Perfect Passion - Feurig - Roman

von: Jessica Clare

Bastei Lübbe AG, 2015

ISBN: 9783732514007 , 335 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

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Preis: 8,99 EUR

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Perfect Passion - Feurig - Roman


 

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Das Timing von Griffin Verdis persönlichem Assistenten Schrägstrich Diener hätte nicht schlimmer sein können. »Was soll das heißen, du hast die Windpocken?«

»Es heißt genau das, was es heißt«, sagte Kip Rothwell ins Telefon und klang entsprechend betreten. »Der Arzt hat mir versichert, dass ich in zehn Tagen nicht mehr ansteckend bin. Seiner Meinung nach sollte ich so lange in ein Hotel gehen, da Sie jetzt auf gar keinen Fall krank werden dürfen.«

»Das kann nicht Ihr Ernst sein!«, erwiderte Griffin. »Sie sind zehn Tage lang ansteckend? Wir wollen morgen nach Bellissime. Ich kann nicht ohne meinen Assistenten reisen.«

»Das ist mir bewusst, Sir, aber ich kann leider nichts dagegen tun.«

Vor lauter Wut auf seinen langjährigen persönlichen Assistenten legte Griffin auf. Kip arbeitete jetzt seit zehn Jahren für Griffin, seit Griffin sich damals als Achtzehnjähriger entschieden hatte, in den Staaten zu studieren. Griffins Mutter hatte darauf bestanden, ihm einen Haufen Dienstboten an die Seite zu stellen, wie es sich für seinen Stand geziemte, doch bis auf Kip hatte er alle entlassen. Irgendjemand musste schließlich seine Kleidung aufhängen und ihn herumfahren.

Und jetzt, wo er seinen Assistenten am dringendsten brauchte, ließ dieser ihn im Stich.

Griffin starrte den Zeitschriftenstapel auf seinem mit Papieren überladenen Schreibtisch an. Unter einer Ausgabe von Scientific American und Archaeology Today lag ein Heft der Bellissime National News, die er importiert hatte. Das Time Magazine obendrauf machte mit derselben verdammten Schlagzeile auf.

COUNTDOWN ZUR HOCHZEIT DES JAHRHUNDERTS stand da in dicken Großbuchstaben. Darunter prangte ein Foto seiner Cousine, der Kronprinzessin Alexandra Olivia III., Herzogin von Beaulac und rechtmäßige Erbin des Throns von Bellissime, und ihres Verlobten, des Hollywood-Actionstars Luke Houston.

Ihre Königliche Hoheit heiratete nicht nur einen bürgerlichen Amerikaner, sondern überdies noch einen sehr berühmten, was wiederum bedeutete, dass sowohl die amerikanischen als auch die Zeitungen aus Bellissime ausgiebig über dieses Ereignis berichten würden.

Was ausgesprochen nervtötend war.

Da es sich bei dem bevorstehenden Event um die Hochzeit der Prinzessin von Bellissime handelte, war jeder Verdi, Griffin eingeschlossen, zu sämtlichen Feierlichkeiten eingeladen. Zwar konnte er sich der meisten seiner mit seinem Titel verbundenen Pflichten entziehen, da er der unbedeutende jüngere Sohn war und in den Staaten lebte, aber zu der Hochzeit musste er hingehen. Die Königsfamilie würde sich bis zum letzten, um mehrere Ecken entfernten Verwandten, der eigentlich etwas Besseres zu tun hatte, in Bellissime versammeln und Hoheit Alexandras Hochzeit feiern. Griffin rechnete damit, sich eine Woche lang erbärmlich zu fühlen, Paparazzi auszuweichen, für Fotos zu lächeln (er hasste es, fotografiert zu werden) und allen Prinzessinnen aus dem Weg zu gehen, die seine Mutter in seine Richtung dirigierte.

