Perfect Passion - Berauschend - Roman

von: Jessica Clare

Bastei Lübbe AG, 2016

ISBN: 9783732523030 , 350 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

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Preis: 8,99 EUR

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Perfect Passion - Berauschend - Roman


 

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Wenn es ein Geschenk gab, das Kylie Daniels der Welt gern gemacht hätte, dann wäre es die Fähigkeit, die tollsten Augenbrauen zu malen. Doch die Brauen der Frau vor ihr waren furchtbar. Sie sah aus, als hätte sie ihre dünnen schwarzen Augenbrauen in betrunkenem Zustand mit dem Edding aufgemalt – für ihr schmales Gesicht waren sie deutlich überdimensioniert. Und was sollten diese kleinen Kommata, die sie da am Ende gemacht hatte? Großer Gott …

Was nicht heißen sollte, dass Kylie Make-up-Expertin war, aber … Na gut, sie war eine. Eine Expertin für Make-up. Sie war ausgebildete Kosmetikerin, hatte schon mit Sängerinnen und für Bühnenproduktionen gearbeitet und konnte mit den richtigen Pinseln selbst die größten Poren verschwinden lassen.

Aus genau diesem Grund saß sie an diesem wunderschönen Julinachmittag auch im Büro von Dirty Dollar Records und schwitzte unglaublich, während sie darauf wartete, zu ihrem Vorstellungsgespräch gerufen zu werden. Eine Freundin, die mehrere Prominente frisierte, hatte erwähnt, dass ein Plattenmanager eine Make-up-Künstlerin suchte, die diskret, erfinderisch und bereit wäre, mit seiner Klientin auf Tour zu gehen. Dank der Freundin einer Freundin hatte Kylie den Termin für dieses Vorstellungsgespräch bekommen, und jetzt saß sie hier und konnte nur hoffen, dass ihr Schweiß nicht während der Wartezeit ihr Make-up ruinierte. In L.A. wollte ohnehin schon niemand eine dicke Visagistin engagieren, und erst recht nicht, wenn sie auch noch schrecklich aussah. Schließlich war das Make-up doch Kylies Visitenkarte. Sie musste immer verdammt gut aussehen, damit man ihre Fähigkeiten nicht infrage stellte. Anstatt also dezent und züchtig aufzutreten, wie man es normalerweise bei einem Vorstellungsgespräch machte, hatte sie alles gegeben. Sie trug ein enges, marineblaues Kleid mit eckigem Ausschnitt und eng anliegendem, ausgestelltem Rock sowie knallrote hochhackige Schuhe. Der ganze Look war ziemlich retro, und sie hatte einen Teil ihres blond gefärbten Haars zu zwei dicken Rollen eingedreht und diese hochgesteckt, während der Rest auf ihre Schultern herunterfiel. Ihr Make-up war ebenfalls sehr auffällig. Ihre Augenbrauen bildeten eine geschwungene Linie über den Augen, die sie tiefschwarz umrandet hatte, wobei der Eyeliner ziemlich dramatisch wirkte. Außerdem hatte sie ihre Katzenaugen durch weiße Akzente betont. Sie trug falsche Wimpern, um diese dichter wirken zu lassen, hatte nur wenig Rouge aufgetragen, damit ihr porzellanfarbener Teint zur Geltung kam, und einen Lippenstift in dunklem Kirschrot benutzt. Zwei Kirschohrringe und eine mit Kirschen verzierte Halskette komplettierten das Ensemble.

Alles in allem war das schon ziemlich kitschig, aber sie stellte sich ja auch vor, um die neue Visagistin von Daphne Petty zu werden, und Daphne Petty konnte man nun auch nicht gerade als unauffällig bezeichnen. Sie war in der Musikszene bekannt für ihre schlüpfrigen Texte, ihre grellen Bühnenkostüme und weil sie ein Partygirl war. Es machte ganz den Anschein, als wäre es ein großer Spaß, mit ihr auf Tour zu gehen.

