Perry Rhodan-Paket 57: Die Jenzeitigen Lande (Teil 1) - Perry Rhodan-Heftromane 2800 bis 2849

von:

Perry Rhodan digital, 2016

ISBN: 9783845329963 , 3000 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 59,99 EUR

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Perry Rhodan-Paket 57: Die Jenzeitigen Lande (Teil 1) - Perry Rhodan-Heftromane 2800 bis 2849


 

3.


Die Synchronie

 

Rostrote Wüste umgab Perry Rhodan, eine Düne lag hinter der nächsten, bis zur Unendlichkeit. Die Sonne brannte erbarmungslos.

Rhodans Gedanken verwirrten sich. Je weiter er ging, desto schwerer fiel ihm, sich zu konzentrieren. Immer wieder riss die Wüste um ihn auf, zeigten sich quecksilberne Schlieren im Sand, die nicht an diesen Ort gehörten. Eine Weile versuchte er, die Synchronie wahrzunehmen, doch sie entzog sich ihm. Sein überlastetes Gehirn sprang immer wieder zu der Illusion der Wüste zurück. Er vergaß, wer er war, stapfte durch die flirrende Hitze, bis die Wüste unverhofft endete und Rhodan an einer Abbruchkante stand. Erst dort kehrte die Erinnerung zurück.

Er war über eine Geniferenhaube mit der ATLANC verbunden. Sein Verstand versuchte zu begreifen, wie die Synchronie aussah, was sie war ... und scheiterte. Stattdessen lag vor ihm eine Miniatur des Universums, das sich in wahnwitziger Geschwindigkeit bewegte.

In der Unendlichkeit, im Reigen aus Galaxien, glommen Leuchtpunkte auf. Supernovae, explodierende Riesensonnen, die am Anfang der Zeit aufgeblüht sein mussten und nun erloschen. Rhodan wurde schwindelig, von dem Anblick, obwohl er wusste, dass er nichts Reales sah, sondern die Bilder seiner Phantasie, vermischt mit Erinnerungen, die von der Wirklichkeit der Synchronie so weit entfernt waren wie er von den vermeintlichen Sonnen.

Fasziniert starrte Rhodan auf das kosmische Schauspiel. Es war schwer, sich nicht von dem Anblick gefangen nehmen zu lassen, doch die Zeit drängte.

Er hob das Kinn, bohrte die Stiefel in die Düne, dass dünne Sandbäche in den Abgrund rannen. »Ich weiß, dass du da bist!«, schrie er den Galaxien entgegen. »Rede mit mir!«

Aus dem Universum drang die tonlose und zugleich alles durchdringende Stimme des ANC. »Dies ist das Reich des Mein. Was willst du?«

»Ich fordere deine Hilfe!«

»Warum sollte das Mein dir helfen? Einem namenlosen Fremden?«

»Weil ich es dir befehle! Du hast mir zu dienen. Ich bin kein namenloser Fremder. Ich bin der Kommandant der ATLANC. Mein Name ist Perry Rhodan.«

Eine Weile antwortete ihm Schweigen.

Ob das ANC über seine Worte nachdachte?

Rhodan war sicher, dass er den Kontakt hergestellt hatte. Nun blieb die Frage, wie das ANC reagieren würde. Folgte es vorab festgelegten Mustern und Parametern? Traf es eigene Entscheidungen?

Ein Wispern hob an, wurde lauter. »Also gut, Perry Rhodan. Was willst du?«

»Ermögliche einen Kontakt zwischen der ATLANC und der RAS TSCHUBAI. Und sorg dafür, dass Atlan mit deiner Hilfe den Weg durch die Synchronie leichter findet und ansprechbar ist.«

»Was ist, wenn das Mein es nicht tut?«

»Du bist Teil der ATLANC. Wenn das Schiff untergeht, vergehst du mit ihm.«

Dieses Mal dauerte es über eine Minute, bis sich das ANC wieder zu Wort meldete.