All das würde jetzt noch sehr viel schlimmer werden, da sein treuer Assistent und Reisegefährte nicht an seiner Seite war. Er brauchte jedoch einen Assistenten. Griffin konnte seine eigenen Termine nicht im Kopf behalten, außerdem ziemte es sich laut seiner Mutter für ein Mitglied des Königshauses nicht, sich um so etwas selbst zu kümmern. Hätte seine Mutter gewusst, dass sein einziger Assistent ihn soeben im Stich gelassen hatte, dann hätte sie sofort wieder ihre Bemühungen aufgenommen, ihm den Lebensstil aufzuzwingen, den er so sehr hasste. Seine Mutter, Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Sybilla-Louise, war der Ansicht, dass zu einem königlichen Lebensstil ein Gefolge gehörte, und sie hatte nie weniger als sechsundvierzig Angestellte.

Aber Griffin verabscheute diese Art zu leben. Solange er alles unter Kontrolle hatte, konnte er wunderbar in seinem kleinen, mit Büchern vollgestopften Stadthaus am Rande des Central Parks leben – nur zusammen mit Kip als seinem Assistenten und einer Putzfrau, die an den Wochenenden für Ordnung sorgte. Genau so gefiel ihm sein Leben. Er konnte es nicht ausstehen, wenn ihm jeder Handschlag abgenommen wurde oder er ständig Menschen um sich hatte. Außerdem hasste er es, wenn so viel Aufhebens um ihn gemacht wurde.

Wohingegen Griffins Mutter der Meinung war, dass genau das eine Königsfamilie erst ausmachte.

Verdammt.

Er musste eine Lösung finden, und zwar schnell. Seine Mutter würde ihn durchschauen, sobald sie auch nur einen Blick auf seine Krawatte warf. Saß diese auch nur ein kleines bisschen schief, würde sie sofort zu hyperventilieren beginnen und ihm mehrere Dienstboten aufzwingen. Das ist nicht standesgemäß, würde sie dann sagen. Sieh nur, wie du dein Leben ruinierst. Ihrer Ansicht nach wäre es sehr viel leichter, wenn er einen Adlatus, einen Diener, einen Fahrer und mehrere Dienstmädchen einstellte, und schon würde Griffin bei jedem Schritt über Menschen stolpern, die sich nützlich machen wollten. Er hätte überhaupt keine Ruhe mehr. Sein Loft wäre voller Zimmermädchen, Butler und … Er schauderte bei der Vorstellung.

Griffins Handy summte. Er griff rasch danach, weil er hoffte, Kip hätte ihm eine SMS geschickt, weil er nach dem Gespräch mit Griffin noch einmal mit dem Arzt gesprochen hatte und jetzt doch mitfliegen konnte. Weil er jetzt in Griffins Stadthaus zurückkehren würde und das alles ein riesiges Missverständnis war.

Sir, ich habe die Agentur angerufen und um eine Vertretung gebeten. Ich halte Sie auf dem Laufenden. Und ich habe eine Reihe von hochwertigen Clipkrawatten bestellt, die heute Nachmittag geliefert werden.

Großer Gott. Es gab nur eine Sache, die seine Mutter noch schlimmer finden würde als eine schief sitzende Krawatte: eine Clipkrawatte.

Er musste dringend etwas unternehmen.

***

»Ich bitte um die Einsätze, meine Herren.« Reese warf seine Spielchips in die Tischmitte. »Wir sollten mal in die Gänge kommen. Manche von uns wollen nicht die ganze Nacht hier verbringen.«

»Früher hat dich das nie gestört«, knurrte Jonathan und machte ebenfalls seinen Einsatz. »Hat dich die Ehe etwa zu einem alten Mann gemacht?«

»Nein«, erwiderte Reese amüsiert. »Ich bin nur begierig darauf, nach Hause zu kommen und meine Wildkatze zu sehen. Die Schwangerschaft regt die Hormone einer Frau unglaublich an, müsst ihr wissen.« Er wackelte suggestiv mit den Augenbrauen.