Das hoffte Kylie zumindest. Schlimmer als mit der Diva, die sie zuletzt auf ihrer Asientour begleitet hatte, konnte es kaum werden. Die Sängerin hatte darauf bestanden, dass ihre Angestellten stets Weiß trugen und nur den Mund aufmachten, wenn man sie ansprach. Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten war Kylie gefeuert worden, weil – wie man ihr erklärt hatte – die Sängerin nicht mochte, dass Kylie »nicht auf ihr Aussehen achtete«, und weil es ein schlechtes Licht auf sie werfen könnte, wenn sie so jemanden in ihren Diensten hatte.

Mit anderen Worten: Du bist zu fett, und das ist mir peinlich. Es tat zwar noch weh, aber Kylie gab sich die größte Mühe, es zu vergessen. Zumal sie die Zurechnungsfähigkeit von jemandem, der einen mit Diamanten besetzten Toilettensitz mit auf Tour nahm, ohnehin nicht als besonders hoch einschätzte.

Daher saß Kylie jetzt hier, war wieder arbeitslos und hoffte das Beste.

»Miss Daniels?«, rief eine Stimme, und Kylie stand auf und nahm ihren altmodischen Hutkoffer in die Hand.

Sie holte tief Luft, um ihre Nervosität zu bekämpfen, und richtete rasch ihre Kleidung, dann reichte sie dem Mann, der sie erwartete und mit finsterer Miene anstarrte, eine Hand. »Kylie Daniels«, stellte sie sich mit ruhiger, selbstsicherer Stimme vor, obwohl er sie so seltsam musterte. Dieser Mann war ganz klar konservativ, und sie konnte nur hoffen, dass seine Klientin das nicht war.

»Schön, dass Sie kommen konnten«, meinte er und führte sie in das Büro. »Ich bin Mr Powers. Bitte folgen Sie mir.«

Sie folgte ihm mit ihrem Kosmetikkoffer in der Hand und verkniff sich einen Wutanfall, als er am Fahrstuhl vorbeiging und auf das Treppenhaus zuhielt. Ja, klar, lass die Dicke mit ihren hochhackigen Schuhen ihren fünfzehn Kilo schweren Make-up-Koffer ruhig die Treppe hochschleppen. Dann würde es ihn hoffentlich auch nicht stören, dass sie ein bisschen durchgeschwitzt war, wenn sie oben ankamen.

Mr Powers’ Büro lag im vierten Stock, und als sie es betraten, war Kylie außer Atem und schwitzte aus allen Poren. Das war nicht gerade der Eindruck, den sie bei einem Vorstellungsgespräch erwecken wollte, aber dagegen ließ sich jetzt auch nichts mehr machen. Während des Wegs nach oben hatte Mr Powers keinen Ton gesagt, aber jetzt geleitete er sie in einen Konferenzraum und lächelte höflich.

Sie trat ein, stellte ihren Koffer auf den Tisch und setzte sich auf einen Stuhl, um zu warten. Powers ging und kam eine Minute später mit einem Stapel Papier und einem Stift zurück. »Wir möchten Sie darum bitten, diese Verschwiegenheitserklärung zu unterschreiben, Miss Daniels, da sich die Plattenfirma große Sorgen um das öffentliche Image von Miss Petty macht.«

»Aber natürlich«, murmelte Kylie und griff nach dem Stift. Sie hatte etwas Ähnliches bereits für die divenhafte Sängerin unterschreiben müssen. Nachdem sie ihre Unterschrift auf das Papier gesetzt hatte, reichte sie es ihm lächelnd zurück. Sehen Sie, wie entgegenkommend ich bin?

