibe mir den Kopf.

»Katerfrühstück? Behandelst du deine Dates immer so?«, fragt sie affektiert und schlängelt sich endlich in ihren schwarzen Spitzenslip. Ich bemühe mich, dem kleinen Tanz nicht zuzusehen, weil mein Schwanz wieder munter wird und ich das im Moment nicht gebrauchen kann.

»Du bist nicht mein Date.« Ich glaube, mein Schädel platzt gleich. Einen solchen Kater hatte ich seit dem Grundstudium nicht mehr.

Sie schiebt ihr Kinn vor. »Du bist echt ein Typ, der eine sichere Nummer total vermasselt. Ich meine, eine nackte Frau in deinem Bett? Die meisten Typen würden ihren Charme spielen lassen wie –« In ihren Augen blitzt etwas auf, und sie schnipst mit den Fingern. »Ich hab’s! Nate! So heißt du.«

»Du hast den Hauptgewinn gezogen.« Ich schnappe mir meine Hose von der Lampe.

Mir entgeht nicht, dass Julias Blicke über meinen Körper wandern. Sie beißt sich auf die Lippe – vielleicht gefällt ihr, was sie sieht. Ich bin versucht, mich umzudrehen und ihr die volle Vorderansicht zu präsentieren. Wieder steht mein Schwanz auf Startmodus. Hör auf mit dem Scheiß, Alter. Aber für kurvige Rothaarige hatte ich schon immer eine Schwäche. Selbst wenn sie mich beleidigen.

»Wir müssen gestern Nacht sternhagelvoll gewesen sein, oder?«, sagt Julia. Ihre Wangen färben sich rot. »Denn ich bin echt nicht der Typ, der morgens wie in Das verlorene Wochenende aufwacht.«

»Keine Sorge. Was uns zwei betrifft, ist das nie passiert.« Was auch immer passiert ist. Am liebsten würde ich sie fragen, ob sie sich erinnert, aber im Grunde will ich es gar nicht wissen.

»Super. Toll.«

Zickt sie jetzt rum? War meine Reaktion ihr nicht...