Fünf Freunde im Geisterwald

von: Enid Blyton

cbj Kinder- & Jugendbücher, 2015

ISBN: 9783641178062 , 160 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 7,99 EUR

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Fünf Freunde im Geisterwald


 

Camping mit kleinen Hindernissen

Die Aussicht, ein paar Tage campen zu dürfen, spornte die Freunde an, sich mit der Arbeit im Keller zu beeilen. Schon früh am Morgen begaben sie sich, gestärkt von einem kräftigen Frühstück mit Rührei und gebackenen Bohnen, nach unten und durchstöberten die letzten Kisten und Kartons.

Leider hatte Vater nun keine Zeit mehr, ihnen zu helfen, denn er musste zur Arbeit. Deshalb trugen die Freunde alles, von dem sie meinten, dass es weg könne, nach draußen in den Hof. Die Eltern wollten die Dinge später noch einmal gemeinsam durchsehen.

Schweren Herzens legte Richard einige Teile seiner alten Holzeisenbahn, die hoffnungslos kaputt waren, auf den Brennholzstapel im Schuppen. »Na ja, ich bin ja auch kein kleiner Junge mehr«, seufzte er.

»Das meinst aber nur du selbst!«, grinste Julius.

Anne meinte, ihren Bruder in Schutz nehmen zu müssen. »Ich kann verstehen, dass Richard sich ungern von der Eisenbahn trennt.«

Georg verdrehte die Augen. »Sehen wir lieber zu, dass wir hier fertig werden und uns um unsere Ausrüstung kümmern können.«

»Ein paar von Vaters alten Pfadfindersachen liegen schon da drüben bereit«, erklärte Julius. »Das Zelt zum Beispiel.«

Anne rümpfte die Nase. »Ich hoffe, ihr kommt nicht auf die Idee, den Schlafsack einzupacken. Der müsste vorher wenigstens mal gewaschen werden.«

Aber Richard winkte ab. »Quatsch! Der muss nur mal ein bisschen auslüften.«

Anne wusste, dass es wenig Sinn hatte, zu versuchen, ihn eines Besseren zu belehren. Solange sie selbst nicht in den Schlafsack kriechen musste, sollte ihr das recht sein.

Als der Vater in der Mittagspause zum Essen heimkam, waren die Freunde fertig. Die Eltern brauchten nur einen kurzen Blick auf das Sammelsurium zu werfen, um zu entscheiden, dass der gesamte Krempel auf den Müll konnte.

»Ein Kollege leiht mir einen Anhänger«, erklärte der Vater. »Da packen wir heute Abend alles drauf und bringen es morgen zur Müllkippe.«

Enttäuscht blickten die Freunde auf ihre Zehenspitzen und schwiegen. Keiner mochte etwas einwenden, aber allen vier ging derselbe Gedanke durch den Kopf: Wenn sie am Abend noch helfen mussten, den Anhänger zu beladen, und am nächsten Tag noch mit zur Müllkippe fahren sollten, um ihn wieder abzuladen, dann würden sie frühestens am nächsten Nachmittag aufbrechen können.

Der Vater aber rieb sich die Hände. »Fein. Ich bin froh, dass wir diese lästige Arbeit endlich in Angriff genommen haben.« Er wollte gerade wieder ins Haus gehen, als er stutzte. »Aber, was ist denn mit euch? Hab ich irgendetwas Falsches gesagt?«

Julius zuckte die Schultern. »Nein, es ist nur … Also, wir wollten doch …«

Georg war es, die sich traute, es auszusprechen. »Wir haben schließlich Ferien und wollten doch zelten. Wir möchten so gerne heut schon aufbrechen, das Wetter ist so schön und …«

Der Vater blickte einen nach dem anderen ernst an. Hätte ich mir ja denken können, schoss es Julius durch den Kopf. Erst muss das hier erledigt sein, vorher erlaubt er uns nicht aufzubrechen.

Plötzlich brach der Vater in schallendes Gelächter aus. »Na, worauf wartet ihr dann noch? Seht zu, dass ihr eure Ausrüstung zusammensucht, und dann ab mit euch.« Er wischte sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel. »Ihr hättet sehen müssen, wie drollig das aussah, wie ihr mit euren betretenen Mienen dagestanden habt. Ihr müsst entschuldigen, aber ich hatte total vergessen, dass ihr zelten gehen wollt. Also, die Sache hier mit dem Anhänger, die kriege ich wirklich allein hin.« Er zwinkerte ihnen verschwörerisch zu. »So als alter Pfadfinder.«

»Danke, Vater!«, rief Julius erleichtert. »Ehrlich gesagt, habe ich auch jetzt erst einmal genug von dem Staub im Keller und freue mich auf die frische Luft.«

»Ich kümmere mich schon mal um unseren Proviant!«, rief Anne und hüpfte fröhlich in die Küche.

»Und ich kontrolliere unsere Fahrräder«, erklärte Richard. »Nicht dass wir noch wegen einer Panne anhalten müssen.«

Julius und Georg packten das Zelt, Schlafsäcke, Isomatten, Kochgeschirr und allerhand anderes, was man zum Campen brauchte, zusammen. Auch an ein kleines Beil für Feuerholz, ihre Fahrtenmesser und die Taschenlampen dachten sie. Außerdem wollten sie ein Buch mit Gruselgeschichten mitnehmen.

