Make more Love - Ein Aufklärungsbuch für Erwachsene

von: Ann-Marlene Henning, Anika von Keiser

Rogner & Bernhard, 2014

ISBN: 9783954030712 , 352 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 14,99 EUR

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Make more Love - Ein Aufklärungsbuch für Erwachsene


 

LIEBE MACHEN ...

kann man lernen! Mit dieser Überzeugung nahm ich Ende 2010 Make Love. Ein Aufklärungsbuch in Angriff. Seitdem ist viel geschehen. Das Buch wurde ein Bestseller und in acht Sprachen übersetzt. Es wurde zum Buch, das die Jugendlichen verstecken mussten, damit es nicht verschwand - um später in Mamis Handtasche oder auf Papis Nachttisch wieder aufzutauchen. Schnell war also klar, dass nicht nur Heranwachsende Bedarf hatten, mehr über Sex zu erfahren. Immer häufiger erreichten mich auch Fragen von Eltern und Großeltern, und dann hörte ich oft: »Warum ist es eigentlich so wichtig, dass wir offen über Sex sprechen können? Ist das nicht Privatsache?« Ist es, aber Sex ist auch eine Form von Kommunikation, eine sehr wichtige sogar und wohl die intimste, die es gibt. Der Sexualpsychologe C. J. Ahlers hat dazu bemerkt: »Es ist eine Möglichkeit, Liebe leiblich zu erleben. Das fängt weit vor genitaler Interaktion an. Es beginnt damit, dass wir uns auf eine Art anfassen, die uns etwas bedeutet.« Leider haben die meisten von uns für diese besonders schöne Art der Kommunikation sehr wenig Bewusstsein.

DIESES BUCH MÖCHTE ETWAS BEWEGEN.

So beschloss ich, ein weiteres Buch zu schreiben, das sich mit der großen Bedeutung von physiologischem Basiswissen und sexuellen Lernprozessen beschäftigt, besonders in Bezug auf die sich verändernden körperlichen Bedingungen, Stichwort Älterwerden. Make More Love ist ein Buch für junge Alte ab Mitte vierzig, die noch lange Sex haben wollen, und auch für alle anderen, die wissen möchten, was sie - früher oder später - erwartet, ein Aufklärungsbuch für Erwachsene also, das sich besonders an Menschen in der zweiten Lebenshälfte wendet, deren Körper wieder im Umbruch ist. Denn spätestens mit Mitte vierzig kommt es wie schon in der Pubertät zu einem tief greifenden hormonellen Umbau im Körper: Bei den Männern sinkt der Testosterongehalt im Blut, was sich vor allem auf die Erektionsfähigkeit auswirkt, während das abnehmende Östrogen bei den Frauen einiges durcheinanderbringt: Beide werden von ihrem veränderten Hormonhaushalt auf den Weg in die Wechseljahre gebracht. In dieser Nachreife - einer Art zweiter Pubertät - bleibt kaum etwas, wie es war, und vieles funktioniert nicht mehr so »automatisch« wie früher einmal.

DIESES BUCH SOLL ANTWORTEN GEBEN UND WISSENSLÜCKEN SCHLIESSEN.

Warum wird sexuell Gelerntes ab fünfundvierzig besonders wichtig, und wieso sollte man spätestens jetzt darüber Bescheid wissen, wie das eigene sexuelle System funktioniert? Weil Menschen, die ihren Körper und dessen Möglichkeiten gut kennen, weniger Probleme mit den verschiedenen »Störfällen« im Alter haben. Auf den Punkt gebracht: »Was ein Mensch in der Sexualität genital gelernt hat, bekommt Einfluss darauf, ob und wie eine Diabetes, eine erektile Dysfunktion oder andere Beeinträchtigungen im Alter die Sexualität beeinflussen.« Ich arbeite in meiner Praxis nach dem Konzept von Sexocorporel, das von einem Modell sexueller Gesundheit ausgeht und nicht sexuelle Probleme in den Vordergrund stellt. Es basiert auf der Annahme, dass viele sexuelle Fähigkeiten und auch der Genuss am Sex nicht angeboren sind, sondern erst gelernt werden.*

Oft höre ich zum Beispiel von Klientinnen, die sich beim Sex eher passiv verhalten und »einfach mitmachen«, dass sie eigentlich nicht viel dabei spüren und kein besonders intensives körperliches Empfinden haben, geschweige denn einen Höhepunkt. Kein Wunder, denn auch der Weg zum Orgasmus muss erst gelernt werden! Viele Frauen sind genau deswegen in meiner Praxis - um kommen zu lernen. Männer hingegen haben eher damit zu tun, Orgasmusverzögerungsstrategien zu trainieren; auch dabei kann Übung den Meister machen.

Es gibt eine Vielzahl von Fächern, die auf dem sexuellen Lehrplan stehen könnten. »Das Spüren an sich« könnte der Titel eines Grundkurses lauten, in dessen Verlauf man lernt, sich selbst genital wahrzunehmen und auch schöne Gefühle damit zu verbinden. Weitere Themen: »Zeige ich mich gern als weibliches beziehungsweise männliches sexuelles Wesen«, aber auch »Wie lerne ich, das Geschlecht des anderen mit Lust zu verbinden?« oder »Wie verführe ich meinen Partner nach allen Regeln der Kunst?«. Nicht zu vergessen: »Kann ich meine Wünsche mitteilen und Intimität aufbauen?« Die Entwicklung dieser und vieler anderer Fähigkeiten verhilft zu mehr sexueller Selbstsicherheit.

