SDV. Sprache und Datenverarbeitung. International Journal for Language Data Processing. 2/2008, 32. Jg.

SDV. Sprache und Datenverarbeitung. International Journal for Language Data Processing. 2/2008, 32. Jg.

von: Hermann Cölfen, Hans-Christian Schmitz, Ulrich Schmitz, Bernhard Schröder (Hrsg.)

UVRR Universitätsverlag Rhein-Ruhr, 2008

ISBN: 9783940251541 , 89 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Mac OSX,Windows PC,Linux

Preis: 25,99 EUR

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SDV. Sprache und Datenverarbeitung. International Journal for Language Data Processing. 2/2008, 32. Jg.


 

Aus der Einleitung der Ausgabe 2/2008 (32 Jg.):

Der Umgang mit Texten – in den Professionen oder im Alltag – ist zum großen Teil motiviert durch die Tatsache, dass wir als Schreiber und Schreiberinnen Wissen, Informationen, Meinungen oder Einstellungen für andere kundtun oder im Gegenpart als Leser oder Leserinnen solche Mitteilungen erfahren wollen. In diesem Sinne leisten wir Textarbeit mit einem jeweiligen Schreib- oder Leseinteresse. In Sprachberufen (Journalisten, Dokumentare, Redakteure, Autoren) ist die Textarbeit professionalisiert. Dennoch unterscheiden sich Methoden, Ansätze und Durchführungsweisen erheblich. Viele arbeiten nach eigenem „Gusto“. Allgemeine Standards liegen nur mehr oder weniger vor. Dabei ist zu unterscheiden, ob der jeweilige Text durch Produktnormen oder die Textarbeit selbst als Prozessnormen standardisiert sind. In den USA sind z.B. wesentlich mehr Gebrauchstexte in ihren Strukturen und Formen festgelegt als in europäischen Kontexten, die Art und Weise, wie der Prozess der Erstellung abläuft, ist aber dort wie hier offen.

Die professionelle Textarbeit, nehmen wir die Technische Redaktion als Paradebeispiel, ist zunehmend durch den Einsatz von Softwarewerkzeugen geprägt. Formate, die technischen Standards der Organisation, Verwaltung, Distribution und Verarbeitung von „Daten“ genügen, bestimmen den modularisierten Umgang mit Inhalten, sowohl was die Strukturierung der Inhalte betrifft wie auch die Abläufe und Tätigkeiten der Akteure. Texte und Textarbeit sind eingebunden in industrielle Prozesse und werden selbst zu Produkten oder Dienstleistungen, bei denen betriebswirtschaftliche Prinzipien im Vordergrund stehen. Andererseits bilden Texte kognitive Gegenstände. Sie sollen verstanden werden und für die weitere Wissensarbeit gebrauchstauglich sein. Hier kommen Aspekte ins Spiel, für die sich bereits die klassische Rhetorik, aber auch die moderne Textforschung interessieren. So gilt es ebenfalls, das Wissen über Texteigenschaften und die Möglichkeiten der textuellen Organisation von Inhalten und kommunikativen Funktionen in medien- und adressatengerechter Präsentation auszuschöpfen, wie sie durch die textlinguistische Forschung modelliert und transparent gemacht werden.

Theorie und Praxis kommen aber nur zögerlich zusammen, was nicht zuletzt an den unterschiedlichen Leitideen liegt. „Was ist der Fall und warum ist es so?“ fragen die Theoretiker, während sich das Interesse der Praktiker vorwiegend auf Fragen richtet wie „Was ist gut/besser für welchen Zweck? Oder „Welchen Vorteil hat A gegenüber B?“ Diesem Unterschied entsprechen die Unterschiede in der Sicht auf den Gegenstand. Die Gegenstände Text und Textarbeit werden auf unterschiedliche Weise verstanden und in unterschiedliche Kontexte eingeordnet. Mit dem vorliegenden Themenheft wird der Versuch gemacht, einige Aspekte dieser Unterschiede, aber auch mögliche Treffpunkte auszumachen. (Annely Rothkegel)