»Ach, du lieber Himmel!« Anne schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als sie das alles sah und noch einen Korb mit dem Proviant dazustellte. »Wie sollen wir das alles nur auf unseren Fahrrädern transportieren?«

»Keine Sorge!«, rief Richard, der soeben aus dem Schuppen kam. »Ich habe vor Kurzem den Fahrradanhänger wieder flottgemacht. Schau, ich habe die Kupplung schon an mein Rad montiert.«

»Also, dann fehlen nur noch unsere Klamotten«, stellte Julius fest. »Packt euch robuste Sachen ein, und für abends warme Jacken.«

»Aye, aye, Käpt’n!« Georg salutierte. »Wie du weißt, besitze ich ohnehin nur ›robuste‹ und praktische Kleidung.«

Die anderen lachten, und dann flitzten sie hinauf in ihre Zimmer. Sie wollten keine Zeit verlieren.

Endlich konnten sie, jeder mit vollem Gepäckträger und einem Rucksack auf dem Rücken, aufbrechen.

»Und passt gut auf euch auf!«, mahnte die Mutter besorgt. »Es wäre schön, wenn ihr versucht, irgendwo ein Telefon zu finden, um euch zwischendurch zu melden.«

Die Freunde versprachen es und winkten zum Abschied. Gemächlich fuhren sie zwischen den Feldern dahin, auf denen das Korn in voller Reife stand. Sanft wogten die Ähren im leichten Wind. Hätte man es nicht besser gewusst, man hätte meinen können, sie bildeten eine weiche, samtene Decke.

Richard, der mit dem Anhänger am langsamsten vorankam, bildete die Spitze und gab das Tempo vor. Anne war froh darüber. Sie konnte es nicht leiden, wenn die anderen so rasten und sie kaum hinterherkam.

Tim lief mit hängender Zunge und flatternden Ohren neben ihnen und genoss es, endlich einmal wieder richtig rennen zu können.

»Bis wohin wollen wir überhaupt fahren?«, fragte Anne. »Habt ihr euch darüber schon Gedanken gemacht?«

»Natürlich haben wir das«, antwortete Julius. »Richard und ich haben gestern spät abends noch die Köpfe über der Karte zusammengesteckt.« Er tippte auf seine Lenkertasche, in die er die Landkarte hineingesteckt hatte. »Wir haben uns gedacht, wir fahren einfach eine Weile Richtung Westen. Dort scheint es in den ausgedehnten Waldgebieten einige Lichtungen zu geben. Vielleicht ist für uns das Passende dabei.«

»Wir sollten nicht zu weit entfernt von der nächsten Siedlung zelten«, erinnerte Anne. »Es ist besser, wenn für den Notfall jemand in der Nähe ist. Und ein Telefon.«

Richard drehte sich im Sattel um.

»Wenn wir dich nicht hätten, Anne. Du bist unser Gewissen!«

Anne zeigte ihrem Bruder eine lange Nase. Sollte er doch seine Späße machen.

Sie waren schon eine Weile unterwegs, als sie beschlossen, eine Rast einzulegen. Eine Sitzgruppe aus Holz, die sie an einem Parkplatz für Wanderer entdeckten, war ein schöner Platz dafür. Anne holte einen kleinen Imbiss aus dem Korb – Brote, Obst und Saft für jeden – und Julius breitete die Karte auf dem Tisch aus.

»Es ist gar nicht so leicht, den idealen Ort zu finden«, stellte er fest. »Mit den Rädern, zumal mit dem Anhänger, können wir schlecht quer durch den Wald, und dann soll es ja auch nicht zu weit abgelegen sein. Da hat Anne recht.«

»Ja, aber auch nicht zu nah am nächsten Ort oder so«, forderte Richard. »Es soll doch auch ein Abenteuer sein.«

Georg stützte sich auf beide Ellenbogen und betrachtete die Karte blinzelnd. »Was ist denn mit dieser Lichtung hier?« Sie tippte auf eine Stelle der Karte und legte den Kopf leicht schräg. »Wenn ich das richtig interpretiere, dann verläuft dort ein Weg durch den Wald, der eine Verbindung zwischen dieser Lichtung und dem kleinen Kaff da darstellt. Fragt sich nur, wie der Weg beschaffen ist und was auf dieser Lichtung da los ist.« Georg zwinkerte. »Wenn es sich um eine Bullenweide handelt, haben wir Pech.«

Anne runzelte die Stirn. Ihr kam der Weg ziemlich lang vor. »Wie weit ist es denn bis da noch?«, fragte sie. »Wir müssten dann ja noch das Zelt aufbauen. Vorausgesetzt, die Lichtung eignet sich. Und …«

Julius legte ihr die Hand auf die Schulter. »Mach dir mal keine Sorgen, Anne. So weit ist es nicht mehr. Und das mit dem Zeltaufbauen ist ruck, zuck gemacht.«

Anne seufzte und begann, die Reste des Proviants zusammenzupacken. Wenn Julius da mal recht behielt. Es war besser, rasch aufzubrechen.

Was sie nicht bedacht hatten war die Tatsache, dass sie nun ein gutes Stück bergan fahren mussten und deshalb nur langsam vorankamen. Sie hatten die Karte nicht gründlich genug studiert und infolgedessen die Höhenlinien übersehen. Die Strecke zog sich dahin, und Anne hatte Sorge, dass sie die Kräfte verlassen würden. Außerdem: Was wäre, wenn sie irgendwo im Wald in die Dunkelheit gerieten? Aber sie wollte nicht als Memme dastehen und trat tapfer weiter in die Pedale.

»Ich glaube, hier ist es!«, rief Richard endlich, nachdem Anne schon beinahe die Hoffnung aufgegeben hatte, überhaupt den Weg zu der Lichtung zu finden. Er machte eine Vollbremsung, sodass sein Bruder ihm beinahe in den Anhänger gekracht wäre.

»Mensch, pass doch auf!«, maulte Julius.

Dann bogen sie in den Wald ein. Die Räder rumpelten über den unebenen Boden....