Dirty

Dirty

von: Megan Hart

MIRA Taschenbuch, 2007

ISBN: 9783862780006 , 396 Seiten

Format: PDF, ePUB, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 4,49 EUR

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Dirty


 

1. KAPITEL

Unsere Geschichte begann so:

Wir begegneten uns in einem Süßwarenladen. Er drehte sich um, lächelte mich an, und ich war so überrascht, dass ich zurücklächelte.

Das Sweet Heaven war kein einfacher Süßwarenladen für Kinder, sondern ein gehobener Gourmet-Tempel; hier gab es keine billigen Lutscher oder vertrockneten Schokoküsse; hierhin ging man, wenn man mit schlechtem Gewissen Trüffelpralinen für die Frau des Chefs kaufen wollte, weil man mit ihm bei einer Geschäftsreise nach Milwaukee gevögelt hatte.

Er kaufte Jelly Beans, nur schwarze, und musterte die Tüte mit Schokolinsen in meiner Hand, ebenfalls alle in einer Farbe.

„Sie wissen, was Grün bedeutet.“ Der verwegene Zug um seine Lippen war anziehend.

„St. Patrick's Day!“ Das war nämlich genau der Grund, warum ich sie in Grün kaufte.

Er schüttelte den Kopf. „Nein. Die Grünen steigern die Lust.“

Ich bin ja schon ziemlich oft angemacht worden, meistens von wenig feinsinnigen Männern, die glauben, das, was sie zwischen den Beinen haben, wäre ein Ausgleich für das, was zwischen ihren Ohren fehlt. Manchmal bin ich trotzdem mit einem von ihnen nach Hause gegangen, einfach, weil es sich gut anfühlte, zu begehren und begehrt zu werden, auch wenn alles meist nur gespielt war und üblicherweise enttäuschend endete.

„Das ist eine Erfindung von pubertierenden Jungs, deren überschwängliche Fantasien leider selten erfüllt werden.“

Sein Lächeln wurde breiter. Dieses strahlend weiße Lächeln war das Schönste an seinem ebenmäßig geschnittenen Gesicht. Sein Haar hatte die Farbe von feuchtem Sand, seine Augen waren blaugrün – er war attraktiv, doch wenn er lächelte, war er atemberaubend.

„Sehr gute Antwor“, sagte er.

Er streckte eine Hand aus. Als ich sie ergriff, zog er mich näher an sich heran, so nah, dass er mir ins Ohr flüstern konnte. Sein heißer Atem tanzte über meine Haut, und ich erschauerte. „Mögen Sie Lakritze?“

Allerdings, und so schob er mich um ein Regal herum und griff in ein Glas voller kleiner schwarzer Rechtecke, auf dem ein Etikett mit dem Bild eines Kängurus klebte.

„Dann probieren Sie mal das.“ Er hielt mir ein Stück hin, und ich öffnete die Lippen, obwohl auf einem Schild deutlich zu lesen war: Probieren verboten. „Kommt direkt aus Australien.“

Die Lakritze lag auf meiner Zunge. Weich, duftend und auf eine Weise klebrig, dass ich mit der Zunge über meine Zähne fuhr. Ich schmeckte seine Finger dort, wo er meine Lippen berührt hatte. Er lächelte.

„Ich kenne eine hübsche Bar“, sagte er, und ich ließ mich von ihm dorthin bringen.

The Slaughtered Lamb. Ein grausiger Name für eine kleine Bar, versteckt in einem Gässchen mitten in Harrisburg. Verglichen mit den angesagten Tanzschuppen und teuren Restaurants in dieser Gegend wirkte der Laden irgendwie fehl am Platz und deswegen umso reizvoller.

Er wählte für uns zwei Plätze an der Bar, abseits der Collegestudenten, die in einer Ecke Karaoke sangen. Weil mein Barhocker wackelte, musste ich mich an der Theke festhalten. Ich bestellte eine Margarita.

„Nein.“ Er schüttelte den Kopf, und ich hob eine Augenbraue. „Sie möchten bestimmt Whiskey.“

„Ich habe noch nie Whiskey getrunken.“

„Eine Jungfrau.“ Bei jedem anderen Mann hätte dieser Kommentar albern geklungen und meinerseits nur ein Verdrehen der Augen nach sich gezogen.

Doch bei ihm funktionierte es.

„Eine Jungfrau“, stimmte ich zu, und das Wort fühlte sich ungewohnt auf meiner Zunge an, als ob ich es ziemlich lange nicht mehr benutzt hätte.

Er bestellte uns jeweils ein Glas Jameson's Irish Whiskey und stürzte seinen, so wie es sich gehört, in einem Zug hinunter. Mir war Alkohol wahrlich nicht fremd, auch wenn ich noch nie Whiskey probiert hatte, doch ich machte es ihm nach, ohne das Gesicht zu verziehen. Es gibt einen guten Grund, warum Whiskey Feuerwasser genannt wird, aber nach dem ersten Brennen breitete sich der Geschmack in meinem Mund aus und erinnerte mich an den Duft von verbrannten Blättern. Sehr angenehm. Warm. Sogar ein bisschen romantisch.

Sein Blick hellte sich auf. „Es gefällt mir, wie Sie ihn heruntergeschluckt haben.“

Ich war auf der Stelle wahnsinnig erregt.

„Noch einen?“, fragte der Barkeeper.

„Noch einen“, entgegnete mein Begleiter. Und zu mir sagte er: „Sehr gut gemacht.“

Dieses Kompliment freute mich, wobei mir nicht klar war, warum es mir auf einmal so wichtig erschien, ihm zu gefallen.

