Fünf Freunde - Gefahr im Bergwerk

von: Enid Blyton

cbj Kinder- & Jugendbücher, 2015

ISBN: 9783641178079 , 160 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 7,99 EUR

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Fünf Freunde - Gefahr im Bergwerk


 

Hollow Heights

Am nächsten Morgen hatte sich der Nebel ein wenig gelichtet. Doch die Sonnenstrahlen kämpften sich nur mühsam durch den Dunst in den höheren Luftschichten. Diffuses Licht hatte sich über die Felsenbucht gelegt.

Gestärkt mit einem leckeren Frühstück überlegten die Freunde im Garten des Felsenhauses, was sie tun sollten.

»Wir könnten zum Strand gehen und schauen, ob neues interessantes Strandgut angeschwemmt wurde«, schlug Georg vor.

Die anderen zuckten die Schultern. Das konnten sie natürlich immer machen, aber so recht Lust hatte heute keiner dazu – außer Tim, der das Wort Strand gehört hatte und sofort unruhig wurde.

»Als wir hierhergefahren sind, habe ich am Straßenrand ein Hinweisschild auf eine Reptilienausstellung gesehen. Ich glaube im Heimathaus soll die sein«, sagte Anne. »Was haltet ihr davon?«

Julius drehte sich ruckartig um. »Was ich davon halte? Nichts. Reptilien gehören in ihren natürlichen Lebensraum oder in den Zoo, wenn sie schon in Gefangenschaft leben müssen. Aber nicht in kleine Terrarien, wo sie angegafft werden.«

Anne fühlte sich angegriffen. »Ist ja schon gut. War ja nur ein Vorschlag.« Sie erinnerte sich selbst noch gut daran, wie sie einem Händlerring auf die Spur gekommen waren, der illegalen Handel mit geschützten Tieren betrieben hatte.

Krächzend flogen ein paar Saatkrähen über den Garten. Und plötzlich musste Julius an den finsteren Backsteinbau denken, von dem er tags zuvor gelesen hatte. »Leute, was haltet ihr davon, wenn wir diese alte Ziegelei mal suchen und uns da umschauen?«

»Was denn für eine alte Ziegelei?«, wollte Richard wissen.

Julius berichtete von dem Buch über die Geschichte der heimischen Wirtschaftsbetriebe und dem Kapitel über die alte Ziegelei, die ihren Betrieb längst eingestellt hatte.

»Und was sollen wir da?«, fragte Richard naserümpfend.

»Mensch, du sprühst ja regelrecht vor Abenteuerlust!«, spottete sein Bruder. »Wo hast du denn deinen Pioniergeist gelassen? Hast du denn einen besseren Vorschlag?«

Den hatte Richard nicht.

Auch Anne reizte der Gedanke wenig, kilometerweit mit dem Rad zu fahren, um sich irgendeine Ruine anzusehen. Andererseits war ihr Vorschlag ja nun auch nicht gut angekommen.

Georg zuckte die Schultern. »Nein, im Ernst, warum nicht? Gucken können wir ja wenigstens mal. Ich bin noch nie dort gewesen, obwohl ich natürlich weiß, dass es hier früher mal eine Ziegelei gegeben hat.«

»Weißt du denn, wie man da hinkommt?«, fragte Julius.

»Nur so ungefähr«, gab Georg zu. »Wir schauen uns das am besten mal auf der Karte an. Liegt aber ein Stück weit außerhalb.« Der letzte Satz klang wie eine Vorwarnung.

Anne seufzte. »Dann frage ich Tante Fanny nach ein bisschen Proviant, okay?«

»Ja, mach das«, sagte Georg. »Aber sag ihr lieber nicht, wo wir hinwollen. Sie macht sich sonst bestimmt Sorgen, wir könnten verbotenes Terrain betreten und in Schwierigkeiten geraten.«

»Geht klar«, antwortete Anne. »Ich sage ihr einfach, dass wir eine Radtour machen wollen, was ja noch nicht einmal gelogen ist.«

»Gut«, warf Richard ein. »Und ich gehe mal in den Schuppen und schau, ob die Räder ausreichend Luft haben.«

»Meins ganz bestimmt«, rief Georg, bevor sie mit Julius im Haus verschwand, um nach der Karte zu suchen. »Ich bin gestern noch damit gefahren.«

Die Karte hatten sie schnell gefunden. Sie lag in der Kommodenschublade im Flur. »Komm, wir nehmen sie mit in mein Zimmer«, flüsterte Georg.

Julius zwinkerte ihr zu. Klar, Tante Fanny sollte ja nichts von ihrem Vorhaben mitbekommen.

In Georgs Zimmer hockten sie sich auf den Fußboden und studierten die Karte genau. Julius hatte sich die Ortsangaben gemerkt, die in dem Artikel über die Ziegelei vorkamen, und Georg hatte ohnehin schon eine ungefähre Ahnung, wo sich die Ruine befinden könnte. Sie verengte die Augen zu Schlitzen und studierte konzentriert die Bezeichnungen auf der Karte. Schließlich tippte sie mit dem Finger darauf. »Hier, das muss es sein. Hollow Heights.«

»Aber hieß das nicht Terrace Gardens?«, fragte Julius verwirrt.

»Schon«, erwiderte Georg. »So nennt sich die Straße, aber die ganze Gegend da heißt Hollow Heights.«

Julius kratzte sich an der Schläfe. »Stimmt, das kam in dem Text auch vor.« Gleichzeitig dachte er, dass Terrace Gardens so gar nicht nach dem düsteren Gebäude klang, nach dem sie suchten, sondern dass man damit eher blühende Gärten verband.