Mr Powers ließ sich nicht auf einen der acht leeren Stühle nieder. Stattdessen zögerte er und schob sich den Papierkram dann unter den Arm. »Bevor Sie Miss Petty kennenlernen, sollten Sie einige Dinge wissen.«

»Okay.« Kylie legte die Hände in den Schoß und zwang sich, weiter zu lächeln. Sie war auf alles vorbereitet, was jetzt kommen mochte, schließlich arbeitete sie schon eine Weile in Hollywood. Die Klientin möchte nicht, dass sie von rechts fotografiert wird. Die Klientin findet, dass die Farbe Grün ihrem Chi schadet, daher trägt sie sie nicht. Sehen Sie der Klientin auf keinen Fall direkt in die Augen. Stellen Sie der Klientin immer offene Fragen, da sie von ihren Angestellten erwartet, dass sie sie fordern. Diese Klientin ist immer in ihrer Rolle, also spielen Sie einfach mit.

»Miss Petty hat ihre letzte Visagistin aufgrund von persönlichen Differenzen gefeuert.« Er vergewisserte sich, dass Kylie auch wirklich unterschrieben hatte, und blickte auf sie herab, aber sie hatte irgendwie den Eindruck, dass er nervös war. Und verlegen. Sehr seltsam. »Die Plattenfirma möchte, dass Miss Petty glücklich ist. Verstehen Sie das?«

»Aber natürlich.« Worauf wollte er hinaus?

»Jedoch möchten wir Miss Pettys Image auch aufrechterhalten. Wir sind sogar ausgesprochen besorgt, dass es Schaden nehmen könnte. Miss Pettys Image hat höchste Priorität. Und genau da kommen Sie ins Spiel.«

»O … okay?« Was will er denn jetzt von mir hören?

»Kurz gesagt: Wir bezahlen sehr viel Geld, damit während der Tour eine strahlende, wunderschöne Daphne Petty zu sehen ist. Und ich erwarte, dass Sie Ihren Beitrag dazu leisten.«

»Aber natürlich«, wiederholte sie, während ihr die ganze Unterhaltung ziemlich merkwürdig vorkam.

»Was jedoch nicht bedeutet, dass Miss Petty Sie einfach feuern kann. Das bedarf der Zustimmung der Plattenfirma.«

Oookaay … Daphne würde sie nicht feuern dürfen, wenn sie nicht miteinander auskamen, obwohl bei ihrer Vorgängerin genau das passiert war? Das war wirklich verwirrend. Aber sie lächelte weiter, auch wenn sie sich langsam Sorgen machte. »Ich glaube, damit komme ich klar.«

»Gut. Wie ich sehe, haben Sie Ihr Arbeitswerkzeug gleich mitgebracht?«

Sie tätschelte ihren Koffer. »Natürlich.«

»Wir möchten Sie bitten, Miss Petty zu schminken. Sozusagen als eine Art Einstellungstest.«

Sie hatte schon seltsamere Anfragen bekommen. »Das ist kein Problem. Gibt es einen bestimmten Look, den Miss Petty bei der neuen Tour anstrebt?«

Mr Powers schnitt eine seltsame Grimasse. »Gesund. Wenn sie gesund aussieht, sind wir schon zufrieden.«

Gesund? »Ich kann ihrer Haut bestimmt zu einem natürlichen Strahlen verhelfen.«

»Hervorragend.« Er lächelte sie angespannt an. »Dann sage ich Miss Petty jetzt Bescheid, dass Sie hier sind.«

»Danke«, murmelte Kylie, und Mr Powers ließ sie im Konferenzraum allein. Die Klimaanlage lief glücklicherweise auf Hochtouren, daher war es hier nicht so warm. Kylies schweißnasse Stirn trocknete langsam, und während sie auf Daphne Petty wartete, sah sie sich die Poster an den Wänden an, die von vorangegangenen Touren stammten, sowie die goldenen und Platinschallplatten. Dies war ein großer Schritt und ein guter Job, und sie konnte nur hoffen, dass Daphne kein Problem mit Kylies nicht hollywood-tauglichem Hintern hatte.

Irgendwann wurde ihr jedoch langweilig. Die Zeit verstrich, und sie stellte fest, dass sie schon seit fünfundvierzig Minuten im Konferenzraum saß,...