Nylons - Gewagtes Spiel - Erotische Phantasien - Band 1

von: Nora Schwarz

venusbooks, 2015

ISBN: 9783958850859 , 80 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

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Preis: 2,99 EUR

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Nylons - Gewagtes Spiel - Erotische Phantasien - Band 1


 

Kapitel 2


Greta musste mit anderen Verhafteten auf einen Lastwagen steigen, der sie ins Präsidium in der Friesenstraße im amerikanischen Sektor brachte. Sie wusste, was jetzt kam. Einer der Jungen, die sonst Schmiere standen, hatte ihr das Prozedere einmal erzählt. Sie seufzte leise. Die Vorstellung, dass sie ihr ihre Errungenschaft wegnehmen würden, machte sie traurig und wütend. Und wenn sie deswegen im Gefängnis landete? Ihr wurde abwechselnd heiß und kalt. Ja, der Schwarzmarkthandel verstieß gegen das Versorgungsgesetz. Aber … aber das, was sie gekauft hatte, war für viele Berliner absolut uninteressant. Es war weder Penicillin aus Armeebeständen noch etwas anderes Heikles.

Um sie herum hörte sie das Murren und Schimpfen der anderen. Ein paar überraschend fein gekleidete junge Frauen waren ebenfalls unter den Verhafteten. Eine von ihnen trug eine kompliziert aufgesteckte Abendfrisur, die die Festnahme seltsamerweise unbeschadet überstanden hatte. Greta selbst verbarg ihr schulterlanges Haar unter einer Wollmütze. Sie sah glatte, gepflegte Wollstrümpfe bei den anderen, Lederhandschuhe, sogar Lippenstift und fühlte sich mit ihrem umgefärbten Wehrmachtsmantel sehr schäbig. Blass wie sie selbst waren in diesen Tagen alle in Berlin. Aber ihre Mithäftlinge hatten mit Zichorien-Papier nachgeholfen, so dass es aussah, als wären sie mit Rouge geschminkt. Sie selbst glich durch den ganzen Schrecken und die Aufregung wahrscheinlich einem Geist.

„Ich hatte diese weiße Seidenbluse an der Angel!“, beschwerte sich eine junge, schlanke Frau. „Und jetzt? So ein Volltrottel von Schupo hat sie einfach zertrampelt!“

„Was willst du denn mit ’ner Seidenbluse, Kindchen?“, schimpfte eine ältere Dame, die doch tatsächlich einen Pelzkragen trug. „Was wir brauchen, ist Essen. Mein schönes Dosenfleisch …“

Greta beteiligte sich nicht an den hektischen Gesprächen um sie herum. Sie wollte das Kommende nur möglichst schnell hinter sich bringen.

Und wenn die Schupos, die die Befragung durchführten, nun gewalttätig wurden?

Eine halbe Stunde später saß Greta in einer geräumigen Zelle im Keller des Polizeipräsidiums und wartete, bis sie zur Befragung abgeholt wurde. Stunden vergingen. Wie viele, das wusste sie nicht. Ihre Hand wanderte immer wieder wie von selbst ins Innenfutter ihres Mantels. Wie lange würde es noch dauern, bis sie es ihr wegnehmen würden? Ihre Finger glitten durch das weiche Gewebe, gruben sich hinein, und plötzlich senkte sich eine eigenartige Ruhe über sie. Sie schloss die Augen. Sie würde ihren Schatz zwar niemals zum Einsatz bringen, niemals voll und ganz genießen, aber die Momente, in denen sie ihn einfach anfassen konnte, bargen eine ganz eigene Schönheit. Das weiche, schmeichelnde Gefühl an ihren Fingern verschaffte ihr einen gewissen Trost, auf den sie sich nun voll und ganz konzentrierte, um sich nicht von der grellen Beleuchtung der Zelle einschüchtern zu lassen.

Jemand stieß ihre Schulter an. Greta schreckte hoch. Sie musste eingeschlafen gewesen sein.

„Na, für ein Nickerchen ist das hier der falsche Platz, Fräulein!“, rief ein junger Wachmann. Ruckartig stand sie auf, man führte sie aus der Zelle. Benommen durch den Schlaf, spürte sie nun zum ersten Mal an diesem Tag eine durchdringende Kälte. Es war November, und allmählich machte sich der Winter in Berlin breit.

Es ging eine Treppe hinauf, einen langen Flur voller verschlossener Türen entlang. Am Ende klopfte der Mann an eine graulackierte Tür, wartete auf einen Befehl, den Greta nicht hören konnte, drückte die Klinke und schob sie in einen überraschend hellen Raum.

Greta brauchte eine Weile, um sich zu orientieren. Die Helligkeit kam nicht von draußen, das sah sie durch die Fenster. Wie lange habe ich geschlafen, fragte sie sich irritiert.

Unter der leicht schwankenden, grellen Lampe saß eine Gestalt am Tisch, deutete auf einen Drehhocker und schob einen Stapel Papiere zur Seite. Greta ließ sich langsam auf die schmale Sitzfläche sinken. Im nächsten Moment zuckte sie zurück.

Der Polizeibeamte war der Mann aus der Ruine.

Neben ihm standen eine Teekanne und eine dampfende Tasse. Gretas Magen zog sich zusammen. Was hätte sie jetzt für ein paar Schlucke Tee gegeben …

Der Mann betrachtete sie gleichgültig und etwas gelangweilt. Nichts deutete darauf hin, dass sie ihm auch nur ein bisschen bekannt vorkam.

Erinnert er sich gar nicht an mich?, schoss es ihr durch den Kopf.

