Einstieg in einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb. Marktchancen und Stolpersteine

von: Axel Gutjahr, Ina Müller, Benno Müller

TUBUK.digital, 2014

ISBN: 9783955950446 , 156 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 5,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Einstieg in einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb. Marktchancen und Stolpersteine


 

Die Auswahl der künftigen Betriebsform


Landwirtschaftliche Betriebsformen


Im Normalfall stellt jeder landwirtschaftliche Betrieb (also auch Kleinunternehmen, die im Mittelpunkt dieses Buches stehen) eine wirtschaftlich- technische Einheit dar. Diese verfügt über eine landwirtschaftlich genutzte Fläche und/oder einen Tierbestand. Die Fläche kann zur Erzeugung von klassischen Feldfrüchten, beispielsweise Getreide und Rüben, aber auch als Wiese beziehungsweise Weide sowie zum Anbau von Spezialkulturen (auch Sonderkulturen genannt) dienen. Solche Spezialkulturen sind unter anderem Tabak und Gemüse. Des Öfteren gehören zum landwirtschaftlichen Unternehmen auch ein paar Hektar Waldfläche. Diese Flächen können zur Versorgung der eigenen Wirtschaft mit Brenn- und Nutzholz dienen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, hochwertiges Stammholz zur Herstellung von Furnieren zu verkaufen. Neben der Erzeugung von Produkten kann man als Landwirt auch Dienstleistungen anbieten. So fungieren manche Betriebe als Lohnunternehmen, indem sie beispielsweise Ackerflächen für andere Landwirte bestellen oder deren Getreideernte durchführen. (Unabhängig von der Betriebsform, sind die meisten Landwirte auch an der Erzielung eines größtmöglichen Gewinns interessiert. Allerdings stellt Letztgenanntes kein zwingend notwendiges Kriterium für die Charakterisierung eines landwirtschaftlichen Betriebes dar. Dieser Aspekt wird später beim Thema „Hobbylandwirt“ ausführlicher erläutert.)

Die meisten landwirtschaftlichen Unternehmen sind als

  • Pflanzenbaubetrieb,
  • Tierproduktionsbetrieb
    oder
  • Mischbetrieb

strukturiert, wobei zwischen den einzelnen Formen oftmals fließende Übergange vorhanden sind.

Landwirtschaftliche Betriebe besitzen zumeist Flächen und oft auch einen Tierbestand

Typische Pflanzenbaubetriebe konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Erzeugung von Nahrungsmitteln und Futterpflanzen. Diese Betriebe sind bestrebt, die vorhandenen Standortfaktoren optimal zu nutzen, weil davon die Ertragshöhe in einem entscheidenden Maß abhängt. Zu diesen Standortfaktoren gehören unter anderem der Boden, die Lufttemperatur und die Dauer der durchschnittlichen Sonneneinstrahlung. Gleichzeitig sind gut arbeitende Landwirte aber auch darauf bedacht, keinen „Raubbau an der Natur“ zu betreiben, sondern einen nachhaltigen Anbau mit ressourcen- und umweltschonenden Maßnahmen durchzuführen. Beispiele hierfür sind ein sachgerechtes Düngungsmanagement und eine bedarfsgerechte Schädlingsbekämpfung.

Gut arbeitende Pflanzenbauer sind stets darauf bedacht, keinen „Raubbau an der Natur“ zu betreiben

Die wichtigste und zugleich am häufigsten anzutreffende Bewirtschaftungsform stellt der Ackerbau dar. Neben dem Ackerbau wird häufig auch Grünlandwirtschaft betrieben, denn diese liefert in den meisten Fällen den Hauptteil des Futters für Wiederkäuer und Pferde. Bezüglich der angebauten Pflanzen, lässt sich tendenziell feststellen, je höher die Gewinnaussichten beziehungsweise die durchschnittlichen Verkaufspreise je Kilogramm oder Dezitonne sind, desto größer ist auch der zeitliche Arbeitsaufwand. Einen besonders hohen Arbeitszeitaufwand erfordert fast immer der Anbau von Spezialkulturen.

Tipp:

Den Anbau der pflanzlichen Kulturen sollte man stets nur auf wenige Arten beziehungsweise Sorten begrenzen. Dadurch spart man Zeit, weil sich die Bewirtschaftung effektiver als bei einer größeren Artenzahl gestalten lässt. Der Grundsatz, sich auf wenige oder gar nur eine Art(en)/Rasse(n) zu beschränken, gilt übrigens in analoger Weise auch für Tierproduktions- und Mischbetriebe.

Typische Tierproduktionsbetriebe konzentrieren sich auf die Erzeugung von (Tieren stammenden) Nahrungsmitteln, wie etwa auf Fleisch, Milch und/oder Eier. Ähnlich wie viele pflanzliche Erzeugnisse, erfahren später auch zahlreiche tierische „Ausgangsmaterialien“ eine Aufwertung, indem sie beispielsweise zu Wurst, Käse und Joghurt veredelt werden. Dagegen hat die Erzeugung von Wolle und Jungtieren für kleinere Betriebe zumeist keine oder nur eine untergeordnete Bedeutung.

Das Futter für die Tiere wird in reinen Tierproduktionsbetrieben zugekauft. Dabei bevorzugen die Landwirte normalerweise Pflanzen, welche aus der näheren Umgebung stammen und nicht genmanipuliert sind. Außerdem spielt bei derartigen Ankäufen der Preis, der für die Futterpflanzen gezahlt werden muss, eine wichtige Rolle.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Pflanzen- und Tierproduktionsbetrieben besteht darin, dass sich in letzteren bestimmte Arbeiten nicht verschieben lassen, beispielsweise das Tränken, Melken und Füttern der Tiere. Gleichzeitig stellt die Tierproduktion einen Job dar, der an 365 Tagen im Jahr den/die Landwirt(in) im vollen Umfang fordert. Das sieht in der Pflanzenproduktion etwas anders aus. Dort entstehen während der Bestellung und Ernte oft Arbeitsspitzen, aber dafür gibt es (vor allem) in den Wintermonaten auch Zeiten, in denen tage- oder wochenweise nur wenige oder gar keine Arbeiten anfallen.