»Das Mein gestattet es.«

»Beides?«

»Beides.«

Das Universum zerfiel zu weißen Staub, ganz wie die Roboter der ATLANC. Der Boden unter Rhodans Füßen verschwand. Er hatte das Gefühl, zu fallen. Hastig griff er sich an den Kopf, fühlte die Geniferenhaube und streifte sie ab.

Die Gesichter von Farye Sepheroa, Samu Battashee und Sichu Dorksteiger tauchten auf. Zwei helle und ein grünes Oval. Sie verschwammen, gewannen an Kontur und zerfaserten wieder, bis sie sich deutlich aus dem Hintergrund schälten.

»Und?«, fragte Farye.

»Ich habe mit dem ANC gesprochen. Es war einsichtig.« Rhodan sprang auf, ging zur Plattform und flog hinauf zu Atlan und Gucky in die Kommandosphäre. Er wollte wissen, ob Atlans Zustand sich stabilisiert hatte.

Gucky streckte ihm den Daumen entgegen. Er stand neben Atlan auf dem zweiten Sitz, wodurch er den Arkoniden überragte. »Seine Werte verbessern sich.«

»Atlan?«, fragte Rhodan.

Die Bilder im Inneren der Hohlkugel veränderten sich. Statt Schlieren lag eine subtil angedeutete Ebene in elfenbeinfarbenem Licht. Rhodan fühlte sich wie in einer Schneelandschaft, in der sich das Sonnenlicht brach. Er kniff die Augen zusammen. Mitten in diesem Reigen aus wabernder Helligkeit und den verschwommenen Umrissen abstrakter Gebilde bewegte sich ein Schatten, der entfernt an einen Rochen erinnerte.

War das der Punkt, dem Atlan folgte?

Falls ja, konnte Rhodan diesen Punkt wohl bloß sehen, weil Atlan ihn in die Holos projizierte. Atlan war hinter den Materiequellen gewesen, nicht Rhodan. und genau das ermöglichte es ihm, die ATLANC innerhalb der Synchronie zu pilotieren.

»Barbar!« Atlan öffnete die Augen und grinste. Er richtete sich im Sessel auf. »Ich habe dich brüllen hören. Willst du Universen erschüttern?«

»Wie geht es dir, Beuteterraner?«

»Ich komme zurecht. Leider kann ich überhaupt nichts über die Reisezeit aussagen. Eigentlich hätten wir den Kosmoglobus und mit ihm die Synchronie längst verlassen müssen. Ich fühle mich wie in einem Labyrinth, und es fällt schwer, den Geist dunkel zu halten. Gholdorodyn hatte recht. Die größte Gefahr ist die Erleuchtung.«

»Die Erleuchtung?«

Atlan winkte ab. »Wolltest du nicht Kontakt zur RAS aufnehmen?«

Rhodan lächelte. Er schätzte Atlans pragmatische Seite.

Über sein Armbandgerät baute er eine Verbindung auf. »Perry Rhodan an RAS TSCHUBAI. Hört ihr mich?«

»Laut und deutlich. Wurde auch langsam Zeit.« Die kräftige Stimme Jawna Togoyas füllte die Kommandosphäre.

Die Kommandantin der RAS TSCHUBAI tauchte in einem Abschnitt des Rundumholos auf. Ihre schwarzen Haare waren zurückgebunden, die Kombination saß perfekt. Was Präzision betraf, machte Jawna Togoya niemand etwas vor – immerhin war sie eine Posbifrau und das menschliche Äußere nur die lebendige Bioplastbeschichtung des humanoiden Robotkörpers.

