Space Troopers - Collector's Pack - Folgen 7-12

von: P. E. Jones

Bastei Lübbe AG, 2016

ISBN: 9783732541799 , 660 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 6,99 EUR

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Space Troopers - Collector's Pack - Folgen 7-12


 

1. Kapitel


John spürte den Blick von Gunnery Sergeant Hartfield auf sich, als er sich als Letzter in die Reihen der Soldaten auf dem Hangardeck quetschte. Der alte Fuchs schien sein Auge wie immer überall zu haben, selbst dann, wenn er für Colonel Forsman Spalier stehen musste.

John hasste es, zu diesen großen öffentlichen Zeremonien antanzen zu müssen. Ein Trost war, dass er erst vor Kurzem eine Beförderung erhalten hatte. Also würde man ihn heute wohl nicht nach vorne rufen, um ihm vor den Augen aller Lametta anzuheften. Die Ausgehuniform, die überall zwickte, musste er trotzdem tragen; und das allein war schon schlimm genug.

»Aaaachtung!«, rief Hartfield.

Die Bewegungen der zahlreichen Füße, die in Habachtstellung gebracht wurden, hallten dumpf im Hangar wider. Dann schritt Colonel Forsman, ein ergrauter Hüne, zwischen seinen Offizieren hindurch vor die Reihen der Soldaten.

John entdeckte Uniformen aller Gattungen: Troopers, Techniker und Schiffsmannschaft. Auch von den Offizieren waren nahezu alle vertreten. Selbst Captain Fajid, die weißhaarige Frau mit der großen Erfahrung und Autorität, war anwesend. Auch First Lieutenant Goldblum durfte nicht fehlen – die Frau, die ihn mehrmals vom Leben zum Tod befördern wollte und dafür noch nicht einmal belangt wurde, weil niemand es nachweisen konnte.

Schließlich blieb Forsman stehen und sah sich abwartend um. Es hatte den Anschein, als wollte er sich vergewissern, dass niemand fehlte.

Schmerzlich wurde sich John der Lücken in ihren Reihen bewusst: eine Folge der Kämpfe gegen die Aliens. Auch in seinem Fireteam fehlte jemand. Ophelia befand sich immer noch auf der Krankenstation, nachdem sie bei der Evakuierung der letzten Kolonie verletzt worden war. Aber Hauptsache, sie lebte und kam bald wieder auf die Beine.

»Um den Gerüchten zu begegnen, die auf der Washington kursieren, habe ich mich dazu entschlossen, ihnen allen einen kurzen Abriss der aktuellen Geschehnisse auf der Erde zu geben«, verkündete Forsman.

Gemurmel machte sich breit, das jedoch schnell wieder verstummte. John hob erwartungsvoll den Kopf. Er ahnte jetzt, was Forsman ihnen allen mitteilen wollte.

»Die Vereinten Nationen werden zurzeit von einer Notfallregierung unter Admiral Held geführt, nachdem die Opposition ein Misstrauensvotum gegen Präsident Green gestellt und die Admiralität daraufhin einen Putsch durchgeführt hat.«

Stimmen wurden laut. Sowohl Oppositionsführer Symore als auch Held wurden mit wenig schmeichelhaften Bezeichnungen belegt. Doch Hartfield schaffte mit einem einzigen »Ruhe!« wieder Ordnung.

Unbeeindruckt fuhr Forsman fort: »Den Anstoß für diese Entwicklungen gaben Teile des Explorationsberichts über den Kassiopeia-Sektor, die öffentlich wurden und die belegten, dass die Regierung unter Präsident Green von der Existenz der Aliens wusste. Und zwar bevor der Kassiopeia-Sektor zur Kolonisation freigegeben wurde.«

Ein Pfiff ertönte. Aber dieses Mal genügte bereits ein Blick von Hartfield, damit wieder Schweigen herrschte.

»Meine Offiziere und ich bedauern zutiefst die Verluste, die durch Fehlentscheidungen der alten Regierung verursacht wurden – sowohl auf Seite der Zivilisten als auch des Militärs. Auch ich kann den Entschluss, der zur Freigabe des Kassiopeia-Sektors führte, nicht gutheißen. Dennoch muss ich an dieser Stelle betonen, dass ich die Offenlegung der Dokumente zu diesem prekären Zeitpunkt und unter den gegebenen Umständen aufs Schärfste verurteile. Umso mehr, als die Offenlegung von diesem, meinem Schiff ausging und durch einen meiner Männer hinter meinem Rücken erfolgte. Ich schwöre Ihnen, dass der Schuldige mit gebotener Härte verurteilt wird, sobald wir seiner habhaft sind. Und das werden wir! Daher appelliere ich an Sie alle, uns dabei zu unterstützen, diesen Verräter ausfindig zu machen, um ihn seiner gerechten Strafe zuführen zu können. Damit an ihm ein Exempel statuiert werden kann. So wahr mir Gott helfe!«

Forsmans sonst so ruhiger Bass war mit jedem Wort zorniger geworden. Die letzten Worte schrie er wie eine Kampfansage. Noch nie hatte John den Colonel so in Rage erlebt. Im Hangar war es im Anschluss so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören.

Dann ging ein sichtlicher Ruck durch den hünenhaften Körper des Colonels. Seine zornige Miene glättete sich. Er zog seine Uniform gerade und wandte sich den Reihen seiner Offiziere zu.

»Nichtsdestotrotz möchte ich den Augenblick nutzen, um eine Person unter meinen Offizieren zu belobigen – für ihren kühlen Kopf, den sie angesichts eines Hackerangriffs auf unseren Zentralcomputer bewahrte und durch den sie Schlimmeres von uns abwandte.«

Eine erwartungsvolle Pause entstand.

John glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen. Wollte Forsman etwa Goldblum dafür belobigen, dass sie ihre Falle durchkreuzt hatte, die sie dem Verräter hatten legen wollen?

»First Lieutenant Elizabeth Goldblum, treten Sie vor!«

Die rothaarige Offizierin mit den Kurven eines Models trat mit selbstzufriedenem Lächeln vor. Forsman schüttelte ihr die Hand und überreichte ihr eine kleine Schatulle.

»Hiermit überreiche ich Ihnen in Anerkennung Ihrer herausragenden Leistungen im Kampf gegen unseren Feind die Ehrenmedaille in Silber.«

Forsman salutierte. Die anderen Offiziere und die Soldaten taten es ihm gleich. Dann wurde der erste Hochruf laut.

»Ich könnte kotzen!«, schrie John und trat gegen Ophelias Krankenbett.

Die Erschütterung pflanzte sich fort bis in ihren Brustkorb und schürte den Schmerz, der dort immer noch wohnte. »Beruhige dich«, presste sie hervor.

Er fuhr zu ihr herum, als habe ihn eine Schlange gebissen. »Beruhigen soll ich mich? Diese Schlampe, diese Fotze, diese … diese …«

»John, du sprichst über einen Offizier!«

»Na und? Sie hat versucht, mich umzubringen. Sie hat versucht, uns alle umzubringen. Sie hat -«

»John, verdammt! Man kann dich hören. Willst du, dass wir beide vor dem Kriegsgericht landen?«

Nervös sah Ophelia sich um. Die Betten in der Krankenstation waren nur durch Vorhänge voneinander getrennt. Sie bezweifelte zwar, dass ihre Bettnachbarn klar genug im Kopf waren, um mitzukriegen, was John da redete. Aber wenn sich Schwester Lombard zufällig in der Nähe aufhielt, konnte das ernsthafte Konsequenzen haben.

»Das ist die Wahrheit, und das weißt du sehr gut. Ich -«

»John«, keuchte Ophelia.

Mit schmalen Lippen holte er Luft und stützte sich auf ihr Bett. »Ich wünsche mir«, zischte er mit vor Zorn glitzernden Augen, »ich könnte meine Hände um ihren dürren Hals legen und langsam zudrücken, bis ihre Augen aus den Höhlen quellen und ihre Zunge blau wird.«

»Es reicht«, flüsterte sie. »Wenn du mir nichts anderes zu sagen hast, kannst du sofort wieder gehen.«

Zornig starrte er sie an, bis er sich abrupt vom Bett abstieß und ihr wieder den Rücken zukehrte.

Bei dieser Bewegung erbebte die Matratze unter ihr und erschütterte ihren Körper, sodass die Verletzung wieder schmerzte. Wider Willen entschlüpfte ihr ein leises Stöhnen.

Mit gerunzelter Stirn drehte er sich zu ihr um. »Hast du Schmerzen?«

»Nein, ich liege hier nur so zum Spaß«, fauchte sie.

Es war schon erstaunlich genug, dass er sie fragte. Noch seltsamer war, dass er sich plötzlich behutsam auf die Bettkante setzte. Einen Augenblick hatte sie sogar den Verdacht, er wollte ihre Wange streicheln. Aber er musterte sie nur besorgt. »Ich bin ein Esel«, sagte er plötzlich. »Wie lange musst du eigentlich noch hierbleiben?«

Das war so verdächtig nah an einer Entschuldigung, dass sie glaubte, sich verhört zu haben. »Mindestens noch zwei Wochen. Aber bis wir die Erde erreichen, bin ich wieder fit, meint Doktor Donaghue. Wir fliegen doch zur Erde, oder?«

»Wüsste nicht, wo wir sonst hinfliegen sollten, nachdem die letzte Kolonie gefallen ist. Irgendjemand muss die Erde doch raushauen, oder?«

»Sag mal«, fragte sie mit leichtem Spott, »wolltest du dich eben etwa entschuldigen?«

»Möglicherweise.«

»Hey! Wer bist du? Und was hast du mit John gemacht?«

Er grinste. »Ich bin sein Doppelgänger. Hast du das nicht bemerkt?«

»Sehr witzig.« Nun, da er ihr so nahe war, konnte sie nicht widerstehen, und strich über seinen Arm.

In seinen hellen Augen blitzte es. Aber ehe er sich verdrücken konnte, fasste sie nach seinem Handgelenk. Sie wusste, dass sie ihn nicht festhalten konnte – schon gar nicht in ihrem Zustand. Aber sie wusste auch, dass er sich nicht mit Gewalt losreißen würde. Nicht in diesem Augenblick.

»Hör mal«, bat sie leise, »pass in Zukunft ein bisschen besser auf, was du zu wem sagst! Denn wenn du jetzt in der Brigg landest, kann ich dich dort nicht einmal besuchen. Und wer soll dir dann Lebwohl sagen, ehe du erschossen wirst?«

Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem frechen Grinsen. »Heißt das etwa, du würdest mich vermissen?«

»Halt die Klappe, du Idiot! Versprichst du mir das?«

Wieso nur hatte sie jedes Mal das Verlangen, ihn zu streicheln, wenn er sie so ansah?

»Ich dachte, ich soll die Klappe halten!«

»Versprochen?« Sacht zupfte sie an seinem Ohr.

Jetzt lächelte er. »Aber nur, weil du es bist.«

»Da stimmt was nicht«, sagte Harlan.

Damit sprach er endlich aus, was John schon seit geraumer Zeit dachte. Denn würde alles in Ordnung sein, wären sie nach ihrer Ankunft im Antares-Sektor schon längst durch das Sprungtor in Richtung Erde geflogen. Stattdessen hingen sie nun schon seit einigen Stunden mehr oder weniger an einer Stelle. Als würden sie auf irgendetwas...