Homer für Eilige

von: Edgar Rai

Aufbau Verlag, 2010

ISBN: 9783841202154 , 215 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

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Preis: 8,99 EUR

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Homer für Eilige


 

III. DIE ODYSSEE (S. 127-129)

Spielball der Götter

Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes, Welcher so weit geirrt, nach des heiligen Troja Zerstörung, Vieler Menschen Städte gesehn und Sitte gelernt hat Und auf dem Meere so viel unnennbare Leiden erduldet, Seine Seele zu retten und seiner Freunde Zurückkunft.


Wie die Ilias, so beginnt auch die Odyssee mit einer Vorrede (Proömium), dem Musenanruf. Der Krieg war vorbei, Troja zerstört. Die Griechen, die den Kampf überlebt hatten, traten die Heimreise an. Odysseus hatte mit seinen zwölf Schiffen eine vergleichsweise beschwerliche Fahrt vor sich: Als Fürst von Ithaka mußte er südlich um die Peloponnes herum und anschließend wieder nach Norden bis auf die Höhe von Chalkis segeln, um zu seiner Heimatinsel zu gelangen, wo seine geliebte Familie seit zehn Jahren auf ihn wartete. Zunächst jedoch trieb ihn der Wind nach Norden, zur Stadt Ismaros im Land der Kikonen, dem heutigen Thrakien.

Das war zwar nicht vorgesehen, aber da man schon mal dort war, wollte man die Stadt natürlich nicht ungeplündert zurücklassen: Da verheert’ ich (Odysseus) die Stadt und vertilgte die Männer. Aber die blühenden Frau’n und die Schätze teilten wir all unter uns gleich, daß keiner leer von der Beute mir ausging. In ihrem Siegestaumel veranstalteten die Griechen ein üppiges Gelage und vergaßen darüber die aus der Stadt vertriebenen Kikonen, die sich in der Zwischenzeit Hilfe aus der Umgebung geholt hatten.

Es kam erneut zum Kampf. Die überraschten Griechen unterlagen, 72 Mann wurden getötet, die übrigen mußten fliehen. Ein heftiger Sturm zerriß ihnen die Segel, und die völlig entkräftete Mannschaft mußte ihre Reise für zwei Tage unterbrechen. Am dritten Tag aber zeigten sich die Winde wieder versöhnlich und trugen sie schnell in Richtung Heimat. Die Fahrt verlief reibungslos, nichts schien sie mehr aufhalten zu können. Sie umsegelten bereits die Südspitze der Peloponnes, als sie doch noch eine böse Überraschung erlebten: Da warfen uns plötzlich die Flut und der Strom und der Nordwind fern von Kythere. Und dieses Ereignis markierte den Beginn von Odysseus’ beispielloser Irrfahrt.