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von: Claus Bölicke et al.

Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber), 2007

ISBN: 9783456943947 , 88 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 12,99 EUR

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4 Klinikbasierte Vorbereitung auf das Leben mit Demenz: Das Alzheimer Therapiezentrum (S. 23-24)

Herr Tillmanns (vgl. Kap. 2) konnte in einer Selbsthilfegruppe durch den Austausch mit anderen betreuenden Angehörigen Erfahrungen sammeln, die für ihn entscheidend hilfreich waren.

Eine Erweiterung der Angehörigengruppenarbeit stellt das von Barbara Romero entwickelte Konzept des Alzheimer Therapiezentrums (ATZ) dar (Romero, 2001). Das multimodale ATZ-Programm integriert vielseitige Hilfen für Angehörige mit erhaltender Rehabilitation und medizinischer Behandlung von Demenzkranken. Durch diese Kombination und durch eine Beteiligung von verschiedenen therapeutischen Berufsgruppen können spezielle Probleme und Ressourcen jeder betroffenen Familie individuell erkannt und berücksichtigt werden. Im Rahmen einer zeitlich limitierten, intensiven Intervention werden Empfehlungen für das weitere Leben im Alltag vorbereitet und den Betreuern vermittelt.

Die meisten Erfahrungen mit der praktischen Umsetzung und derWirksamkeit des von Romero entwickelten multimodalen Behandlungsprogramms wurden bisher im Alzheimer Therapiezentrum der Neurologischen Klinik Bad Aibling gewonnen. Das multimodale Behandlungskonzept wird aber auch von anderen Kliniken übernommen und stationär bzw. ambulant angeboten. So wurden zum Beispiel erste Erfahrungen, das Programm ambulant umzusetzen, in der Memory- Ambulanz des Zentrums für Geriatrie und Gerontologie in Freiburg gemacht (Jost et al., 2003). Wie bereits oben erwähnt, erprobt die Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus seit 2005 eine ambulante Alternative der Selbsterhaltungstherapie.

Im Folgenden (s. Kap. 4.1) wird das Arbeitskonzept des Alzheimer Therapiezentrums Bad Aibling vorgestellt und anschließend (s. Kap. 4.2) werden die Studienergebnisse zurWirksamkeit der Behandlung präsentiert.

4.1 Das Konzept des Alzheimer Therapiezentrums Bad Aibling

Das Alzheimer Therapiezentrum Bad Aibling bietet in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Technischen Universität München ein vierwöchiges stationäres Behandlungsprogramm für Patienten mit zu Demenz führenden Erkrankungen und deren betreuenden Angehörigen an. Kranke werden immer zusammen mit den betreuenden Angehörigen aufgenommen, um die betroffenen Familien auf das bevorstehende Leben mit der Demenz vorzubereiten und damit den Verlauf der Krankheit günstig zu beeinflussen. Das Konzept kombiniert medizinische Behandlung mit einer erhaltenden Rehabilitation für Kranke und einem Programm für Angehörige.

Medizinische Behandlung

In der spezialisierten Facheinrichtung können die vor der Aufnahme gestellten Diagnosen im Verlauf des Aufenthalts im Alzheimer Therapiezentrum überprüft, gesichert, präzisiert und in speziellen Fällen auch geändert werden. Demenzsymptome werden mit Antidementiva behandelt. Bei Bedarf werden weitere Medikamente eingesetzt, um Stimmung, Antrieb, Unruhe, Reizbarkeit und andere Verhaltensauffälligkeiten günstig zu beeinflussen. Eine optimale psychopharmakologische Einstellung wird durch die speziellen Bedingungen der Einrichtung unterstützt. So kann die Wirkung der Medikation im stationären Rahmen vom Angehörigen und von einem interdisziplinären, erfahrenen Team beobachtet und entsprechend angepasst werden.

Gleichzeitig reduzieren die wohnliche Atmosphäre des Hauses, die unterstützenden Umgangsformen des geschulten Personals und vor allem die Anwesenheit der Angehörigen die Stressreaktionen der Kranken auf die neue Umgebung. Dadurch kann vermieden werden, dass der Bedarf an beruhigenden Medikamenten als Folge einer stationären Aufnahme steigt. Es fällt auch leichter zu beurteilen, inwieweit sich der Medikamentenbedarf durch geeignete Umgangsformen reduzieren lässt.