Die Pyramide des Sonnengottes - Karl May´s Gesammelte Werke Band 52

Die Pyramide des Sonnengottes - Karl May´s Gesammelte Werke Band 52

von: Karl May

Karl-May-Verlag, 2013

ISBN: 9783780215529 , 464 Seiten

Format: PDF, ePUB, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 9,99 EUR

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Die Pyramide des Sonnengottes - Karl May´s Gesammelte Werke Band 52


 

14. Kundschafter (S. 365-366)

Nordwestlich der Mapimi, da, wo von Südwesten aus der Gegend von Baquiriachi her mehrere größere Wasser die Hochebene durchfließen, um sich dann von ihr hinab in den Rio Grande del Norte zu stürzen, entlocken diese Wasser dem sonst unfruchtbaren Boden einen üppigen Pflanzenwuchs. Es gibt fruchtbare Weidestrecken, die von dichten Wäldern umschlossen werden, die sich hinab nach Sonora, dem nordwestlichen Staat von Mexiko, erstrecken, wo sie sich dann in die leblosen Ebenen der Apacheria verlieren, denen weiter im Norden durch den Rio Gila einige Fruchtbarkeit abgezwungen wird.

Einer dieser Wälder war es, an dem die Apatschen unter Anführung Sternaus, Büffelstirns und Bärenherzens vorüberritten. Sie hatten während des ganzen Rittes keinen einzigen Menschen gesehen und hielten sich für sicher und unbeobachtet. Hätte der Wald einen geringeren Umfang gehabt, so wäre er von ihnen umstellt und durchsucht worden. Bei seiner weiten Ausdehnung war das aber unmöglich und so begnügte man sich, an ihm vorüberzureiten und nur seinen Saum zu durchforschen.

Zu gleicher Zeit hätte ein aufmerksamer Beobachter in der Tiefe dieses Waldes ein leises, aber ununterbrochen sich fortbewegendes Geräusch vernehmen können. Bald klang es wie das Knicken eines kleinen, dürren Zweiges, bald wie das Zusammenreiben von Blättern, an die jemand stieß. Das Geräusch blieb nicht an einer Stelle, sondern es bewegte sich langsam fort, dem Rand des Waldes zu. Endlich erklangen sogar einige geflüsterte, vorwurfsvolle Worte: „Hat mein Bruder nicht gelernt, sich unhörbar zu bewegen?“ Darauf erfolgte eine ebenso leise Antwort. „Unter den Bäumen ist es dunkel. Hat mein Bruder etwa die Augen einer Katze, dass er alle Zweige und Blätter erkennen kann?“ Nun wurde es wieder still, nur ein geheimnisvolles Rauschen ließ sich vernehmen.

Dann verstummte es und nach kurzer Zeit lispelte jemand: „Warum steht mein Bruder? Hat er etwas gehört?“ „Ja, er hörte das ferne Schnauben eines Pferdes.“ Da erklang das Schnauben abermals, und zwar in größerer Nähe. „Es kommen Reiter. Hier ist eine große Kiefer. Wer oben in den Zweigen sitzt, kann nicht gesehen werden und hat die Prärie vor sich liegen.“ Es waren zwei Indianer, die dieses Gespräch führten. Der die letzten Worte gesprochen hatte, umfasste den Stamm und kletterte empor. Der andere folgte ihm. Beide huschten wie Eichkätzchen und zeigten eine solche Gewandtheit, dass fast kein Geräusch zu vernehmen war.

Als sie oben zwischen den benadelten Ästen saßen, waren sie von unten unmöglich zu bemerken. Sie hatten ihre Waffen an sich hängen, wurden durch sie jedoch nicht behindert. Kaum saßen sie fest, so hörten sie nahende Schritte. Es waren die Apatschen, die von ihren Pferden gestiegen waren, um den Rand des Gehölzes zu untersuchen. Als sie, dem Geräusch nach, vorüber waren, ertönte draußen lautes Pferdegetrappel und die Truppe ritt vorüber.

„Uff!“, flüsterte der eine Indianer. „Apatschen.“ „In den Farben des Krieges!“, fügte der andere bei. „Es sind Bleichgesichter bei ihnen!“ „Drei! Uff! Uff!“ „Worüber wundert sich mein Bruder?“ „Kennt mein Bruder das große, starke Bleichgesicht, das an der Spitze reitet?“ „Nein.“ „Es ist Matava-se. Ich habe ihn gesehen vor einigen Wintern, als ich in der Stadt war, die die Bleichgesichter Santa Fe nennen.“