»Wie geht es euch?«

»An Bord ist alles in Ordnung, aber wie es in den Synkavernen oder der Synchronie aussieht ... darüber haben wir keinerlei verwertbare Daten.«

»Das Problem kennen wir. Wir werden mit Gholdorodyns Kran einen transportablen Transmitter von der RAS TSCHUBAI zur ATLANC schaffen, der beide Zentralen verbindet. Dann können wir überwechseln, wie wir wollen.«

»Verstanden.«

»Sende mir einen Lagebericht, was seit dem Einschleusen in die Synkavernen passiert ist.«

»Schon unterwegs.«

»Ich schicke euch Sichu Dorksteiger an Bord, zum Abgleichen der bisherigen Messergebnisse. Sie wird Chuvs Leichnam mitnehmen. Ich möchte, dass ihr ihn in der Medoabteilung untersucht. Matho Thoveno soll sich bereithalten.«

»Wird er. Je mehr wir über die Atopen erfahren, desto besser.«

Rhodan atmete auf. Offensichtlich hatte die RAS TSCHUBAI die Einschleusung in die Dimension der Synkavernen unbeschadet überstanden.

Er ging in einen der Nebenräume der Zentrale, in dem der Sekretär des Richters gewohnt hatte. Dort lag Richter Chuvs Leiche in einem Stasisfeld, um sie vor der Verwesung zu schützen. Vielleicht gelang es Matho Thoveno, dem Chefmediker der RAS TSCHUBAI, ihr weitere Geheimnisse zu entlocken.

Fest stand, dass Atopen keine gewöhnlichen Wesen waren. Rhodan war nicht einmal sicher, ob der Richter überhaupt verwesen konnte. Wenn er sich die vier Atopen vergegenwärtigte, die er mittlerweile kennengelernt hatte – zwei in der Milchstraße, zwei in Larhatoon – schien jeder Atope anders zu sein, auf seine Art und Weise einzigartig.

Auf den ersten Blick erschien Chuv wie ein 2,30 Meter großer Humanoider mit zwei Armen und Beinen, der deutlich breiter war als ein Mensch. Seine Hände hatten sechs Finger mit außen liegenden Daumen. Der große Schädel war haarlos und von einer Vielzahl schlecht verheilter Wunden entstellt, am entsetzlichsten die leere Augenhöhle. Ein Rüssel, der bis zu Brust reichte, dominierte das Gesicht. Chuv war in ein raffiniert gemustertes, buntes Gewand gehüllt, das im Kontrast zur fahlen blauen Haut und den Verletzungen stand.

Obwohl Chuv Rhodans Gegner gewesen war, schmerzte es, den Richter so zu sehen. Er war ein Großer gewesen, ein faszinierendes Geschöpf, das eine kosmische Aura umgab. Sie hatten getan, was sie konnten, sein Leben zu retten.

Als Rhodan Chuvs Leiche auf einer Schwebebahre in die Zentrale schob, waren Sichu und Gholdorodyn bereits dabei, den Käfigtransmitter zu überprüfen, den der Kelosker mittels seines Krans aus der RAS TSCHUBAI herbeigeschafft hatte. Beide standen am Bedienpult neben dem Eingang, nahmen Messungen vor und simulierten einen Transport.

Sichu Dorksteiger sah zufrieden aus. »Die Systeme laufen innerhalb normaler Parameter.«

Gholdorodyn bewegte zustimmend den schweren Schädel. Neben der grazilen Wissenschaftlerin wirkte er wie ein knapp drei Meter großes Urzeitmonster. Sowohl seine tentakelartigen Glieder als auch der unförmige Kopf mit den vier unterschiedlich großen Paranormhöckern wirkten so grob und ungefüge wie etwas, das bei seiner Anfertigung nicht bis zum Ende durchdacht worden war.

Sein Geist dagegen verstand es, in Dimensionen vorzudringen, die Menschen verwehrt blieben, und strafte den unbeholfenen, äußeren Eindruck Lügen. Für ihn waren die Terraner Spurdenker, er selbst dagegen ein Unendlichdenker.

Sichu Dorksteiger betrat den Abstrahlbereich unter dem Gitternetz. Der Transmitter war für drei Personen ausgelegt, maximal vier. Ein Kelosker, Naat oder Haluter hätte sich bücken müssen, um erfasst zu werden. Rhodan wartete, bis sie in der Gegenstation angekommen war, dann lenkte er die Schwebeliege mit Chuv in den Käfig. Sie passte gerade so hinein.

Rhodan sah zu, wie die Leiche verschwand.

 

*

 

»Es war...