»Bitte erspar uns die Einzelheiten«, flehte Cade und schnitt eine Grimasse, während er seinen Einsatz in die Tischmitte schob. »Ich kenne Audrey von klein auf, und ich möchte wirklich nichts über ihre Hormone hören.«

»Bist du eifersüchtig?«, fragte Reese grinsend und stieß Griffin an, der auf seiner anderen Seite saß. »Bist du dabei, Kumpel?«

»Hm?« Griffin sah von seinem Handy auf, da er gerade mit gerunzelter Stirn Kips SMS gelesen hatte. Sie bestand aus zwei einfachen Worten: kein Glück. Verdammt noch mal! »Ich gehe mit.« Nur mit Mühe konnte er sich auf das Kartenspiel konzentrieren.

Logan machte ebenfalls seinen Einsatz und musterte Griffin mit irritierter Miene. »Ist alles okay?«

»Nur kleinere Familienprobleme«, erwiderte Griffin säuerlich und griff nach hinten, um die Cognacflasche vom Tisch mit den Getränken zu nehmen. Die anderen bevorzugten Whisky, aber er trank lieber etwas Sanfteres. Er machte sich nicht die Mühe, sich etwas einzuschenken, sondern schraubte nur die Flasche auf, wirbelte die Flüssigkeit darin herum und trank einen Schluck.

Jetzt zog Logan beide Augenbrauen hoch. »Ich bin mir ziemlich sicher«, begann er, »dass es so etwas wie ›kleinere‹ Familienprobleme nicht gibt. Zumindest nicht meiner Erfahrung nach. Geht es um Geld?«

»Wenn’s das doch nur wäre.« Könnte er seiner Familie ein paar Millionen Dollar zuwerfen, damit sie daraufhin verschwände, er würde es mit Freuden tun. Wieder trank Griffin einen Schluck Cognac und überlegte, ob Whisky nicht doch die bessere Entscheidung gewesen wäre.

Reese teilte die Karten aus. »Wo steckt Hunter heute eigentlich?«

»Gretchen sagte, er wäre unterwegs«, antwortete Logan achselzuckend. »Vermutlich steckt er im Verkehr fest.«

Jonathan nahm seine Karten in die Hand und warf Griffin einen neugierigen Blick zu. »Bist du nervös wegen der Ortsbegehung?«

»Welcher Ortsbegehung?«

»Bei der Ausgrabung, die wir finanzieren. In Spanien.« Jonathan schien überrascht, dass Griffin das vergessen hatte. »Wir wollten doch morgen früh hinfliegen und uns die Fortschritte ansehen. Du weißt doch, dass sie einen vielversprechenden Münzsatz gefunden haben.«

»Verdammt.« Daran hatte er gar nicht mehr gedacht. »Ich kann nicht mitkommen, ich muss zu dieser königlichen Hochzeit.«

Die anderen Männer stöhnten mitfühlend. »Mann, das wird vermutlich eine üble Tortur«, meinte Reese.

Griffin konnte ihm nur zustimmen.

Jonathan runzelte die Stirn. »Du lässt mich hängen, Mann? Aber ich …«

Die Tür am oberen Ende der Treppe wurde geöffnet, und die fünf Männer drehten sich um und hatten die Unterhaltung auf einen Schlag vergessen.

Hunter kam in einer dicken Jacke, mit einem Schal um den Hals und mit einer Packung Taschentücher in der Hand die Treppe herunter. Seine Nase war rot, seine Augen wirkten trübe, und die hässlichen Narben in seinem Gesicht traten deutlich hervor. Er nieste.

Direkt hinter Hunter kam seine Freundin Gretchen herein, die ein besorgtes Gesicht machte. »Brauchst du noch mehr Grippemedizin, Schatz?«

Sie sah aus, als wäre eigentlich sie die Kranke. Ihr leuchtend rotes...