„Also, Personalien?“, fragte er ungeduldig und nahm einen Stift zur Hand. Zögernd griff Greta in die rechte Manteltasche und holte ihre Briefbörse heraus, zog den Ausweis hervor und legte ihn in die Mitte des Tisches. Ohne sie anzusehen, notierte der Mann ihren Namen, die Adresse und fragte schließlich, die Nase schon halb in seiner Teetasse:

„Was machen Sie?“

„Wie bitte …?“

„Beruflich. Nehme nicht an, dass Sie professionelle Schwarzmarkthändlerin sind. Obwohl … so manche schöne, junge Frau wie Sie ist heutzutage abgebrühter, als es uns recht sein kann.“

Er trank genüsslich und langsam, und Greta fühlte auf einmal Wut wegen dieser unnötigen Provokation in sich aufsteigen.

„Ich bin Sekretärin bei Lüdke und Partner“, sagte sie schließlich, nicht ohne Stolz.

„Ah, Anwälte.“ Jetzt hob der Mann den Kopf und sah ihr offen ins Gesicht. Trotz der grellen Glühbirne wirkte er immer noch etwas geheimnisvoll. Nicht wie ein typischer Polizist. Ein müder, etwas spöttischer Zug lag um seinen Mund. Er ist erschöpft, dachte Greta hoffnungsvoll. Er wird es kurz machen und mich schnell gehen lassen.

Doch sie irrte sich. Denn plötzlich, als hätte jemand im Kopf des Mannes einen Schalter umgelegt, wurde sein Blick lauernd, sein Mund spannte sich an. „So, dann verdienen Sie etwa 200 Reichsmark im Monat. Ist das korrekt?“

„240“, verbesserte sie flüsternd.

„Gut, 240. Anständiges Gehalt, würde ich sagen. Aber in diesen Zeiten … Und deswegen frage ich mich auch, wie Sie sich das kleine Geschäft auf dem Schwarzmarkt leisten können.“

„Welches … welches Geschäft?“, fragte sie spitz. „Ich habe nichts gekauft. Und auch nichts verkauft!“ Sie strich sich die losen Haarsträhnen unter die Mütze, die sie immer noch trug. „Ich war zufällig dort, ich wollte …“

Der Mann lehnte sich zurück, schnalzte missbilligend mit der Zunge und betrachtete ihren Ausweis. „Es sind schwere Zeiten, Fräulein Kirke. Aber lügen, als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei? Und noch dazu so schlecht?“

„Sehen Sie irgendwelche Waren an mir?“, zischte sie.

„Noch nicht“, meinte der Mann. „Aber Sie werden sie mir zeigen, da bin ich sicher.“

Ein Schauder kroch über Gretas Rücken. Es wurde wohl doch nichts mit dem schnellen Verhör. Ich sollte einfach gestehen. Was soll schon passieren. Ich werde verwarnt, und das war’s dann. Man würde sie doch nicht einsperren, wenn man ihr gar nichts nachweisen konnte.

Oder etwa doch?

„Eine Dose Butter“, sagte sie rasch. „Ich habe sie fallen lassen.“

„Eine Dose Butter“, wiederholte der Polizist und hob den Blick. „Und eingetauscht gegen was? Großmamas Perlohrringe?“ Jetzt lachte er.

Er erhob sich und kam um den Tisch herum. Greta verkrampfte die Hände im Schoß. Die Lampe über dem Tisch schwankte leicht. Die Schritte des Mannes waren schwer auf dem Linoleumboden. Er trat hinter ihren Stuhl und verharrte. Greta versteifte sich und zog unwillkürlich den Kopf ein. Dann lagen die Hände des Mannes plötzlich auf ihren Schultern. Greta hielt den Atem an.

„Fräulein Kirke, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen, dass ich mich noch nicht vorgestellt habe. Ich dachte, das erübrigt sich irgendwie, weil ich mich heute schätzungsweise halb Berlin vorgestellt habe.“ Er lachte wieder, leise und spöttisch. „Mein Name ist Bruno Rabow. Kriminalinspektor. Sagt Ihnen das irgendetwas?“

Greta wusste sofort, wen sie vor sich hatte. In der Presse war überall davon zu hören, und sein Name war mehrmals aufgetaucht. „Sie … Sie bearbeiten den Fall mit den verschwundenen Frauen“, flüsterte sie.

Statt einer Antwort drückte Rabow kurz ihre Schultern. Plötzlich wurde Greta bewusst, wie verspannt und verkrampft sie war und wie eigenartig gut sich dieser Druck anfühlte.

„Also, Sie sehen, ich bin ein vielbeschäftigter Mann. Diese Razzia heute … Nun ja, Sie können sich sicher denken, dass es uns dabei nicht nur darum ging, ein paar Uhrenverkäufer und eine Handvoll verzweifelter Hausfrauen festzunehmen.“

Sie schüttelte den Kopf. Warum konnte Rabow ihr das nicht sagen, wenn sie vor ihm saß? Warum hatte sie das Gefühl, dass seine Hände auf ihren Schultern auf irgendetwas warteten? Sie räusperte sich.

„Waren Sie deswegen in der Ruine?“, fragte sie leise.

„Sie erwarten hoffentlich nicht, dass ich etwas dazu sage, oder?“

„Nein, Entschuldigung.“

Wieder drückte er ihre Schultern. „Wir haben diese Razzia veranstaltet, weil es um etwas Bestimmtes geht, was gewisse verdächtige Kreise auf dem Schwarzmarkt anbieten. Deswegen muss ich wissen, was Sie gekauft haben und von wem.“

Warum spricht er so höflich...