Heinrich der Löwe - Biographie

von: Joachim Ehlers

Siedler, 2009

ISBN: 9783641011000 , 496 Seiten

Format: ePUB, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 19,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Heinrich der Löwe - Biographie


 

Der Sturz (S. 317-318)

Der Friede von Venedig Seit dem Ende des sächsischen Krieges und der Reise nach Jerusalem mit den beiden Besuchen beim oströmischen Kaiser sah sich Heinrich der Löwe stärker als jemals zuvor. Aus der Position des mächtigsten weltlichen Reichsfürsten hatte er 1176 den Wunsch des Kaisers nach Hilfe im Kampf gegen die lombardischen Städte nicht erfüllt und Friedrich damit auch die Auseinandersetzung mit Papst Alexander III. erschwert, denn das Schisma konnte nur dann im Sinne des Kaisers beendet werden, wenn zuvor die mit Alexander verbündeten Städte besiegt wurden. Wohl noch im Februar 1176 schickte Friedrich von Pavia aus Briefe an alle Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte, Herzöge, Markgrafen und Grafen im Reich und wandte sich dabei mit besonderem Nachdruck an die geistlichen und weltlichen Fürsten Sachsens.

Er forderte sie zur Heerfahrt nach Italien auf, und Erzbischof Philipp von Köln lud als Sachwalter des Kaisers zu einem Fürstentag, auf dem er den Feldzug gegen die Lombarden beschwören ließ.1 Bald darauf, Mitte Mai 1176, konnte der Kaiser bei Serravalle im Bleniotal etwa zweitausend Ritter empfangen, die ihm von den Erzbischöfen Philipp von Köln und Wichmann von Magdeburg, Bischof Konrad von Worms und Adligen aus dem Niederrheingebiet zugeführt wurden. Friedrich war den deutschen Truppen entgegengezogen und wollte sie nach Pavia leiten, als er in den frühen Morgenstunden des 29.

Mai bei Legnano nordwestlich von Mailand auf ein Heer des Lombardenbundes traf, das die Städte Piacenza, Verona, Brescia, Novara, Vercelli, Lodi und die Mark Verona zusammengebracht hatten. Eher spontanes Geplänkel der Vorhuten entwickelte sich zu einer stundenlangen Schlacht, in der die deutschen Ritter die Reiterei der Lombarden im ersten Ansturm überrannten, danach aber an den langen Spießen des hinter großen Schilden abgeduckten Fußvolks scheiterten, das sich um den Car roccio geschart hatte, den Mailänder Fahnenwagen. Der kaiserliche Bannerträger wurde aus dem Sattel gestoßen und von Hufen zu Tode getreten, auch der Kaiser stürzte vom Pferd und blieb längere Zeit verschwunden, so daß sich sein Heer unter hohen Verlusten auflöste.

Erst Tage später erreichte Friedrich mit kleinem Gefolge Pavia, wo die Kaiserin Beatrix ihn schon im Trauergewand erwartet haben soll. Mehrere Fürsten gerieten in Gefangenschaft und wurden in Mailand festgehalten, so Herzog Berthold von Meranien, Graf Philipp von Flandern, der Neffe der Kaiserin, und der Bruder Erzbischof Philipps von Köln, Graf Goswin von Heinsberg. Wertvolle Waffen, Pferde, Schmuck und liturgisches Gerät wurden zur Beute der Städter, aus dem persönlichen Besitz des Kaisers nahmen sie Schild, Banner, Kreuz und Lanze.2 Entschieden zu Unrecht ist die Bedeutung der Schlacht von Legnano in der deutschen Geschichtswissenschaft immer wieder heruntergespielt worden.

Dabei hatten sich die Lombarden zu einer offenen Feldschlacht gestellt, wie sie nach allen Erfahrungen mittelalterlicher Kriegstechnik tunlichst vermieden werden sollte, und sie hatten nicht nur standgehalten, sondern auch einen glänzenden Sieg errungen, der zwar keine Vernichtung des Gegners mit sich brachte, wohl aber einen empfindlichen Prestigeverlust derer, die sonst gern das Argument des Schwertes über das Geklingel der Worte und die Winkelzüge der Juristen stellten.

Von den Zeitgenossen sind die Konsequenzen denn auch richtig eingeschätzt worden, Friedrich Barbarossa hat den Tag von Legnano als Wende seiner italienischen Kriege ansehen müssen, denn jetzt beschlossen die deutschen Bischöfe, den schon so lange anhaltenden Konflikt zwischen Kaiser und Papst »zur Eintracht und zum Frieden zurückzuführen« (in concordiam et pacem reducere). Jahrelang hatte Friedrich sie auf Hoftagen genötigt und mit Rundschreiben bedrängt, seine Päpste gegen die Bedenken der meisten und trotz der Überzeugung vieler zu stützen. Jetzt war es genug. Auch bislang loyale weltliche Fürsten drängten den Kaiser zum Friedensschluß mit Alexander III.