Der Ölprinz - Karl May´s Gesammelte Werke Band 37

Der Ölprinz - Karl May´s Gesammelte Werke Band 37

von: Karl May

Karl-May-Verlag, 2001

ISBN: 9783780217370 , 513 Seiten

Format: PDF, ePUB, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 6,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Der Ölprinz - Karl May´s Gesammelte Werke Band 37


 

12. Der Häuptling der Navajos (S. 407-408)

Es war zwei Tage später. Da, wo sich der Chelly-Arm in den Rio San Juan ergießt, gab es auf der Landzunge zwi- schen diesen beiden Flüssen ein bedeutendes Indianerlager. Es mochten da wohl an die sechshundert Navajos versam- melt sein, und zwar nicht zur Jagd, sondern zu einem Kriegszug, denn alle Gesichter waren mit Kriegsfarben bemalt. Die Stelle war gut zum Lager geeignet. Sie bildete ein Dreieck, das an zwei Seiten von den beiden Flüssen geschützt wurde und nur von der dritten Seite angegriffen werden konnte.

Gras gab es mehr als genug, Bäume und Sträucher auch, und an Wasser war vollends gar kein Man- gel.A n langen Riemen, die von Baum zu Baum gezogen waren, hingen lange, dünn geschnittene Fleischstücke zum Trocknen, der notwendige Mundvorrat für den beabsich- tigten Kriegszug. Die Roten lagen entweder unbeschäftigt im Gras oder sie badeten in einem der Flüsse. Andere dres- sierten ihre Pferde und noch andere übten sich im Ge- brauch ihrer Waffen. In der Mitte des Lagers stand eine Hütte, aus Strauch- werk errichtet.

Eine lange Lanze, die neben der Tür in der Erde steckte, war mit drei Adlerfedern geschmückt. Die Hütte war also die Wohnung von Nitsas-Ini, dem obers- ten Häuptling der Navajos. Er befand sich nicht im In- nern, sondern saß vor dem Eingang der Hütte. Der Häuptling war wohl noch nicht ganz fünfzig Jahre alt, von kräftiger, ebenmäßiger Gestalt und hatte, was hier auffallen musste, sein Gesicht nicht mit Farbe bestrichen. Daher waren seine Züge deutlich zu erkennen. Man konnte das Ergebnis einer Betrachtung dieser Züge in das eine Wort zusammenfassen: edel.

In seinem Blick lag eine un- gewöhnliche Beschaulichkeit, eine Ruhe und Klarheit, die man an Indianern sonst nicht zu beobachten pflegt. Er machte keineswegs den Eindruck eines wilden oder auch nur eines halbwilden Menschen. Und wenn man nach der Ursache davon suchte, so brauchte man nur auf die Per- son zu blicken, die an seiner Seite saß und sich mit ihm unterhielt – eine Squaw. Das war unerhört! Eine Squaw im Kriegslager und noch dazu an der Seite des Häuptlings!

Man weiß ja, dass selbst die geliebteste Indianerfrau es nicht wagen darf, öffent- lich an der Seite ihres Mannes zu sitzen, falls er nur eine einigermaßen hervorragende Stellung einnimmt. Und hier handelte es sich um den obersten Häuptling eines Stam- mes, der noch heutigen Tages1 im Stande ist, fünftausend Krieger zusammenzubringen. Aber diese Frau war keine indianische Squaw, sondern eine Weiße. Sie war, kurz ge- sagt, Schi-Sos Mutter, die den Häuptling der Navajos zum Mann genommen und die einen glücklichen, bildenden Einfluss über ihn gewonnen hatte, wie schon früher ein- mal erwähnt wurde.