Georg zog die Schultern hoch. »Das bedeutet aber auch, dass wir ein gutes Stück bergauf fahren müssen.«

Julius grinste. »Am besten wir sagen Anne nichts davon. Sonst protestiert sie schon, ehe wir losgefahren sind.«

Georg grinste zurück. »Sie wird es schon früh genug merken.«

Richard hatte an seinem Fahrrad den größten Gepäckträger. Deshalb klemmte er sich den Picknickkorb hinten aufs Rad, den Anne mit Tante Fannys Hilfe zurechtgemacht hatte. Außerdem hatte jeder eine mit Wasser gefüllte Trinkflasche aus Metall dabei.

Die Luft war immer noch feucht, aber sie war frisch und sauber, und auch die Sonne schaffte es allmählich, ihre wärmenden Strahlen auf die Erde zu schicken.

Tim ließ hechelnd die Zunge aus dem Maul hängen, während er neben den Rädern hertrabte. Weil Anne die langsamste Radlerin war, ließen die anderen sie an der Spitze fahren und richteten sich nach ihrem Tempo. Allerdings fuhren Georg und Julius so oft wie möglich neben ihr und versuchten, sie durch nettes Geplauder abzulenken, damit sie nicht so schnell merkte, dass sie die ganze Zeit bergauf fuhren.

Doch dieser Trick klappte nicht sehr lange.

»Puh, Leute, ich kann bald nicht mehr«, stöhnte Anne und beugte sich tief über den Lenker. »Geht das denn hier nur bergauf?«

»Nicht mehr lange«, flunkerte Georg. »Aber wenn du eine Pause brauchst, dann können wir gerne eine machen.«

Aber Anne schüttelte vehement den Kopf. »Nein, wenn ich jetzt vom Rad steige und nach der Pause noch weiter bergauf fahren muss, dann klapp ich sicher zusammen. Lass uns lieber weiterfahren, bis wir oben sind. Du hast ja gesagt, es ist nicht mehr so weit«, keuchte sie.

Georg hoffte inständig, dass Annes Kräfte nicht versagten, denn es war noch ein gutes Stück bis zur Hügelkuppe. Keiner vergeudete jetzt mehr Kräfte mit Reden, schweigend traten sie in die Pedale, nur Tim schien der Anstieg kaum etwas auszumachen. Er trabte munter weiter.

Schließlich sprang Anne vom Rad und rief: »Ich kann nicht mehr!«

Schnaufend beugte sie sich über den Lenker, um zu Atem zu kommen.

Julius stieg ebenfalls von seinem Rad. Jetzt war es an ihm, seine kleine Schwester aufzubauen. »Kein Problem, Anne. Dann schieben wir halt alle ein Stückchen. Wir sind sicher bald da. Und denk dran: Auf dem Rückweg können wir uns fast die ganze Zeit rollen lassen.«

Anne rang sich ein gequältes Lächeln ab. Sie nahm einen großen Schluck aus ihrer Wasserflasche und schob dann tapfer ihr Rad weiter die Anhöhe hinauf.

Schließlich brach auch die Sonne richtig durch den Hochnebel, sodass die Freunde nun ordentlich ins Schwitzen kamen. Auch Tim wurde deutlich langsamer.

Doch ihre Mühen wurden belohnt. Endlich hatten sie die Kuppe erreicht, und nachdem sie auch noch ein kleines Waldstück hinter sich gebracht hatten, bot sich ihnen ein atemberaubender Blick.

Hier, auf der anderen Seite des Hügels, war der Dunst in dichten Schleiern im Tal hängen geblieben. Aus diesem ragte wie ein riesiger Drache die dunkelrote Backsteinruine der alten Ziegelei hervor. Nur die Spitze des einstmals hohen Schornsteins glänzte in der Sonne und ein Schwarm pechschwarzer Krähenvögel zog kreischend seine Kreise um das riesige Gebäude. Richard vermutete, dass es sich um Dohlen handelte.

»Wow!«, rief Georg. »Ich kann es nicht fassen, dass ich hier noch nie gewesen bin! Das ist ja ein großartiger Anblick!«

Auch Richard war fasziniert. »Hollow Heights. Wie ein verwunschenes Schloss aus einem Märchen oder so.« Er hielt sich die Hand waagerecht über die Augen und spähte in die Ferne. »Wenn das mal nicht verlockend ist!«

Nur Anne wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte. Gespenstisch kam es ihr vor, wie diese finstere Ruine da aus dem Dunst ragte. Und diese schwarzen Vögel …

Aber sie waren ja gerade deshalb hierhergekommen, und Anne wusste: Wenn die anderen sich etwas in den Kopf gesetzt hatten, dann war ihnen das nicht so schnell auszureden. »Also, ich muss sagen, Julius, du hast mit deiner Beschreibung nicht übertrieben.«

Julius legte die Stirn in Falten. »Eher untertrieben. Die Ziegelei sah auf dem Foto schon irgendwie unheimlich aus, obwohl sie da ja noch in Betrieb und voller Leben war. Aber jetzt, als Ruine, da wirkt sie noch gruseliger.«

»Dann sollten wir sie mal von Nahem unter die Lupe nehmen«, meinte Richard.

»Also los, worauf warten wir noch?«, rief Georg und war auch schon auf den Fahrradsattel gesprungen. Nun ging es das kurze Stück in rasender Fahrt hinab ins Tal, hinab in den Dunst!

»Also, das ist doch wohl absolut lachhaft!« Richard griff beherzt nach dem wackeligen Lattenzaun und rüttelte daran.

Nachdem sie von der Hauptstraße abgebogen waren, waren die Freunde auf einen holperigen Zufahrtsweg mit aufgebrochenen Pflastersteinen, zwischen denen kniehoch das Gras wuchs, gekommen. Das Fahren war hier mühselig bis unmöglich....