Wir tranken also eine Weile, und der Whiskey zeigte mehr Wirkung, als ich gedacht hätte. Oder vielleicht lag es auch an der Gesellschaft meines Begleiters, jedenfalls fing ich an, über seine spitzen, aber irgendwie netten Kommentare über die anderen Gäste zu kichern. Die Frau im Geschäftsanzug in einer Ecke war ein Callgirl, das gerade Pause hatte. Der Mann mit der Lederjacke ein Leichenbestatter. Mein Begleiter erfand Geschichten über jeden Gast und den freundlichen Barkeeper, der seiner Meinung nach früher Fruchtgummis angebaut hatte.

„Fruchtgummis werden nicht angebaut.“ Ich beugte mich vor, um seine Krawatte zu berühren, die auf den ersten Blick mit den üblichen Punkten und Kreuzen gemustert zu sein schien. Ich hatte jedoch bemerkt, dass es sich um winzige Totenköpfe mit gekreuzten Knochen handelte.

„Nicht?“ Er schien enttäuscht zu sein, dass ich nicht mitspielte.

„Nein.“ Ich zupfte an seiner Krawatte und blickte in seine blaugrünen Augen, die inzwischen mit der Schönheit seines Lächelns konkurrieren konnten. „Fruchtgummi wächst wild.“

Er warf den Kopf in den Nacken und brach in schallendes Gelächter aus. Ich beneidete ihn darum, wie natürlich er dem Impuls nachgab, laut zu lachen. Ich hätte befürchtet, dass die Leute mich komisch anschauten.

„Und Sie?“, fragte er schließlich. Sein Blick durchbohrte mich. „Was sind Sie?“

„Ein Fruchtgummidieb“, flüsterte ich mit meinen vom Whiskey tauben Lippen.

Er streckte die Hand nach einer Haarsträhne aus, die sich aus meinem langen französischen Zopf gelöst hatte, und zwirbelte sie zwischen den Fingern. „So gefährlich wirken Sie meiner Ansicht nach gar nicht.“

Wir sahen uns an, zwei Fremde, lächelten – und ich dachte, dass es schon lange her war. „Möchten Sie mich nach Hause begleiten?“

Das wollte er.

An diesem Abend versuchte er nicht, mich zu lieben, was mich nicht überraschte. Allerdings versuchte er auch nicht, mich zu vögeln, was mich doch etwas wunderte. Er küsste mich nicht einmal, obwohl ich zögerte, bevor ich den Schlüssel ins Schloss steckte und noch ein wenig mit ihm lachte und plauderte, bevor ich Gute Nacht sagte.

Nicht mal nach meinem Namen hatte er gefragt. Auch nicht nach meiner Telefonnummer. Er ließ mich einfach, ein wenig schwankend vom Whiskey, vor meiner Tür zurück. Ich sah, wie er die Straße hinunterging und das Kleingeld in seiner Hosentasche klimpern ließ. Erst als er in der Dunkelheit hinter der Straßenlaterne verschwand, ging ich ins Haus.

Am nächsten Morgen, als ich mir unter der Dusche den Zigarettenrauch aus den Haaren wusch, musste ich an ihn denken. Ich dachte an ihn, während ich meine Beine, die Achseln und mein Haar zwischen den Beinen rasierte. Ich putzte meine Zähne, betrachtete mein Gesicht im Spiegel und versuchte mir vorzustellen, wie er meine Augen wohl gesehen hatte.

Bei genauerem Betrachten waren sie blau mit weißen und goldenen Sprenkeln. Viele Männer machten mir deswegen Komplimente. Einer Frau zu sagen, sie habe schöne Augen, ist vermutlich der schnellste Weg, um herauszufinden, ob man als Nächstes eine Hand auf ihren Schenkel legen darf. Er hatte meine Augen nicht erwähnt. Er hatte mir, um genau zu sein, kein einziges Kompliment gemacht, außer über die Art und Weise, wie ich den Whiskey trank.

Ich dachte an ihn, als ich mich für die Arbeit anzog. Schlichte weiße Unterhose, bequemer Schnitt und angenehmer Stoff, passender BH mit einem Hauch von Spitze, gerade genug, um hübsch auszusehen, aber dafür gemacht, meine Brüste eher zu stützen als hervorzuheben. Ein schwarzer, fast knielanger Rock. Eine weiße Bluse mit Knöpfen. Schwarz und Weiß wie immer, weil es einem die Wahl erleichtert und mich die Einfachheit von Schwarz und Weiß beruhigt.

Auf der Fahrt zur Arbeit dachte ich an ihn, die Ohren verschlossen mit Kopfhörern, um die willkürlichen Gespräche von Fremden auszublenden, Schutzschild der modernen Zivilisation. Die Fahrt dauerte nicht länger als sonst, war aber auch nicht kürzer, ich zählte die Haltestellen wie immer und warf dem Busfahrer dasselbe Lächeln zu.

„Ich wünsche Ihnen wie immer einen schönen Tag, Miss Kavanagh.“

„Danke, Bill.“

Ich dachte auch an ihn, als ich exakt fünf Minuten vor Dienstbeginn die Treppe zu meinem Bürogebäude hinauflief.

„Sie sind heute spät dran“, sagte Harvey Willard, der Sicherheitsbeamte. „Genau eine Minute.“

„Der Bus ist schuld“, erklärte ich mit einem Grinsen, von dem ich wusste, dass es ihn erröten lassen würde. Obwohl natürlich nicht der Bus dafür verantwortlich war, sondern allein die Tatsache, dass ich, in Gedanken versunken, langsamer gelaufen war.

Mit dem Fahrstuhl nach oben, den Flur entlang in mein Büro und hinter meinen Schreibtisch. Alles war wie immer, und doch hatte sich alles...