Weil jeder Mensch sich seine sexuellen Unterrichtseinheiten im Laufe des Lebens selbst zusammenstellt, ist das System ganz individuell entwickelt, genau wie bei allen anderen Fertigkeiten, die gelernt werden, soziale Kompetenz etwa, sportliche Fähigkeiten oder Musizieren. Diese Erkenntnis zieht eine weitere nach sich: Man kann fortwährend dazu- und umlernen, immer gibt es Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung.

DIESES BUCH SOLL AUFKLÄREN UND ANREGEN.

Das klingt zunächst alles ganz einfach, doch leider verläuft dieser schöne und notwendige Lernprozess in den wenigsten Fällen wie im Lehrbuch. Im Gegenteil: Überall auf der Welt suchen Menschen Hilfe in sexual- und paartherapeutischen Praxen. Im Bett wird über die natürlichste Sache der Welt nicht gesprochen, und viele Menschen kennen den eigenen Körper und dessen Möglichkeiten noch immer nicht genau. Emotionale Barrieren wie Schuld und Scham verhindern bis heute einen freien Umgang mit der eigenen Sexualität. Wer allerdings meint, das beträfe eher die älteren Semester, der irrt. Sie mögen etwas stärker davon berührt sein, weil sie diesbezüglich oft sowohl von elterlicher als auch von gesellschaftlicher, insbesondere aber auch von kirchlicher Seite strengere Maßregeln und Moralvorstellungen vermittelt bekommen haben. Aber die Sexualtherapeuten sind sich längst einig, dass diese Themen Menschen der unterschiedlichsten Altersstufen angehen. In einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhang gesehen sind wir nämlich, was frei gelebte Sexualität angeht, auch heute noch fast alle Anfänger - trotz der »sexuellen Revolution« der 1960er Jahre. In der Vergangenheit fand Sexualität fast immer nur unter der eigenen (ehelichen) Bettdecke statt, in der Hauptsache zu dem Zweck, Kinder zu zeugen und männliche Triebe zu befriedigen. Die Libido der Frau wurde mehr oder weniger ignoriert. Es ist nur ein paar Generationen her, dass genussvoller Sex offiziell undenkbar war. Allmählich erst geriet etwas in Bewegung, jede neue Generation öffnet sich ein wenig mehr. In hundert Jahren wird die Welt hoffentlich ganz anders aussehen. Für jeden Einzelnen könnte es hingegen schon heute oder morgen besser werden. Denn dort fängt es an: in dir selbst!

Darüber hinaus kommen viele mit der Vorstellung in die Praxis, dass sie in puncto Sexualität irgendetwas können oder leisten müssen. Dieser Druck entsteht unter anderem durch die Medien, die uns in pornografischen Klischees und hollywoodtauglichen Schmuseromanzen vorführen, was und wie Sex und Liebe sein sollten. Es ist nicht nur schambehaftet, über das eigene sexuelle Nichtkönnen und Versagen zu reden, sondern den eigenen Sex überhaupt zur Sprache zu bringen. Leider kommt kaum jemand auf die Idee, das alles in Frage zu stellen. Kaum einer scheint darüber nachzudenken, dass die Wirklichkeit vielleicht anders ist, dass die meisten Menschen eben nicht so sind und nicht so können, wie in den Medien behauptet und vermittelt wird.

DIESES BUCH SOLL FREUDE MACHEN.

Apropos »du«: Die meisten meiner Klientinnen und Klienten duze ich. Nicht weil ich als Dänin ohnehin unkonventionellere Umgangsformen pflege, sondern weil bei Gesprächen über Sex eine entspannte Stimmung wichtig ist. Ein »Sie« würde oft von vornherein das nötige Maß an Intimität verhindern: Es ist schließlich dazu da, einen gewissen Abstand zwischen Menschen zu wahren. Mir gelingt es in der Praxis, trotz und mit dem Du, respektvolle Grenzen einzuhalten. Deswegen habe ich mich auch in diesem Buch wieder fürs Duzen entschieden und hoffe, dass sich damit auch Lesende arrangieren können, denen ein »Sie« vielleicht lieber wäre. Genauso bitten wir um Verständnis, dass wir auf geschlechterneutrale Wortungetüme und quotierte Sprache verzichtet haben. Das ist keineswegs diskriminierend gemeint. All den Menschen, die sich in dieser Hinsicht mit der Unfreundlichkeit der deutschen Sprache auseinandersetzen, sei hier ausdrücklich Dank gesagt. Es ist unser Wunsch, dass sich jede Frau und jeder Mann, unabhängig von der jeweiligen Anrede, ganz persönlich angesprochen, wahrgenommen und miteinbezogen fühlt. So steht »sie« an vielen Stellen im Text nicht nur für Frauen, und das »er« meint nicht bloß Männer, sondern sie sind an das Weibliche und das Männliche in uns allen gerichtet, in jeder beliebigen Partnerschaft.

In der Hoffnung, dass dieses Buch für Aha-Effekte, Neu-Erkenntnisse und für mehr und längeren Genuss beim Sex sorgen wird - Let’s Make More Love!

* An dieser Stelle möchte ich mich, wie schon beim ersten Buch, bei Dr. Karoline...