Typische Mischbetriebe bestehen aus einer Tier- und Pflanzenproduktionsstrecke. Ähnlich wie in reinen Tierproduktionsbetrieben ist auch in Mischbetrieben der Arbeitsaufwand sehr hoch. Gleichzeitig erweist sich diese Bewirtschaftungsform ebenfalls als ein Job, der an 365 Tagen im Jahr den/die Landwirt(in) in vollem Umfang fordert. Die Ursache, weshalb sich Landwirte zumeist für einen Mischbetrieb und nicht für eine reine Tierproduktion entscheiden, sind die Futterkosten. In der Regel kaufen die Mischbetriebe den Großteil des Futters nicht zu, sondern produzieren diesen selbst. Dabei sind diese Betriebe häufig bestrebt, das Sommerfutter für Wiederkäuer und Pferde nicht erst zu mähen. Stattdessen bevorzugen sie eine weitaus effektivere Variante, indem sie die Tiere direkt auf den Weiden grasen lassen. Bildlich gesprochen, wächst den Tieren dort das Futter direkt ins Maul. Durch diese Haltungsform lassen sich Zeit, Geld und Arbeitskraft einsparen. Darüber hinaus wirkt sich der Weideaufenthalt vorteilhaft auf die Gesundheit und Vitalität der Tiere aus.

Landwirt in einem Misch- und Tierproduktionsbetrieb ist ein 365-Tage-Job

Welche Betreibervarianten sind möglich?


Ein Kleinunternehmen lässt sich entweder als Hobby-, Nebenerwerbs-, Haupterwerbs- oder Vollerwerbsbetrieb bewirtschaften. Den Vollerwerbsbetrieb kann man dabei auch als eine Art „Spitzenform“ des Haupterwerbsbetriebs ansehen. Die Farbintensität im nachfolgenden Schema stellt den Einkommensanteil dar, den die einzelnen Betriebsvarianten normalerweise in ihren Unternehmen realisieren. (Je intensiver die Färbung, desto höher ist der landwirtschaftliche Einkommensanteil am Gesamteinkommen).

Tendenz wie in den unterschiedlichen Betriebsforen das Einkommen ansteigt

Die Bestrebungen von Hobbylandwirten konzentrieren sich oftmals nicht auf das Erzielen eines Gewinns. Stattdessen steht für diese Landwirte häufig das Ausleben ihrer Passion im Mittelpunkt. Zu den Hobbylandwirten gehören beispielsweise viele Pferde- und Eselhalter. Sie investieren nicht selten überdurchschnittlich viel Zeit in die Pflege ihrer Tiere, indem sie diese beispielsweise täglich reiten und striegeln. Dabei handelt es sich nicht um Produktionsarbeiten, sondern um Hobbytätigkeiten. Anders sieht es aus, wenn Hobbylandwirte Futter anbauen und/oder Heu für ihre Tiere machen. Das sind echte Produktionsarbeiten, die helfen, den Geldbeutel zu entlasten. Allerdings wird dadurch noch kein Gewinn im eigentlichen Sinne erzielt. Im Gegenteil, nicht wenige Hobbylandwirte investieren jährlich mehr oder minder große Geldsummen in ihre Passion. Dazu gehören unter anderem Kosten für die Instandhaltung des Stalls und der Weidezäume, für den Hufbeschlag sowie für Ersatz/ Reparaturen verschlissener Materialien.

Zur den Hobbylandwirten gehören viele Pferdehalter

Ein „fließender“ Übergang zum Nebenerwerbslandwirt wäre beispielsweise gegeben, wenn ein Hobbypferdehalter gelegentlich Reitstunden oder Kutschfahrten gegen Bezahlung durchführt. Damit kann er erste kleine Gewinne realisieren.

Nebenerwerbslandwirte sind Personen, deren außerbetriebliches Einkommen größer ist als das aus dem eigenen Unternehmen. Manchmal werden diese Landwirte mit Negativklischees belegt, wie etwa „Richtige Bauern arbeiten nicht im Nebenerwerb“. Aber solche Aussagen sind absoluter Unsinn. Im Gegenteil, vielerorts repräsentieren Nebenerwerbslandwirte sogar den Großteil der Landwirte und tragen erheblich zur bedarfsgerechten Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Nahrungsmitteln sowie sonstigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen bei.

Es ist ein absoluter Unsinn, dass Nebenerwerbler keine richtigen Landwirte wären

Ganz grob lassen sich die Nebenerwerbslandwirte in zwei Gruppen unterteilen. Die Nebenerwerbslandwirte der ersten Gruppe gehen hauptberuflich einem anderen Job nach und kümmern sich erst nach Feierabend sowie an den Wochenenden um ihr Unternehmen. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit, die diese Nebenerwerbslandwirte in ihren Betrieb investieren, schwank zumeist zwischen 7 und 28 Stunden. Das wichtigste Motiv für ihre landwirtschaftlichen Aktivitäten besteht darin, sich ein „zweites Standbein“ zu schaffen. Dadurch erhalten sie eine größere finanzielle Sicherheit, falls ihr „erstes Einkommen“ einmal unerwartet wegbrechen sollte. Die zweite Gruppe der Nebenerwerbslandwirte umfasst vor allem rüstige Rentner und Ruheständlern. Deren...